Ein Zeichen der Integration ist die bayerische Tracht für Cheikh Ndong (r.) und AWO-Kreischef Fritz Steinberger. foto: ja

Drohende Abschiebung 

Gut integriert, aber ohne Zukunft

Erding – Seit vier Jahren lebt der Senegalese Cheikh Ndong gut integriert in Deutschland. Jetzt soll er ausgewiesen werden. Für den Kreisvorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt Erding, Fritz Steinberger, unvorstellbar.

Mit einem freundlichen „Servus, wie geht es Ihnen?“, begrüßt Cheikh Ndong die Heimatzeitung. Stolz trägt er die Lederhose und sein kariertes Trachtenhemd. Ein freches Grinsen breitet sich in seinem Gesicht aus. Ndong liebt es, seinen Gegenüber mit seinem bayerischen Dialekt zu überraschen. Diesen hat er sich in den vier Jahren, die er mittlerweile in Deutschland lebt, angeeignet. In zwei Deutschkursen hat der Asylbewerber die Sprachniveaus B1 und B2 erreicht, denn ihm war von Anfang an klar: ohne Sprache kein Beruf. Und davon hat der 32-Jährige eine genaue Vorstellung. Er möchte als Altenpflegehelfer arbeiten. „Dabei habe ich das Gefühl, etwas zu bewirken. Ich kann anderen Menschen mit meiner Arbeit helfen“, sagt er.

Seine Ausbildung zum Altenpflegehelfer hat Ndong absolviert, allerdings hat er die Prüfung nicht geschafft. Unterkriegen lässt er sich davon aber nicht. Die Wartezeit bis zum nächsten Prüfungstermin hat er mit handwerklichen Praktika und einem Job als Verkäufer in einem Bekleidungsgeschäft überbrückt.

Seine Pläne wurden im Mai durchkreuzt. „Weil ich aus einem sicheren Herkunftsland komme, wurde mein Asylantrag abgelehnt. Das Landratsamt hat mir deshalb auch die Arbeitsgenehmigung entzogen“, erzählt der 32-Jährige. Die Enttäuschung ist ihm anzusehen, denn zurück in seine afrikanische Heimat will er nicht. Der Grund: seine Familie. „Ich habe dort viele Cousins. Deren Verhältnis zu mir ist ein großes Problem. Vor ihnen musste ich flüchten“, erzählt der Senegalese.

Bis zur Ablehnung seines Asylantrags hatte sich Ndong eigenständig um Beruf und Integration bemüht. „Er ist aus Ratlosigkeit zur AWO gekommen“, sagt deren Vorsitzender Fritz Steinberger. Er ist wütend: „Menschen, die gerne in der Altenpflege tätig sind, sind doch genau das, was wir hier brauchen.“

Cheikh Ndong ist gut integriert. Im Heiliggeist-Stift ist er ehrenamtlich tätig. Seine Freizeit verbringt er im Fußballverein Rot-Weiß Klettham, für den er in der zweiten Mannschaft in der B-Klasse 5 kickt. „Ich habe den Eindruck, dass hier der Ermessensspielraum nicht so zum Tragen kommt, wie er eigentlich könnte“, kommentiert Steinberger die Causa Ndong. „Er ist nie polizeilich aufgefallen, lag nie auf der faulen Haut und würde sofort wieder arbeiten, wenn er die Erlaubnis dazu hätte“, sagt der AWO-Chef: „Genau diese Menschen suchen wir doch händeringend in der Altenpflege! Er tut so viel für unsere Gesellschaft, wieso tun wir dann nichts für ihn?“

Bis 18. Oktober ist der 32-Jährige noch geduldet. Wie es dann weitergeht, ist unklar. Für Steinberger liegen die Fakten jedoch auf dem Tisch. Er verweist auf die Aussage von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, die kürzlich für Aufsehen sorgte. Dieser hatte einen fußballspielenden, ministrierenden Senegalesen, der sich bereits seit drei Jahren als Wirtschaftsflüchtling in Deutschland aufhält, als schlimmsten Fall bezeichnet. „Den kriegen wir nie wieder los“, so Scheuers Begründung. Für Steinberger kann das nur eines heißen: „Cheikh Ndong ist Senegalese, spielt Fußball und ist seit vier Jahren hier. Zwar besucht er die Kirche nicht regelmäßig, mit seiner Tätigkeit in der Altenpflege hilft er aber weitaus mehr als andere. Er bleibt also hier!“

Auch die umstrittene Aussage „Wir schaffen das“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel greift der langjährige SPD-Kreis- und Stadtrat auf. „Natürlich schaffen wir das – wenn wir das wollen. Und die AWO will“, sagt Steinberger. Cheikh Ndong sei „genau die Art Einwanderer, die Deutschland braucht“.

Julia Adam

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