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Chef von 31 Disponenten: Hubert Maier ist neuer Leiter der Integrierten Le itstelle Erding. 

Hubert Maier (50) ist neuer Chef der Integrierten Leitstelle Erding – Er kann Feuerwehr ebenso wie Rettungsdienst

Der Herr der Notrufe

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Integrierte Leitstelle Erding hat einen neuen, sehr erfahrenen Leiter: Hubert Maier. Ein Portrait über einen, der immer im Kopf hat, anderen zu helfen, der aber auch schon selbst einmal auf dramatische Weise auf Rettung angewiesen war.

Erding – 31 Disponenten nehmen in der Integrierten Leitstelle Erding (ILS) 450 Notrufe entgegen und koordinieren daraus 200 Einsätze – jeden Tag. Mehr als 60 000 Mal werden an der Wilhelm-Bachmair-Straße Rettungsdienst und Feuerwehr alarmiert. Jetzt hat die Kommandozentrale für Hilfeleistungen in den Landkreisen Erding, Ebersberg und Freising einen neuen Chef: Hubert Maier.

Er arbeitete im Rettungsdienst und bei der Flughafenfeuerwehr

Der 50-Jährige, der mit seiner Familie in Altenerding lebt, dürfte schon aufgrund seiner Erfahrung prädestiniert für diese Aufgabe sein: Der Brandinspektor war ab 1989 Rettungsassistent beim BRK Freising, ehe er 2002 die Ausbildung zum Berufsfeuerwehrmann absolvierte und sieben Jahre lang bei der Flughafenfeuerwehr arbeitete. Parallel engagiert er sich auch ehrenamtlich bei der Feuerwehr, zuletzt als aktives Mitglied der Stützpunktfeuerwehr Altenerding, nun als deren stellvertretender Vorsitzender.

Mit der Neugründung der ILS in Trägerschaft des Landkreises Erding wechselte der Oberbrandmeister 2009 dorthin. Zunächst arbeitete der zweifache Vater als Disponent, dann als Schichtleiter. Als es ab 2012 darum ging, den Digitalfunk für alle Rettungsorganisationen einzuführen, übernahm er die dafür zuständige Taktisch Technische Betriebsstelle. Ab 2013 war Maier darüber hinaus Lagedienstführer, durfte also die Leitstelle dann leiten, wenn der ILS-Chef nicht anwesend war.

Ansprechpartner für fast 200 Feuerwehren

Mittlerweile ist Maier Brandinspektor und leitet die Leitstelle. Er ist für den Dienstbetrieb und das Personal verantwortlich. Sein Vorvorgänger Siegfried Aigner verantwortet die hochkomplexe Technik der ILS.

Doch Maier sieht sich nicht nur als ILS-Chef, sondern auch als Ansprechpartner für die, die aus „seinem“ Haus die Alarme erhalten: 196 Freiwillige Feuerwehren mit rund 10 000 Ehrenamtlichen sowie ein halbes Dutzend Rettungsdienste an 15 Standorten in den drei Landkreisen. „Der Kontakt mit ihnen ist mir sehr wichtig. Das muss ein Verhältnis auf Augenhöhe sein, denn sie verrichten die lebensrettende Arbeit vor Ort“, erklärt Maier sein Credo. Ihm ist es wichtig, die Kameraden draußen wertzuschätzen – egal, ob kleine Dorffeuerwehr oder große Berufsfeuerwehr wie die am Flughafen oder die Besatzung eines Rettungshubschraubers. „Wenn wir schnell und gut helfen wollen, muss die Verbindung zu 100 Prozent stimmen“, ist er überzeugt – und meint damit nicht nur den Funk, das zentrale Handwerkszeug der Disponenten.

So erlebte er selbst einen Unfall

Eine Erfahrung hat Maier seinen Kollegen voraus, die er lieber nicht gemacht hätte. Er weiß auch von der anderen Seite, wie sich Menschenrettung anfühlt. Im April 2019 wurde der 50-Jährige selbst Opfer eines Unfalls, bei dem er schwer verletzt wurde und an dessen Folgen er nach wie vor laboriert. Maier war auf dem Rückweg von einem dienstlichen Termin in Freising, als kurz vor dem Ziel auf der Flughafentangente Ost ein Auto auf die Gegenfahrbahn geriet und frontal in den Audi des Leitstellen-Chefs krachte. Maier erlitt schwere Verletzungen und war eine Stunde lang eingeklemmt. Ein paar Kilometer weiter in der ILS wussten die Kollegen, für wen sie diesen Einsatz mit mehreren Feuerwehren, Rettungswagen und sogar einem Hubschrauber koordinierten.

Nicht nur auf Technik und Ausrüstung kommt es an, auch auf das Menschliche

An den Zusammenstoß selbst hat der Familienvater keine Erinnerung mehr. „Aber ich weiß noch, dass die ganze Zeit jemand da war, der meine Hand gehalten hat. Und das war in diesem Moment das Wichtigste.“ Nie habe er sich allein gefühlt. Diese Notwendigkeit will er nun weitergeben. „Die Einsatzkräfte müssen sich immer klar machen, dass es wichtig ist, die Opfer keine Sekunde allein zu lassen.“ Die beste Technik in den Fahrzeugen sei das eine, der persönliche Beistand das andere. „Nur wenn beides zusammenspielt, können wir den Menschen bestmöglich helfen.“ Maier wurde an dem kühlen Frühlingsnachmittag ins Klinikum rechts der Isar geflogen. Monatelang war er krankgeschrieben.

Zahl der Disponenten aufgestockt

Ein Patient war zeitweise auch die ILS selbst. Der Berg an Überstunden, verursacht durch Krankheit und Wechsel von Disponenten zu anderen Leitstellen, wurde immer höher. Der Zweckverband für Rettungswesen und Feuerwehralarmierung schuf drei zusätzliche Disponentenstellen. Längst läuft die ILS wieder im normalen Betrieb. Maier ist stolz auf seine Truppe: „Jeder ist motiviert, wir haben junge, aber auch ältere, sehr erfahrene Kräfte. Das ergänzt sich perfekt.“ Die Arbeit in der ILS ist für ihn eine Erfüllung: „Man muss sich das immer wieder vor Augen führen: Wir sind für über 400 000 Menschen in den drei Landkreisen zuständig. Sie erwarten von uns, dass wir im Notfall schnelle Hilfe schicken, wenn die 112 gewählt wird. Das ist eine enorme Motivation.“ ham

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