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Der Tatort: An diesem Freischach-Feld am Fehlbach vergewaltigte Murat A. die Erdingerin und verletzte sie schwer. Die 40-Jährige flüchtete durch den Fluss.

Intensivtäter schon vor Verbrechen in Abschiebeverfahren

Wäre Vergewaltigung zu verhindern gewesen?

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Erding - Der Türke, der im Herbst in der Erdinger Innenstadt eine Frau brutal vergewaltigt und schwerst verletzt haben soll, wird nach der Haft wohl in sein Heimatland abgeschoben. Wäre das Verfahren schneller gelaufen, hätte das Verbrechen möglicherweise verhindert werden können.

Diese Gräueltat erschütterte ganz Erding: Ein 24 Jahre alter Türke vergewaltigte in der Nacht auf den 22. September dieses Jahres eine 40 Jahre alte Erdingerin. Am Fehlbach, unweit des Stegs zwischen Landratsamt und Altstadt, verging er sich nicht nur an der Frau, sondern verletzte sie auch schwerst. Unter anderem schlug er mit einer Bierflasche auf sie ein. Erst als sich das Opfer tot stellte, ließ der Peiniger von ihr ab. In Panik flüchtete die Frau wenig später durch den Fluss. Wochenlang lag sie im Klinikum Erding, ehe sie in die Psychiatrie kam.

Der mutmaßliche Täter wurde kurz nach der Tat verhaftet. Vor der Mordkommission stand kein Unbekannter: Murat A. ist zwar in Erding geboren, jedoch türkischer Staatsangehöriger. Seit seiner Jugend tritt er immer wieder kriminell in Erscheinung. Von einem Intensivtäter ist die Rede. Nach Informationen unserer Zeitung gab es wegen früherer einschlägiger Strafen bereits den Versuch, Murat A. in die Türkei abzuschieben. Zum Vollzug kam es jedoch nie.

Auch nicht nach den jüngsten Straftaten des Mannes. Im März 2014 war Murat A. zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter räuberischer Erpressung sowie Diebstahl in Tateinheit mit räuberischer Erpressung verurteilt worden (Aktenzeichen: 4 LS 21 JS 65 13/14). In diese Haftstrafe wurden zwei frühere Verurteilungen einbezogen.

2009 war Murat A. vom Amtsgericht Erding zu einem Jahr und zehn Monaten Haft wegen einer Gewaltstraftat verurteilt worden. 2011 verurteilte ihn das Amtsgericht München wegen Raubs und vorsätzlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und neun Monaten Haft.

Das Bundeszentralregister umfasst für ihn drei weitere Eintragungen aus den Jahren 2007, 2009 und 2011. Am 25. März dieses Jahres wurde Murat A. aus der Haft entlassen, er hatte die Strafe vollständig verbüßt.

Warum wurde die Ausweisung, für die die Ausländerbehörde am Landratsamt Erding zuständig ist, nicht früher vollzogen, so dass es nur ein halbes Jahr nach der Haftentlassung zu dem grauenhaften Verbrechen kam? Claudia Fiebrandt-Kirmeyer, Sprecherin der Kreisverwaltung, erklärt: „ Herr A. wurde im September 1992 in Erding geboren und ist türkischer Staatsangehöriger. Als Sohn eines türkischen Staatsangehörigen, der im Bundesgebiet geboren und aufgewachsen ist, genießt Herr A. per Gesetz einen besonderen Ausweisungsschutz.“ A. sei als „faktischer Inländer“ zu behandeln. Für A. ist seit 2011 ein rechtlicher Betreuer zur Regelung aller Angelegenheiten bestellt. Sämtliche bisherigen Verurteilungen erfolgten nach dem Jugendstrafrecht. Fiebrandt-Kirmeyer bestätigt jedoch, dass das Verfahren, ihn des Landes zu verweisen, bereits lief.

Mittlerweile ist Bewegung in die Sache gekommen. Laut Landratsamt wurde A. mit – rechtskräftigem – Bescheid vom 11. Oktober 2016 ausgewiesen. Es sei auch geprüft werden, „ob in der Türkei überhaupt ein gesicherter Aufenthalt möglich ist“, so die Behördensprecherin.

Zunächst einmal wird es freilich zu dem Prozess wegen des Verbrechens am Fehlbach kommen. Denn die Staatsanwaltschaft Landshut erklärte am 21. November, der Abschiebung nicht zuzustimmen. „Damit darf die untere Ausländerbehörde Herrn A. derzeit nicht abschieben“, so Fiebrandt-Kirmeyer.

Murat A. soll nach Informationen unserer Zeitung wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Landshut angeklagt werden. Dann drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Üblicherweise wird ein Ausländer in diesem Fall entweder nach Haftverbüßung abgeschoben. Oder er wird vorzeitig entlassen, des Landes verwiesen und mit einem Wiedereinreiseverbot belegt. Ein Prozesstermin steht noch nicht fest.

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