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Mit 300 Sängern standen das Jugendkammerorchesters Violinissimo und seine Leiterin Ulli Büsel (vorne, M.) auf der Bühne des Wiener Konzerthauses.

Internationales Projekt des Jugendkammerorchesters

Violinissimo glänzt im Wiener Konzerthaus

Zusammen mit 300 Sängern musizierte das Jugendkammerorchester Violinissimo im Konzerthaus in Wien. Leiterin Ulli Büsel hat bereits die nächsten internationalen Einladungen auf dem Tisch liegen.

Erding/Wien – Im Jahr 2013 hatte das Jugendkammerorchester Violinissimo beim Internationalen Orchesterwettbewerb „Summa Cum Laude“ den ersten Preis mit Auszeichnung erhalten. Daraus resultierte eine Einladung für ein internationales Projekt im Wiener Konzerthaus. Die Wiener suchten ein Orchester, das fähig ist, alleine zu agieren, um dem Dirigenten die Freiheit zu lassen, neun Chöre aus verschiedenen Nationen zu einer Einheit verschmelzen zu lassen. Jetzt war es soweit: 28 Musiker im Alter von 13 bis 27 Jahren reisten mit ihrer Leiterin Ulli Büsel für vier Tage nach Wien, um dort ihr Können zu präsentieren.

Seit eineinhalb Jahren bereitete sich Büsel auf das Projekt vor. Die erste Zeit stand jedoch nicht das Musizieren im Vordergrund, sondern das Finanzieren. „Wir mussten schon etliche Einladungen absagen, weil uns die Mittel fehlten. Das wollte ich dieses Mal unbedingt verhindern“, sagt Büsel. Schließlich sprang die Flughafen München GmbH (FMG) mit 2000 Euro ein. Der Rest wurde aus öffentlichen Förderungen und von den Eltern der Musiker bestritten. Seit einem halben Jahr probten die Musiker für das Konzert, einmal kam der Dirigent nach Erding eingeflogen. „Ab da hatten wir ein gutes Gefühl“, erzählt Büsel, selbst Violinistin seit ihrer Kindheit.

Komponist sitzt selbst am Flügel

Seitdem wurde gemeinsam geplant, organisiert, geprobt und koordiniert, bis schließlich das große Ereignis stattfand. „Das, was das Orchester dort erwartete, konnte man vorher nicht einmal träumen“, schwärmt Büsel. Der Komponist Martin Palmeri, dessen „Misatango“ zur Aufführung kam, saß selbst am Flügel und war laut Büsel hingerissen von dem Jugendkammerorchester aus Erding.

Auch Saul Zaks, Dirigent aus Argentinien, der gerade für einen Grammy vorgeschlagen wurde, konnte seine Begeisterung nicht bremsen und „hatte bei der Generalprobe sogar Tränen der Rührung in den Augen“.

Drei Tage intensiver Proben in Wien mit allen Teilnehmern gingen dem Konzert voraus. „Das Konzert hat sich wie ein Puzzle zusammengesetzt, aber du weißt wirklich erst bei der Aufführung, ob es passt“, sagt Büsel.

Es hat gepasst: Das Projekt sei zu einem „fulminanten Ereignis“ für alle Beteiligten geworden. Im ersten Teil glänzte Violinissimo im ausverkauften Saal mit reinem Orchesterprogramm. Mit einem Tango von Piazzolla stimmten die Musiker auf die Messe im zweiten Teil ein. Getragene Stille herrschte im Saal, als Clara Büsel in Alan Toroks „Indecision“ ihre Geige wundervoll singen ließ, achtsam begleitet von ihren Mitspielern. Voller Gefühl und mit saftigem Streicherklang brachten die jungen Erdinger die Holberg-Suite von Edvard Grieg zu Gehör, wobei Sandra Rieger und Leonie Herteux im letzten Satz im virtuosen Zusammenspiel mit dem Orchester fast zu tanzen schienen. Die Begeisterung im Saal war spürbar.

„Es herrschte zehn Sekunden Stille“

Nach der Pause betraten 300 Sänger die Bühne. Zusammen mit dem Jugendkammerorchester Violinissimo erklang die Misa a Buenos Aires („Misatango“) von Palmeri. Melodisch und rhythmisch ist das Werk dem Tango Nuevo und dem Vorbild Astor Piazzollas verpflichtet, es bedient sich aber gleichzeitig der Formensprache der kirchenmusikalischen Tradition. Nachdem der letzte Ton des „Agnus Dei“ verklungen war, herrschte zehn Sekunden absolute Stille. „Diese Stimmung werde ich nie vergessen“, schwärmt die Orchesterleiterin, „da bekomme ich jetzt noch Gänsehaut“. Dann erfüllten die 2000 Zuhörer das Wiener Konzerthaus mit tobendem Applaus und Bravorufen.

Kurz nach der Konzertreise trafen bei Büsel die nächsten beiden Einladungen zu Konzerten nach Wien ein. „Ich bin so stolz auf meine Violinissimos, mit welcher Eigenständigkeit sie das gemeistert haben.“

von Alexandra Anderka

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