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Emil Herrmann ist seit 47 Jahren in der Vorstandschaft der Liedertafel Erding

Interview

„Beim Singen fühle ich mich pudelwohl“

Auf 175 Jahre kann die Liedertafel Erding heuer zurückblicken und zählt somit zu den ältesten Vereinen im Landkreis. Am Samstag, 26. Oktober, wird das Jubiläum mit einem Konzert in der Stadthalle gefeiert. Zur Aufführung kommt das „Alexanderfest“ von Georg Friedrich Händel. 47 Jahre der Geschichte des Gesangsvereins hat ihr Vorsitzender Emil Herrmann im Vorstand bestritten. Wir sprachen mit ihm über die vergangenen Jahrzehnte, Höhen und Tiefen – und die Zukunft.

ErdingHerr Herrmann, Sie sind seit 47 Jahren in leitender Position bei der Liedertafel Erding. Eine beachtliche Zeit. Was hat Sie damals bewogen, im Vorstand mitzuwirken?

Im April 1972 hat Hans Mayerhofer als Chorleiter übernommen und den Chor aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Im Herbst des selben Jahres standen Neuwahlen an, in denen ich zum Tafelmeister gewählt wurde. Ich kam zu dem Amt wie die Jungfrau zum Kind. Allerdings war ich kein unbeschriebenes Blatt. Ich war vorher schon in der Vorstandschaft in anderen Vereinen und brachte so Erfahrung mit. Das war vermutlich auch der Grund, weshalb man mir das Amt zugetraut hat. 20 Jahre war ich als Tafelmeister tätig. Karl Schmid war in den 70er- und 80er-Jahren Vorsitzender, und der sagte zu mir: „Du wirst mein Nachfolger.“ Ich brauchte damals noch ein bisschen Zeit, da ich eine junge Familie hatte. 1991 wurde ich dann zum Vorsitzenden gewählt, 1994 hatte ich bereits das 150-jährige Jubiläum vorbereitet.

Was hat sich in den knapp fünf Jahrzehnten verändert?

Früher hat sich der dreiviertelte Chor nach der Probe beim Wirt getroffen. Dort hat man gegessen, geratscht, und es wurde weitergesungen. Es gab viele vereinsbelebende Veranstaltungen. Das hat aber nichts mit fehlender Aktivität des Vorstands zu tun. Alle sind übersättigt, das Angebot, was Freizeitgestaltung anbelangt, ist zu groß. Zudem hat eine Vereinszugehörigkeit nicht mehr den Stellenwert wie früher. Dadurch, dass wir uns immer größeren Aufgaben wie Konzerten gewidmet haben, ist die Leichtigkeit im Verein etwas verloren gegangen. In den 70er- und 80er-Jahren war es einfach geselliger. Hans Mayerhofer hatte eine bunte Mischung einstudiert, seine Nachfolger legten Wert auf anspruchsvollere Musik wie Klassik oder Kirchenmusik.

Was waren Ihre größten Erfolge?

Zusammen mit den Chorleitern kann ich auf eine Vielzahl von Aufführungen zurückblicken. Höhepunkte waren Carmina Burana, der Auftritt bei der Bundesgartenschau in München mit dem Symphonischen Blasorchester mit Bob Ross und Haindling auf Empfehlung vom Bayerischen Sängerbund. Hundert Sänger standen da auf der Bühne. Wir machten auch schöne Ausflüge, beispielsweise nach Brixen und Prag, wo wir in den Domen Chormessen gestaltet haben.

Auf was würden Sie lieber verzichten?

Ein, zwei Misserfolge gab es da schon. Beispielsweise haben wir uns einmal nicht gut vorbereitet beim Bayerischen Sängertag in Landshut beteiligt. Dann könnte ich auf den zunehmenden Papierkrieg verzichten und die zunehmende Verantwortung als Vereinsvorsitzender. Wenn man früher das Weinfest organisiert hat, ist man halt zur Stadt gegangen und hat das geklärt. Heute füllt ein Weinfest einen ganzen Ordner mit Anträgen. Das zermürbt einen. Was mir zudem im Magen liegt, ist der fehlende Nachwuchs bei den Männerstimmen. Der jüngste Mann bei uns ist 60! Auch hier sind die vielen Freizeit-Alternativen, die es gibt, schuld.

Was bedeutet Singen für Sie?

Ich singe seit meiner Kindergartenzeit. Der Herrgott hat mich mit einer schönen hohen Stimme gesegnet. Das wurde von den Erwachsenen schon früh erkannt, und so durfte ich zu allen möglichen Veranstaltungen als Solist auftreten. Ich war auch in der Singschule von Hans Mayerhofer. Als Jugendliche haben wir uns gedacht: Wir mischen die Liedertafel neu auf. Noch heute fühle ich mich beim Singen pudelwohl. Singen ist mein Element, das ich ja auch im Ardinger Dreig’sang oder mit meinen Enkeln und auf Festen pflege.

Warum geben Sie Ihren Vorsitz ab?

Ich bin der Belastung einer Vereinsführung nicht mehr gewachsen. Früher war ich die Ruhe selbst. Heute habe ich mehr Bedenken. Ich habe während der Jahre viel Zeit in die Vereinsführung investiert. Dabei habe ich viele Aufgaben hinten angestellt. Außerdem bin ich der Meinung, dass ein junges Team wieder frischen Wind und neue Ideen in den Verein bringen könnte.

Was machen Sie dann mit der vielen Freizeit in der Zukunft?

Noch bin ich voll in den Vorbereitungen für das Jubiläum. Wenn das Mammutprogramm vorüber ist, werde ich mich meinen Enkeln und meinem Garten widmen. Als ehemaliger Reisekaufmann habe ich natürlich auch immer Fernweh. Ich freue mich schon auf viele Hausbootfahrten mit meinen Freunden. Aber jetzt wünsche ich mir noch viele Besucher für unser Jubiläumskonzert. (Alexandra Anderka)

Jubiläumskonzert

Die Liedertafel Erding führt am Samstag, 26. Oktober, um 19 Uhr in der Stadthalle Erding das „Alexanderfest“ auf. Karten gibt es unter Tel. (0 81 22) 99 07 -12 (Montag bis Freitag 9 bis 17 Uhr) sowie per E-Mail unter ticket@stadthalle-erding.de.

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