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Interview mit Franz Maier

Seine Motivation ist die Neugier des Chors

Die Chorgemeinschaft Altenerding hat seit 25 Jahren den selben Chorleiter: Franz Maier. Anlässlich dieses Jubiläums gibt der Chor ein Konzert in der Pfarrkirche Altenerding. Noch immer habe er Ideen und genieße es, Musik mit den Sängern zu machen, erzählt Maier der Heimatzeitung.

-Herr Maier, Sie sind seit 25 Jahren Leiter der Chorgemeinschaft Altenerding. Wie sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?

Franz Maier:Als ich 1990 in der Pfarrei Altenerding als Pastoralassistent anfing und noch mein Kirchenmusikstudium absolvierte, war Frau Haitz-Hartmann als Chorleiterin aktiv. In der ersten Zeit half ich immer mal wieder an der Orgel oder am Klavier aus. Als dann 1992 Frau Haitz-Hartmann in den Ruhestand ging, wurde mir die Doppelfunktion, als Pastoralreferent und Kirchenmusiker tätig zu sein, angeboten. Es war genau das, was ich durch meine Studiengänge verbinden wollte: die Pastoral und die Musik. Einige Chorleute waren zuerst etwas skeptisch, ob sich mit einem „gstudierten“ Chorleiter nicht plötzlich alles verändern würde. Doch dann haben mir die Sängerinnen und Sänger, allen voran der Vorsitzende Schorsch Reiser, ihr vollstes Vertrauen entgegengebracht.

-Wie hat sich der Chor während dieser Zeit entwickelt?

Maier:Natürlich habe ich manches verändert. Regelmäßige größere Konzerte – ein- bis zweimal im Jahr als Motivation – haben wir von Anfang an gemacht. Dadurch hat sich unser Repertoire gewaltig erweitert. Als Musiker und Dirigent will man sich natürlich musikalische Ziele setzen und auch erreichen. Aber, und das ist mir bis heute wichtig, ich will sie mit den Menschen erreichen, die vor Ort sind.

-Wie oft kommt die Chorgemeinschaft zum Proben zusammen?

Maier:Wir treffen uns donnerstags zur Probe im Pfarrheim Altenerding. Vor großen Konzerten kann es auch mal eine Extraprobe geben.

-Wie ist der Altersdurchschnitt?

MaierEine heikle Frage. Wenn ich ehrlich bin: zu hoch. Wir haben das Problem, wie viele andere Chöre auch: Junge Leute lassen sich trotz medialen Interesses am Singen nur schwer für das Singen in einem Chor begeistern. Denn das erfordert Bereitschaft zu Regelmäßigkeit und Einordnung. Andererseits ist das Mitsingen bei einem Konzert ein Erlebnis, das man nicht alle Tage hat.

-Was war Ihr aufregendstes Erlebnis?

Maier:Aufregend ist vieles, vor allem im Vorfeld eines großen Konzertes. Das aufregendste Erlebnis war vielleicht bei der ersten Aufführung der „Schöpfung“ von Joseph Haydn, als der Bass-Solist eine das ganze Werk tragende Rolle am Tag des Konzerts wegen Krankheit absagen musste und einen Ersatzmann schickte. Wir kannten uns nicht, hatten nie zusammen geprobt, aber der Ersatz stellte sich als äußerst versierter und freundlicher Solist heraus, mit dem viele weitere tolle Konzerte folgen sollten. Das war mehr als aufregend für mich. Im Laufe der Jahre wird man cooler. Geblieben ist aber, dass mich bis heute Tage vor einem Konzert Melodien aus den Musikstücken bis in den Schlaf hinein verfolgen und mich in ihren Bann ziehen.

-Welches war das lustigste Ereignis?

Maier:Hm, ganz viel Spaß hatten wir bei unserer Konzertreise nach Korsika. Als Chor einmal ganz anders, ganz lange miteinander unterwegs zu sein, das war für jeden eine große Freude. Aber zu lachen gibt es auch in den Chorproben oder danach immer wieder was.

-Welcher war der traurigste Moment?

Maier:Sehr traurig ist, wenn wir jemanden aus dem Chor zu Grabe tragen müssen. Und das ist nun im Laufe der vielen Jahre schon ein paar Mal der Fall gewesen. Wenn dann bei der nächsten Probe dessen Platz leer ist und dessen Stimme nicht mehr mitklingt, macht das doch sehr betroffen.

-Was sind die Gründe für die 25-jährige Treue?

Maier:Es gibt noch so viel wunderbare Musik, die wir zusammen neu entdecken und miteinander machen wollen. Und ich spüre immer wieder bei den Sängerinnen und Sängern die hohe Motivation, sich darauf einzulassen und dafür viele Proben und viel Arbeit zu investieren. Und weil Dirigieren und mit Menschen Musik zu machen einfach große Freude bringt.

-Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Maier: Es gibt viele schöne Werke, die wir noch nicht gemacht haben. Erst mal das Gloria-Konzert gut rüber bringen, dann sehen wir weiter. Für die Zukunft des Chors wird es wichtig sein, dass man immer wieder neue, auch jüngere Sängerinnen und Sänger motivieren kann. Ich könnte mir mal ein Projekt vorstellen – ein größeres Werk, zu dem sich Interessierte melden können: zeitlich begrenzt, überschaubar, ansprechend. Vielleicht kann man so Menschen gewinnen. Auch will ich ein verstärktes Gewicht auf chorische Stimmbildung legen. Dazu ist die Zusammenarbeit mit der Sopranistin Ira Maria Scholz, die beim Gloria-Konzert auch den Solopart bestreiten wird, eine große Unterstützung.

Interview:Alexandra Anderka

Das Jubiläumskonzert

findet am Sonntag, 26. November, um 18 Uhr in der Pfarrkirche Altenerding statt. Zur Aufführung kommt unter anderem „Gloria“ von Karl Jenkins. Solistin ist Ira Maria Scholz. Der Chor wird vom Symphonieorchester begleitet. Beginn ist um 18 Uhr. Die Karten kosten 15 Euro.

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