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Hobbyarchäologe Helmut Szill 

Interview mit Hobbyarchäologe Helmut Szill 

„Früher sind wir belächelt worden“

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Helmut Szill ist Hobbyarchäologe. Zusammen mit weiteren Ehrenamtlichen ist er für das Museum Erding auf der Suche nach Schätzen aus der Vorzeit.

LangengeislingSeit über 50 Jahren interessiert sich Helmut Szill, Maurermeister und Bautechniker im Ruhestand, für Archäologie. Der 66-jährige Langengeislinger ist zusammen mit einigen weiteren ehrenamtlichen Mitstreitern für das Museum Erding unterwegs auf der Suche nach Schätzen aus der Vorzeit.

-Herr Szill, wie sind Sie zu Ihrem außergewöhnlichen Hobby gekommen?

Helmut Szill:Das Interesse für Geschichte war immer schon da. Auslöser waren vor über 50 Jahren die Ausgrabungen in Klettham. Da habe ich mich als Maurerlehrling von unserer Baustelle, die in unmittelbarer Nähe lag, immer wieder mal weggestohlen und bei den Ausgrabungen zugeschaut. Mein Hauptinteresse ist mittlerweile die Römerzeit. Aber eigentlich interessiert mich alles, und ich besitze auch viele Schriften über alle möglichen Epochen.

-Und wann haben Sie aktiv ins archäologische Geschehen eingegriffen?

Szill:Das war Mitte der 80er Jahre. Seit dem früheren Kreisheimatpfleger Eugen Press hatte sich bei uns nicht mehr viel getan. Zusammen mit dem mittlerweile leider verstorbenen Schorsch Gruber habe ich dann angefangen. Wir haben uns in und um Erding archäologisch betätigt und haben den Archäologischen Arbeitskreis am Museum gegründet. Später stießen dann Hans-Leo Kuckertz, Albert Sigl und Willi Wagner dazu und schließlich Erika Beil, Bernhard Korndoerfer und Harald Krause.

-Das alles fürs Museum?

Szill:Ja, und in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege. Daneben gibt es übrigens noch den Archäologischen Verein im Landkreis.

-Jetzt sind Sie und Ihre Kollegen in Langengeisling fündig geworden. War das eine Überraschung für Sie?

Szill:Überhaupt nicht. Langengeisling ist einer der fundreichsten Orte im Landkreis. Viele Völker sind hier schon durchgezogen oder hatten sich angesiedelt. Hoch interessant ist in diesem Zusammenhang das 1907 geschriebene Buch von Pfarrer Kerer, der einst in Langengeisling gewirkt hat. Es heißt „Von der Steinzeit bis zur Gegenwart“. Darin sind sehr viele Funde beschrieben.

-Wieso sind die Skelette nach rund 2300 Jahren noch so gut erhalten? Normalerweise zerfallen die doch komplett.

Szill:Normalerweise ja. Aber es gibt spezielle Böden, die verhindern, dass sich die Knochensubstanz abbaut und die Skelette so mehrere tausend Jahre erhalten bleiben. Und solche Böden finden wir hier im Raum Erding.

-Noch vor ein paar Jahren ist bei einem Neubau einfach ausgegraben und gebaut worden, jetzt muss vorher alles archäologisch untersucht werden.

Szill:Früher sind leider viele Schätze unwiederbringlich zerstört worden. Wir Hobby-Archäologen sind damals, wenn wir wo was vermutet haben, heimlich von einer Baustelle in die nächste gehüpft und haben gesucht; vorwiegend am Wochenende. Da sind wir meist müde belächelt worden. Aber wir haben oft was gefunden. Heutzutage ist das anders. Wenn die Bauparzelle im Bodendenkmalbereich liegt, muss vor Baubeginn ein schichtweiser Oberbodenabtrag erfolgen, der von Archäologen beaufsichtigt wird. Und im positiven Fall für die Archäologen treten Funde auf.

-Wie erkennt man mögliche Fundstellen?

Szill:Vor allem an Verfärbungen im Boden. Jeder Eingriff im Boden bleibt Jahrtausende sichtbar.

-Was macht die aktuellen Funde in Langengeisling so außergewöhnlich?

Szill:Normalerweise findet man nur Keramik oder Reste von Pfostenlöchern. Aber das hier sind tolle Gräber aus der Latènezeit um 300 vor Christus mit außergewöhnlichem Schmuck als Grabbeigaben. Das hier in Langengeisling ist für mich eines der bedeutendsten keltischen Gräberfelder Süddeutschlands.

-Der Grundstückseigentümer muss die archäologischen Ausgrabungen bezahlen. Hat er wenigstens was von den Funden?

Szill:Die gehören dem Eigentümer. Wenn er sie behalten will, muss er sie museumsgerecht lagern, was sehr aufwändig ist, und Forschern zugänglich machen. Die Funde gehen daher normalerweise als Leihgabe oder Schenkung ans Museum, oder sie werden angekauft.

-Was haben Sie davon?

Szill:Gar nichts, außer der Freude darüber, wenn etwas gefunden wird, so wie jetzt in Langengeisling. Wir sind alles Hobby-Archäologen, die ausschließlich ehrenamtlich unterwegs sind.

-Wenn jemand bei archäologischen Problemen Hilfe braucht oder Fragen hat, an wen kann er sich da wenden?

Szill:Am Besten an unser Erdinger Museum. Wir vom Archäologie-Team stehen als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung, und es kostet auch nichts, weil wir – wie gesagt – alle ehrenamtlich tätig sind. Mich freut es, wenn ich den Leuten helfen kann. Und ich finde Ausgrabungen immer wieder spannend – auch noch nach über 50 Jahren.

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