Interview mit Kreisdekan Michael Bayer 

Der glutenfreie Leib Christi

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Hostien werden aus Weizenmehl hergestellt – für Menschen mit Glutenunverträglichkeit keine Option. Für sie gibt es Alternativen, weiß Kreisdekan Michael Bayer.

LandkreisHostien sind das zum eucharistischen Opfer der Heiligen Messe dienende Brot. Welche Inhaltsstoffe die kleinen Scheiben haben dürfen, ist durch das Kirchenrecht streng geregelt: „Das Brot muss aus reinem Weizenmehl bereitet und noch frisch sein, sodass keine Gefahr der Verderbnis besteht.“ (CIC Can. 924 §2). Hostien aus Kartoffel- oder Maismehl sind „ungültige Materie“. Doch was machen Gläubige, die kein Gluten vertragen, also auch kein Weizenmehl? Darüber sprachen wir mit Erdings Kreisdekan Michael Bayer.

-Herr Bayer, woraus bestehen eigentlich Hostien?

Michael Bayer:Hostien sind Brotscheiben aus Weizenmehl und Wasser. Das erkläre ich auch immer den Kommunionkindern: Hostien haben nichts mit den Oblaten aus dem Supermarkt zu tun, die die Mama zum Platzerlbacken verwendet. Hostien enthalten keinen Zucker und kein Salz, sie sind ungesäuert. Das kommt aus der Tradition, vom Auszug der Israeliten aus Ägypten, wo ungesäuertes Brot gebacken wurde, weil alles schnell gehen musste.

-Für Zöliakiepatienten ist das keine Option.

Bayer: Nein. Ich habe selbst Leute in meinem Bekanntenkreis, die aufpassen müssen, weil das kleinste Fitzelchen Weizenmehl bei ihnen Probleme verursacht. Die gehen in der Regel dann auch nicht zur Kommunion.

-Gibt es Alternativen für die Erkrankten?

Bayern: Richtig glutenfreie Hostien, wenn im Kirchenrecht von einer gültigen Materie gesprochen wird, gibt es nicht. Es werden jedoch glutenarme Hostien angeboten mit einem Glutenanteil von unter 20 ppm (Parts Per Million, entspricht 20 Milligramm pro Kilogramm, Anm. d. Red.). Sie dürfen nach dem Lebensmittelcodex der EU als glutenfrei gekennzeichnet werden.

-Aber selbst diese Variante vertragen nicht alle Betroffenen. Ist die Kelchkommunion eine Lösung?

Bayer:Das hängt davon ab, wie stark die Zöliakie ausgeprägt ist. Je nachdem wäre auch die Kelchkommunion, bei der das Blut Christi in Gestalt des Weines empfangen wird, keine Alternative in dem Sinn, denn in den Kelch kommt immer auch ein Fragment der Hostie. Die Kongregation für Glaubenslehre hat sich bereits 2003 ausführlich mit Personen beschäftigt, die kein normales Brot zu sich nehmen können. Sie erlaubt Gläubigen, die an Zöliakie leiden und deshalb nicht kommunizieren können, die Kommunion unter der Gestalt des Weines zu empfangen, in dem kein Hostienfragment ist. Bei diesem Sonderfall müssen sich Gläubige am besten über den Ortspfarrer an das Ordinariat wenden. Nur dort kann eine Dispens vom normalen Kommunionempfang in Form von Brot erteilt werden. Wenn die Situation andauert, was bei einer Allergie der Fall ist, kann die Erlaubnis auch ständig gewährt werden.

Kreisdekan Michael Bayer

-Viele Kirchen sind schon auf Zöliakiepatienten eingestellt. Nicht nur im Dom in Köln, sondern auch in der Walpertskirchener Pfarrkirche St. Erhard sind glutenarme Hostien vorrätig. Wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Bayer: Im Juli 2017 gab es ein Schreiben des Vatikans an die Bischöfe, dass sie sich mit der Thematik befassen sollten. In Moosinning hatten wir im Jahr davor ein Erstkommunionkind mit Glutenunverträglichkeit. Natürlich konnten wir dieses Kind nicht ausschließen – gerade bei der Erstkommunion. Also haben wir bei einer Hostienbäckerei eine geringe Menge glutenarmer Hostien bestellt. Das hat sehr gut geklappt, und das Kind hat sich gefreut.

-Wurde das seitdem noch mal nachgefragt?

Bayer:Nein, das sind nach wie vor Einzelfälle. Aber es ist gut, dass jeder Gläubige weiß, dass er mit seinem Pfarrer über eine Lösung reden kann. Es ist wichtig, vor dem Gottesdienst Bescheid zu sagen. Schließlich kann man nicht bei jeder Messe ins Blaue schauen, ob jemand mit Glutenunverträglichkeit dabei ist oder nicht. Aber man kann es regeln, dass jeder an der Eucharistiegemeinschaft teilhaben kann. Es soll sich keiner ausgeschlossen fühlen. Wir haben jetzt in Moosinning eine kleine Reserve an glutenarmen Hostien.

-Gibt es dafür bestimmte Lagervorschriften?

Bayer: Ja, sie müssen in einem extra Gefäß gelagert werden, damit sie nicht mit den normalen Hostien in Berührung kommen.

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