+
Bei Sonnenanbetern ist der Kronthaler Weiher beliebt (Bild l.). Viele freuen sich schon auf die heißen Tage.

Interview zum internationalen Tag der Sonne 

Ungeschützt nur 30 Minuten in die Sonne

  • schließen

Bei einem Interview erklärt Hautarzt Dr. Emme, wie viel Vitamin D für den Menschen genügend ist und was beim Sonnen beachtet werden muss. 

ErdingEine Viertelstunde in der Sonne reicht am Tag, sagt Hautarzt Dr. Stefan Emme aus Erding (55), um genügend Vitamin D zu tanken. Am heutigen Internationalen Tag der Sonne spricht er über UV-Junkies, warum es mehr kostenlose Sonnencremes geben müsste und warum Australier über sonnenanbetende Touristen lachen.

-Herr Dr. Emme, wie viel Sonne brauchen wir?

Dr. Stefan Emme:Nicht besonders viel. Es reicht, wenn wir mit dem Gesicht und dem Handrücken jeden Tag eine Viertelstunde in der Sonne sind, dann haben wir genug Vitamin D. Das gilt übrigens auch für trübe Tage und im Winter, denn da scheint genauso die Sonne. Aber das wollen die Leute nicht kapieren.

-Vielen geht’s ja ums Braunwerden.

Emme:Der Trend ist schon ein bisschen abgeflaut, habe ich das Gefühl – genauso wie ins Solarium zu gehen. Früher gab es diese UV-Junkies, die jeden Tag ins Solarium gehetzt sind. Das wird aber jetzt gar nicht mehr als schön empfunden.

-Abseits vom Solarium: Wie lange sollte man maximal in der Sonne bleiben?

Emme:Generell sagt man 30 Minuten – ungeschützt, das hängt aber vom Hauttyp ab. Es gibt vier Hauttypen: Typ 1 darf überhaupt nicht in die Sonne, Typ 2 kriegt einen Sonnenbrand und wird manchmal braun, Typ 3 kriegt manchmal einen Sonnenbrand und wird dann braun. Und Typ 4, das sind die Südländer, die nie einen Sonnenbrand kriegen. Die meisten Menschen in Bayern sind zwischen Typ 2 und 3. Wie lange man in der Sonne bleiben darf, variiert je nach Hauttyp ein bisschen. Aber am besten man schützt sich mit genügend Sonnencreme.

-Was ist genug?

Emme:Vier bis fünf Esslöffel Sonnencreme für den ganzen Köpfer sind ausreichend. Und man sollte auch nicht halb nackt rumlaufen, ich habe sogar am Strand immer ein Hemd an. Die Australier machen’s vor mit dem textilen Sonnenschutz.

-Und was heißt das?

Emme:In Australien ist Hautkrebs die Todesursache Nummer eins. Deshalb haben die Leute da immer ein Hemd oder Kleid an, tragen einen breitkrempigen Hut – da lachen die Leute über dumme Touristen, die sich in die Sonne knallen. Außerdem gibt es in Australien sogar kostenlose Sonnencremes.

-Könnten Sie sich das in Erding auch vorstellen?

Emme:Für Schulen und Kindergärten wäre das gar keine schlechte Idee – vor allem bei den Kleinen ist der Sonnenschutz ja besonders wichtig. In meiner Kindheit, den 60er Jahren, wurde das noch nicht so gesehen.

-Wieso?

Emme:Da war ein Sonnenbrand noch ganz normal, nach dem Motto: Sonne ist gesund. Heute sind vor allem diese Kinder aus den 60ern meine Hautkrebspatienten. Die meisten sind Männer, weil 91 Prozent nicht zum kostenlosen Hautkrebs-Screening gehen. Dabei müssten sie dafür nur eines tun: sich ausziehen.

Das Gespräch führte Anna Schwarz.

Der Tag der Sonne

findet jedes Jahr am 3. Mai statt und wurde vom UN-Umweltprogramm ausgerufen. Dabei wird auf die Bedeutung unseres wichtigsten Energielieferanten hingewiesen: die Sonne.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Der lange Weg zur ersten eigenen Platte
Für die Produktion der eigenen CD hat Sara Brandhuber ein Projekt gestartet. Crowdfunding soll helfen, den Traum zu verwirklichen.
Der lange Weg zur ersten eigenen Platte
Bauen, wo einst ein Riesen-Speicher stand
Im Erschließungsgebiet Am Haidfeld in Buch am Buchrain wurden die Archäologen fündig. Das freut nicht jeden.
Bauen, wo einst ein Riesen-Speicher stand
Von Trage-Café bis Tanzgymnastik
Das Haus der Begegnung Am Rätschenbach in Erding soll allen Bürgern offen stehen. Das BRK Erding füllt das Haus mit Leben. Vom Trage-Café bis zur …
Von Trage-Café bis Tanzgymnastik
Scherenschleifer haut mit 100 Euro ab
Die Gutgläubigkeit einer Wartenbergerin hat ein Unbekannter am Dienstagnachmittag ausgenutzt.
Scherenschleifer haut mit 100 Euro ab

Kommentare