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Sehr nah an die Ortschaften rückt die Isentalautobahn, so wie hier bei Lengdorf.

Vier Wochen nach Eröffnung der Isental-Autobahn

Immer mehr Beschwerden: Politiker fordern „komplett neues Lärmgutachten“ für A 94

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Für die A 94 fordert eine Allianz aus CSU-Politikern eine Verkehrszählung und Schallmessungen, ein Tempolimit und Flüsterasphalt. Und sie kündigt an: „Die werden keinen Spaß mit uns haben.“

Landkreis – „Die werden keinen Spaß mit uns haben.“ Davon ist die Pastettener Bürgermeisterin Cornelia Vogelfänger überzeugt. Ihre Gemeinde ist von der neuen Isentalautobahn ebenso betroffen wie Buch, Lengdorf und Dorfen. Deren Bürgermeister Ferdinand Geisberger, Gerlinde Sigl und Heinz Grundner schließen sich mit Landrat Martin Bayerstorfer, Landtagsabgeordneter Ulrike Scharf und Andreas Lenz aus dem Bundestag zu einer CSU-Allianz zusammen, „um die Menschen an dem 33 Kilometer langen Abschnitt der A 94 schnell besser vor Lärm zu schützen“, heißt es im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die CSU-Politiker sind davon überzeugt: Entweder waren Vorhersagen beziehungsweise Berechnungen falsch, oder beim Lärmschutz wurde zu wenig gemacht oder ungeeigneter Fahrbahnbelag aufgebracht. Eventuell sogar alles zusammen. Von der Autobahndirektion fordern sie Nachbesserungen. Auch dann, wenn sich herausstellen sollte, dass alle Grenzwerte eingehalten werden.

„Die A 94 ist seit vier Wochen in Betrieb, und die vielen Beschwerden zeigen uns, dass die Lärmbelästigung viel höher ist als erwartet“, sagt Grundner. So sei die Autobahn bis in die Innenstadt zu hören. „Davon war nie die Rede, das zeigt, dass nachzubessern ist.“ Bis dahin sei ein Tempolimit sinnvoll.

Sigl: „Im Bereich der Brücken gibt es gar keinen Lärmschutz“

„Es wurde zu wenig gemacht“, ärgert sich Sigl. „Im Bereich der Brücken gibt es gar keinen Lärmschutz, besonders laut ist es an den Fahrbahnübergängen – etwa von Flüsterasphalt auf Beton. Sie hält ein Tempolimit für angezeigt. „Der Lärm der Raser ist besonders schlimm.“

In Pastetten habe man seit 2011 gelernt, mit der A 94 zu leben. „Es war auch nicht so schlimm, denn wir hatten das Autobahnende mit einem Tempolimit. Seit Autos und Lkw durchfahren, haben wir eine ganz andere Situation“, erklärt Vogelfänger. Besonders schlimm sei, „dass der Lärm in Ortsteile vorgedrungen ist, für die er nie vorhergesagt wurde. Und es gibt Menschen, die die A 94 nicht sehen können, aber Tag und Nacht hören.“ – für Vogelfänger „nicht hinnehmbar“.

Seit der Eröffnung der A94 häufen sich Lärmbeschwerden. Die Bürgermeister der Anrainer schmieden eine Allianz, um Verbesserungen zu erzielen (links, v. l.): Ferdinand Geisberger, Ulrike Scharf, Cornelia Vogelfänger, Martin Bayerstorfer, Gerlinde Sigl, Andreas Lenz und Heinz Grundner. 

Geisberger glaubt der Isentalautobahn GmbH als Bauherr nicht, dass korrekt gearbeitet wurde. „Es muss jetzt ermittelt werden, ob der gesetzliche Lärmschutz erfüllt, ob alle Vorgaben eingehalten wurden“. Er fordert ein „komplett neues Lärmgutachten“, das auch den Einfluss der Windrichtungen berücksichtigt. „Jeder Landwirt, der bauen will, muss das liefern“, sagt Geisberger.

Er unterstellt, dass sich die Planer beim Lkw-Verkehr verrechnet haben. „Der hat in den vergangenen Jahren so stark zugenommen, ich bezweifle, dass das in der Planung berücksichtigt wurde.“ Ärgerlich sei, dass nicht flächendeckend Flüsterasphalt verbaut worden sei, sondern nur in Bereichen mit angrenzender geschlossener Bebauung. Geisberger meint indes, „dass auch einzelne Anlieger geschützt werden müssen“.

Bayerstorfer will wissen, ob die Prognose der Realität entspricht

Das Fass Planung und Genehmigung will Bayerstorfer noch einmal aufmachen. „Mich interessiert, was hinsichtlich des Lärms im Planfeststellungsbeschluss der Regierung von Oberbayern festgehalten ist, und ob das umgesetzt wurde.“ Weiter will der Landrat wissen, ob die Prognose der Realität entspricht. „Deswegen braucht es eine neue Verkehrszählung und Lärmmessungen.“ Sein Eindruck: Der Verkehr auf der A 94 ist stärker als erwartet. Grundsätzlich sei das ja auch eine Aufgabe einer Autobahn. „Aber dann müssen die Anlieger effektiv geschützt werden.“ Auch Bayerstorfer glaubt, dass beim Belag nachgebessert werden müsse. „Ich fahre da oft, das Rumpeln ist schon gewaltig.“

Scharf: „Müssen schnell wissen, ob der Lärmschutz den Vorgaben entspricht“

Scharf berichtet von einem von ihr in den Landtag eingebrachten Dringlichkeitsantrag, der kommende Woche behandelt werden soll. „Wir müssen schnell wissen, ob der Lärmschutz den Vorgaben entspricht. Die Abgeordnete „kann sich das ob dieses Fahrbahnbelags nicht vorstellen“. Um eine Nachbesserung werde die Isentalautobahn GmbH nicht herumkommen.

Lenz sieht in der Politiker-Allianz das „klare Zeichen, dass wir die Menschen nicht im Lärm stehen lassen“. Selbst wenn alle Vorgaben und Grenzwerte eingehalten würden, sieht der Bundestagsabgeordnete Verbesserungsbedarf, notfalls als freiwillige Leistung. „Dann muss man es über Pilotprojekte probieren.“ Es sei die Aufgabe der Politik, die Menschen an der A 94 zu schützen.

Lesen Sie dazu auch:

Mit jedem Tag Autobahnlärm auf dem neu eröffneten Teilstück der A 94 durchs Isental werden auch die Proteste lauter. Viele Menschen entlang der Trasse sind geschockt vom Ausmaß der Belastung. Viele Menschen an der neu eröffneten A94 sind verzweifelt. Sie wollen, dass ihnen gegen den Dauerlärm der Autobahn geholfen wird. Gleich zweimal mussten Rettungskräfte und Feuerwehren am Donnerstag auf die A 94 ausrücken.

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