Festlich geschmückt ist das Vortragekreuz. Das Bild zeigt (v. l.) Georg Scheckenhofer, Dieter Spöttl und Richard Kressirer.vam

Im 90. Jahr auf Pilger-Tour

Eichenried - Seit 1923 pilgert eine Eichenrieder Gruppe jedes Jahr an Pfingsten nach Altötting. Am Samstag, 26. Mai, machen sich die Wallfahrer zum 90. Mal auf den Weg.

Manche gehen seit der Erstkommunion, einige erst als Erwachsene. Aber einen ganz persönlichen Grund zu gehen haben alle: die Wallfahrer aus Eichenried. Seit nunmehr 90 Jahren pilgert eine Gruppe jedes Jahr an Pfingsten nach Altötting. Am Samstag ist es wieder so weit. Die Eichenrieder Wallfahrt steht heuer unter dem Motto „Stelle mein Haus wieder her“. Am Pfingstmontag werden in Moosinning und Eichenried Heiligen Messen gefeiert.

Die Eichenrieder Tradition des Pilgerns reicht weit zurück. Seit der Besiedlung des Moosinninger Mooses um 1851 gingen Mösler mit den Ismaninger Fußwallfahrern nach Altötting. Warum es ab 1923 eine eigene Wallfahrergruppe in Eichenried gab, ist nicht mehr genau feststellbar.

Ein Anlass könnte die Gründung des Krieger- und Veteranenvereins im Jahr 1922 durch heimgekehrte Soldaten gewesen sein. Zumindest ist überliefert, dass die Soldaten sich auf Dankwallfahrt begeben haben. Es wird auch spekuliert, dass die Ismaninger wegen des Baus des Mittleren Isarkanals einen anderen Pilgerweg wählten. Vielleicht lag es aber auch an der Eichenrieder Notkirche, die 1920 geweiht wurde und den Bürgern das nötige Selbstbewusstsein gab, eigenständig eine Wallfahrt zu organisieren.

In den vergangenen 90 Jahren hat sich die Pilgerfahrt stark verändert. „Da wurde auch mal in der Kirche übernachtet, wenn es keine andere Herberge mehr gab“, erzählt Richard Kressirer. „Und die Leute sind langsamer gegangen.“ Der 73-Jährige geht aus Altersgründen zwar seit zehn Jahren nicht mehr mit. Insgesamt war er aber 43 Mal dabei. Und damit ist er kein Einzelfall. „Es gibt kaum einen Pilger, der nur einmal im Leben geht. Viele machen schon seit Jahrzehnten mit“, erzählt Dieter Spöttl. Der Diakon ist heuer zum 30. Mal dabei. Er führt die Gruppe seit 1986 nach Altötting. Dass er die Aufgabe des Pilgerführers übernommen hat, hat er seinem Urgroßvater zu verdanken. Mit Alois Spöttl begann 1936 die intensive Wallfahrerzeit in Eichenried. Er führte die Gruppe bis 1957 als Vorbeter an. Über 50 Mal hat er sich auf den Weg gemacht, „zum Schluss noch mit dem Rad“, sagt Dieter Spöttl. Da war es dem Urenkel quasi in die Wiege gelegt, selbst zum Pilgerführer zu werden.

An seine Premiere erinnern sich noch viele. „Es hat wie aus Eimern geschüttet“, erzählt Kressirer. Das Wetter machte es den Wallfahrern zwar immer mal schwer, „aber so ein Sauwetter haben wir nur einmal erlebt“, ergänzt Georg Scheckenhofer, der sich nun zum 31. Mal auf Wallfahrt begibt. Auch heuer wird er sich wieder einen großen Lautsprecher vor den Bauch schnallen, damit alle Pilger die Rosenkranzgebete und Litaneien von Vorbeter Spöttl gut verstehen können.

Mittlerweile sind sogar zwei Lautsprecher nötig, weil die Pilgergruppe über die Jahre stark angewachsen ist. Sind 1986 noch 90 Leute dabei gewesen, waren es 2002 schon 139. Rund 200 Gläubige gehen mittlerweile mit - Tendenz steigend. Begleitet werden sie auf ihrem Weg seit rund 15 Jahren von zwei Fahrzeugen der DLRG. Die Sanitäter haben Getränke dabei und können Erste Hilfe leisten. „Und sie geben den Pilgern, die nicht mehr so gut zu Fuß sind, die Möglichkeit, dass sie mal ein paar Meter mitfahren können“, sagt Spöttl. Diese Sicherheit sei für viele gerade ältere Pilger sehr wichtig - immerhin legen sie einen Fußweg von insgesamt 40 Kilometern zurück.

Die Motivation, sich auf Wallfahrt zu begeben, ist vielfältig. „Manche gehen, um Gott für das Überstehen einer Krankheit zu danken. Andere nach der Geburt ihres Kindes“, erzählt Spöttl. Das war auch der Grund, warum Scheckenhofer mit dem Pilgern begonnen hat. „Ich bin einmal nach der Erstkommunion mitgegangen und später erst, nachdem mein Kind geboren war“, erklärt er.

Der Weg der Wallfahrt:

Los geht’s um 2 Uhr in Eichenried an der Pfarrkirche über Moosinning (3.15 Uhr) und Riexing (4 Uhr) nach Hörlkofen. Dort fährt um 6.39 Uhr der Zug nach Tüßling ab. Zu Fuß geht es dann nach Altötting, wo die Pilger gegen 10 Uhr empfangen werden. Die Lichterprozession um die Heilige Kapelle um 21 Uhr führt die Eichenrieder Wallfahrt heuer mit der Jubiläumskerze an. Am Sonntag fährt der Zug um 14.07 Uhr ab Altötting zurück nach Hörlkofen. Die Ankunft in Eichenried ist gegen 19.15 Uhr. Infos gibt es unter Tel. (0 81 23) 88 93 20.

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