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„Wir manipulieren niemanden“: Die Sozialpädagoginnen von Donum Vitae Stefanie Kellner, Marita Torkar und Doris Hofmann beraten vor einer Abtreibung (v. l.).

Jahresbericht Donum Vitae

„Ein Spießrutenlauf vor der Abtreibung“

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Das Thema Abtreibung spaltet die Gemüter. Die Sozialpädagoginnen von Donum Vitae sind jeden Tag damit konfrontiert. Die Diskussion um Paragraf 219 beschäftigt sie.

Erding – Wer sein Kind abtreiben möchte, der hat es in Deutschland nicht leicht: „Manche Frauen beschweren sich schon, dass es wie ein Spießrutenlauf ist“, sagt die Sozialpädagogin Marita Torkar, stellvertretende Leiterin der Erdinger Schwangerschaftsberatungsstelle Donum Vitae. „Es ist schon mit vielen Hürden verbunden. Erst muss man zum Frauenarzt, dann zu uns, wieder zum Frauenarzt, und der vermittelt dann einen Arzt für den Schwangerschaftsabbruch.“

Denn laut Paragraf 218 und 219 des Strafgesetzbuches müssen Schwangere vor einer Abtreibung zu einem Pflicht-Beratungsgespräch. Und: Ärzte dürfen im Internet nicht dafür werben, dass sie Abtreibungen durchführen. Vor einigen Monaten klagte dagegen eine Ärztin. Außerdem stehen die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen, wie Donum Vitae, immer wieder in der Kritik. Der Vorwurf: Sie wollen die Frauen überreden, ihr ungeborenes Kind zu behalten.

Aber die Leiterin der Erdinger Beratungsstelle, Doris Hofmann, sagt: „Wir manipulieren niemanden“, sondern: „Wir versuchen, mit der Frau oder dem Paar einen Weg zu finden, mit dem sie gut leben können.“ Im Mittelpunkt des Gesprächs stünden Fragen wie: Wo stehe ich gerade im Leben? Wie wäre ein Leben mit Kind? Welche finanziellen Hilfen gibt es für Mütter? Torka sagt: „Die Beratung ist ergebnisoffen.“

Das Beratungsgespräch vor einer Abtreibung sollte es also weiterhin geben, sagen die beiden Sozialpädagoginnen. Aber gleichzeitig kritisiert Torka, dass es für Frauen schwierig sei, einen Arzt für den Schwangerschaftsabbruch zu finden: „Es sollte schon eine neutrale Stelle geben, wo es eine Liste von Abbruchärzten gibt.“ Ob Ärzte mit der Abtreibung werben sollten? Da ist sie sich nicht sicher. „Sie sollten schon darauf achten, dass eine Abtreibung nicht eine medizinische Leistung wie jede andere ist.“

Aber die Schwangerschaftskonfliktberatungen sind nur ein Bereich ihrer Arbeit. Zum größten Teil beraten die Sozialpädagoginnen in Erding junge Mütter, Alleinerziehende und kinderreiche Familien. Im vergangenen Jahr stellte die Beratungsstelle 521 Anträge für Schwangere und Familien in Not in Höhe von rund 219 000 Euro. Und: „Wir helfen ihnen, durch den Dschungel der Gesetze zu kommen.“ Zum Beispiel: Wann greift das Arbeitslosengeld? Wer bekommt Wohngeld? Hofmann sagt: „Die Wohnungsnot ist ein Riesenproblem für die Familien im Landkreis.“ Aber die Beraterinnen helfen nicht nur bei bürokratischen Hürden, sondern auch bei emotionalen Katastrophen wie Tod- oder Fehlgeburten.

Sie seien immer noch ein Tabu in unserer Gesellschaft. „Viele Frauen kommen dann zu uns, weil sie ihr Umfeld nicht belasten wollen“, sagt Torka. Die Frauen, die ihr Kind verloren haben, bekämen Sätze zu hören wie: „Ja mein Gott, das Kind wäre doch sowieso behindert geworden“ oder „Das war ja erst in der zehnten Woche, du kannst ja wieder schwanger werden.“ Für die Frauen sei das schwer zu verkraften.

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