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Viel zu tun gab es auch im vergangenen Jahr für die rund 100 Mitarbeiter des Erdinger Amtsgerichts.

Jahresbilanz des Amtsgerichts Erding 

Justiz am Limit

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Das Amtsgericht Erding ist weiter hoch belastet. Die Zahl der Verfahren wächst aber nicht mehr so schnell wie in den Vorjahren. Einen deutlichen Zuwachs verzeichnet aber die Strafabteilung.

Erding - 4359 Fälle hatten die Zivilrichter des Amtsgerichts Erding 2017 auf dem Tisch, drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Damit bleibt die Belastung hoch, sie wächst aber nicht mehr so stark wie in früheren Zeiten“, berichtete Gerichtsdirektorin Ingrid Kaps in der Jahrespressekonferenz. Dass gerade auf diesem Sektor so viel Arbeit anfällt, liegt an der Zuständigkeit des Erdinger Gerichts für den Flughafen München. Häufig sind es laut Kaps Streitigkeiten um Erstattungen bei verspäteten oder annullierten Flügen.

Die Familienrichter befassten sich mit 1208 Verfahren (plus 100). Dabei handelt es sich laut Kaps in erster Linie um Scheidungen und Sorgerechtsstreitigkeiten.

1913 Fälle von Betreuung lagen 2017 beim Amtsgericht, neu hinzu kamen 731. „Jeder Fall muss alle sechs Monate richterlich neu geprüft werden“, berichtet Kaps. Den Einrichtungen spricht sie ein Kompliment aus: „Mit freiheitsentziehenden Maßnahmen, etwa Fixierung, wird sehr behutsam umgegangen.“

Jeweils um acht Prozent zugenommen haben die Fallzahlen bei der Strafabteilung. Die Strafverfahren stiegen von 1217 auf 1317 an, die Strafbefehle von 1047 auf 1112 sowie die Prozesse vor den Erwachsenen-Schöffengerichten von 50 auf 54.

Von einem leichten Rückgang, der auch bayernweit zu beobachten sei, berichtet Kaps beim Jugendstrafrecht. 193 Verfahren stehen 196 im Vorjahr gegenüber. Das Schöffengericht führte 18 (19) Prozesse. „Woran der leichte Abwärtstrend liegt, wissen wir nicht“, erklärt Kaps, „im Idealfall zeigt das Strafrecht Wirkung auf die jungen Leute.“

Die Ermittlungsrichter befassten sich mit 845 (615) Fällen. Besonders die Abschiebehaft belastet die Richter zunehmend (wir berichteten). „Wir haben die Strafabteilung umstrukturiert“, berichtet die Direktorin. Jeder der drei Richter verfüge nun über eine eigene Geschäftsstelle.

17 Richter sprechen an der Münchener Straße Recht, was 14,25 Stellen entspricht. Insgesamt beschäftigt die Erdinger Justiz 100 Menschen. Die Zahl hat sich in den vergangenen Jahren in etwa verdoppelt. „Unter den kleinen Amtsgerichten in Bayern sind wir ein größeres“, so Kaps. Die Zivilabteilung verfügt über zehn Richter, die Strafabteilung über drei und das Familiengericht über vier. Hinzu kommen drei Ermittlungsrichter. Einige sind aber in mehreren Rechtsgebieten tätig. Die Raumnot besteht laut Direktorin unverändert, in Sachen Neubau gebe es nichts Neues.

„Trotz der hohen Belastung gelingt es uns, die Verfahren in relativ kurzer Zeit abzuwickeln“, freut sich Kaps. Zivil- und Strafsachen erstreckten sich im Schnitt über drei bis vier Monate, Familienangelegenheiten dauerten länger.

Am Amtsgericht gibt es auch eine Zeugenbetreuungsstelle, an die sich Prozessbeteiligte wenden können. 56 Anfragen gab es im vorigen Jahr. „Darunter befinden sich auch Zeugen, die Angst haben, dem Angeklagten gegenübertreten zu müssen“, schildert die Behördenleiterin. Elf Mal sei das zuletzt der Fall gewesen. Zudem seien vier Kinder betreut worden.

Neu organisiert ist auch der Bürgerservice, der unter anderem Zeugen Fahrtkosten und Lohnausfall erstattet.

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