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Liebt und lebt sein Instrument: Jazz-Größe Pee Wee Ellis am Freitagabend in der Kreismusikschule. 

Jazz Tage Erding

Weltstar am Saxophon

Der amerikanische Ausnahme-Saxophonist Pee Wee Ellis gastierte im Rahmen der Jazz Tage Erding im Saal der Kreismusikschule. Zusammen mit seinen Band-Kollegen begeisterte er das Publikum restlos.

 

Erding – Nicht jeden Tag spielt ein Weltstar im Saal der Kreismusikschule. Doch jetzt konnten die Jazz-Fans eine Ikone dieser Musikform live hören: Der amerikanische Ausnahme-Saxophonspieler Pee Wee Ellis trat zusammen mit drei weiteren Jazz-Größen auf – ein unglaubliches Klang-Erlebnis.

Zwar kann der mittlerweile 76-Jährige aus Florida kaum mehr gehen. Doch wenn er im Kreis seiner Mitspieler sitzt, sich das Saxophon umhängt und diesem die ersten Töne entlockt, dann wird schnell klar: Hier spielt ein ganz Großer, einer, der sein Instrument liebt und lebt.

Pee Wee Ellis hat einige Zeit, in den 1960er Jahren, bei der Jazz-Legende James Brown gespielt und er schrieb Stücke für den Godfather des Soul. Zudem tourte er zusammen mit dem Iren Van Morrison. Jetzt aber spielt er mit Joel Locher, 35, am Kontrabass, Guido May, 49, am Schlagzeug, und dem Antreiber der kleinen Truppe, dem 59-jährigen Peter Fessler, gleichermaßen stark in Gesang und an der Gitarre. Ihr gemeinsames Projekt, das sie auch in Erding präsentierten, heißt Funka Nova, auf Deutsch so viel wie „neuer Funk“.

Tatsächlich nimmt ihre Musik afroamerikanische Anleihen, bekannt geworden durch James Brown. Aber sie enthält auch Elemente des Bossa Nova aus Brasilien, jenen Klängen aus den 1950er Jahren, als an der Copacabana ein ganz neuer Rhythmus entstand. Und so grooven die Vier durch den Abend, zeigen ihr Können auf professionelle Art. Dabei spielen sie ganz lässig, beweisen durch ihre Mimik, dass sie alle großen Spaß miteinander haben, lassen jedem Instrument seinen Raum.

Peter Fessler mit der typischen Schiebermütze, der Deutsch-Kanadier, hat einst den Welthit „New York-Rio-Tokio“ kreiert. Er kann vier Oktaven singen mit einer Stimme, die Gänsehaut verursacht. Wenn er etwa George Bensons „Nothing’s Gonna Change My Love For You“ intoniert, wäre die berühmte fallende Stecknadel im Saal zu hören gewesen, gefolgt von frenetischem Beifall. Er kann aber auch seine Gitarre bedienen, dass es eine Freude ist, und treibt Pee Wee Ellis immer wieder zu neuen Kreationen an. Der, ganz in sein Saxophon versunken, spielt nicht nur Töne, er streichelt sie gleichsam. Mal drückt er sie kraftvoll aus dem wunderbar gebogenen Stück Metall in seinen massigen Händen, mal lässt er, sehr sanft, Klänge wie Wolken in den Raum schweben. Definitiv ein ganz Großer, der nach seinem Spiel die Zuhörer auch noch fragt, ob es ihnen gefallen habe. Natürlich! „Gut, dann spielen wir weiter.“

Seine Begleitung an Schlagzeug und Bass ist nicht minder talentiert. Wer einmal erlebt hat, wie der Deutsch-Schweizer Joel Locher, der eigentlich von der klassischen Musik kommt, seinen Bass zupft, der muss begeistert sein. Und sein Nachbar auf der Bühne rührt die Becken und Trommeln, dass sein Ruf begründet erscheint, als Drummer zu den Besten seines Fachs zu gehören. Wenn die beiden dann ein Duett der besonderen Art abliefern, applaudieren sogar einige Zuhörer stehend.

Als dieser besondere Jazz-Abend sich dem Ende zuneigt, und die vier Musiker gehen wollen, kommen sie um eine Zugabe nicht herum. Doch das reicht der begeisterten Menge nicht: Sie klatscht so lange, bis diese außergewöhnliche Combo noch einmal spielt. Pee Wee Ellis schaut müde aus, als er von Peter Fessler zum Ausgang geleitet wird. Doch seine Augen leuchten. Und so scheint es durchaus möglich, dass sein erster Auftritt in Erding nicht sein letzter war. (Friedbert Holz)

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