1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Erding

Appell an Kirche im Landkreis: „Jetzt ist die Zeit zu gestalten“

Erstellt:

Kommentare

Zu Mut und Kreativität bei der Präsenz der Kirche in Corona-Zeiten riet Diözesanrat-Geschäftsführerin Petra Sigrist in der Kletthamer Pfarrkirche St. Vinzenz.
Zu Mut und Kreativität bei der Präsenz der Kirche in Corona-Zeiten riet Diözesanrat-Geschäftsführerin Petra Sigrist in der Kletthamer Pfarrkirche St. Vinzenz. © Markus Ostermaier

Kreativität, Mut und Optimismus: Dazu sind die Pfarrverbände im Landkreis aufgerufen. Die Geschäftsführerin der Region Nord im Diözesanrat sprach über Chancen in Corona-Zeiten.

Erding – Auch für die katholische Kirche bringt die Corona-Pandemie erhebliche Einschnitte und Herausforderungen mit sich. Ermutigende Worte, sich kreativ und nicht verängstigt den neuen Rahmenbedingungen zu stellen, gab es in der Herbstvollversammlung des Dekanatsrats Erding.

Vorsitzender Jörg Basten berichtete von einigen Absagen, freute sich aber über knapp 20 Zuhörer, die mit reichlich Abstand in der Pfarrkirche St. Vinzenz in Klettham platziert wurden. Besonders begrüßte er Petra Sigrist, Geschäftsführerin der Region Nord des Diözesanrats der Erzdiözese München und Freising. Sie referierte über Chancen und Herausforderungen für die Seelsorge in Zeiten von Corona.

Die 39-Jährige ermutigte die Zuhörer – unter ihnen viele Pfarrgemeinderäte – positiv mit der aktuellen Situation umzugehen. Die Kirche habe in diesem Jahr dasselbe Schicksal ereilt wie andere gesellschaftliche Gruppierungen. Dass Gottesdienste eine der ersten wieder erlaubten Veranstaltungen waren, freut die Vertreterin der Erzdiözese bis heute – trotz aller Einschränkungen und Auflagen. Man müsse es positiv sehen, dass immerhin eine begrenzte Besucherzahl wieder in die Kirche darf und diese Plätze stets belegt seien.

Um nicht irgendwann als „Museums-Christ“ abgestempelt zu werden, sei es wichtig, Lösungswege zu suchen. „Einfach etwas abzusagen, damit macht man es sich zu leicht“, mahnte Sigrist. „Man muss kreativ sein und einfach mal planen, ohne Angst zu haben – so wie Sie heute.“ Selbstverständlich müssten Planungen mit Vernunft und Verantwortung erfolgen. „Aber jetzt ist die Zeit zu gestalten. Gemeinsam schaffen wir das.“

Sigrist erklärte, kein Patentrezept zu haben, welche kirchlichen Veranstaltungen oder alternativen Kommunikationswege sie empfehlen kann. Tipps und Beispiele dahzu werden aber im Internet auf www.erzbistum-muenchen.de veröffentlicht. Generell unterstütze der Diözesanrats auch mit Workshops.

Dekanatsrats-Vorsitzender Basten berichtete von seiner Ratlosigkeit zu Beginn der Krise, als die Frühjahrsversammlung abgesagt wurde. Ihm sei während des Lockdowns die Wichtigkeit von Präsenz bewusst geworden. Von mehreren sehr gut besuchten Open-Air-Veranstaltungen mit über 100 Leuten berichtete der Langengeislinger Pfarrgemeinderatsvorsitzende Martin Neumaier.

Beide interessierten kirchliche Regelungen für das diesjährige Weihnachtsfest. Sigrist sagte dazu, dass die Verantwortung in den einzelnen Pfarreien liege und dabei grundsätzlich die aktuellen Infektionszahlen beachtet werden müssen. Krippenspiele sollten mit Abstand durchgeführt werden, möglicherweise mit Pantomimen oder nur einem Sprecher. Außerdem empfahl sie, Christmetten ins Freie zu verlegen und mehrere dezentrale Gottesdienste zu organisieren. „Weihnachten in einem Fußballstadion stelle ich mir auch ganz besonders vor“, ermutige Sigrist zu neuen Standortideen.

Ein Vertreter der Erdinger Kolpingsfamilie wollte wissen, ob der Nikolausdienst erlaubt sei. Laut Sigrist gibt es derzeit noch keine offizielle Empfehlung. „Aber wenn vom Erzbistum nichts kommt, ist es auch nicht verboten“, sagte sie. Sie riet den Ehrenamtlichen allerdings, „den gesunden Menschenverstand einzuschalten“. Nikolaus-Besuche im Garten oder vor der Garage seien wohl risikoärmer als in den Wohnungen der Familien.

Kreisdekan Michael Bayer beendete die Versammlung mit einem Schlussgebet und dankte allen Ehrenamtlichen, „dass ihr da seid und die Kirche am Leben erhaltet“. Nächster Termin des Dekanatsrats ist der Neujahrsempfang. Abhängig gemacht wird dies laut Basten allerdings vom Infektionsgeschehen und ob politische Gruppierungen solche Veranstaltungen organisieren.

MARKUS OSTERMAIER

Auch interessant

Kommentare