Die Bahn kommt: S-Bahn-Ringschluss (grün) und Walpertskirchener Spange (rot) sollen den Flughafen besser an den Südosten Bayerns und Österreich anbinden. Grafik: Bahn
+
Die Bahn kommt: S-Bahn-Ringschluss (grün) und Walpertskirchener Spange (rot) sollen den Flughafen besser an den Südosten Bayerns und Österreich anbinden.

Planfeststellungsverfahren beginnt

Jetzt wird die Spange rund: Nächster Schritt zur Walpertskirchener Spange

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
    schließen

Nächster Meilenstein für eine bessere Schieneninfrastruktur im Osten des Münchner Flughafens: Das Eisenbahnbundesamt hat das Planfeststellungsverfahren für die neun Kilometer lange Walpertskirchener Spange zwischen Erding und der Bahnstrecke München-Mühldorf westlich von Thann-Matzbach (Gemeinde Lengdorf) eingeleitet. Das teilte das Verkehrsministerium am Freitag mit.

Erding/Walpertskirchen – Die Walpertskirchener Spange ist ein wichtiger Bestandteil des Großprojekts Erdinger Ringschluss und zugleich dessen letzter Abschnitt, für den nun das Genehmigungsverfahren beginnt. Der Ringschluss verlängert die Bahnverbindung über Erding bis zum Flughafen. Ring deshalb, weil es vom Moos-Airport bereits Gleise in Richtung Freising und München sowie Landshut und Regensburg gibt.

Auf der eingleisigen elektrifizierten Strecke sollen dann nicht nur S-Bahnen, sondern auch Regionalzüge fahren. Tabu ist Güterverkehr, weil der nicht durch den Tunnel unter dem Flughafen fahren darf.

Die Walpertskirchener Spange beginnt am geplanten Verknüpfungsbahnhof auf dem Gelände des Fliegerhorsts, verlässt Erding in einem Tunnel bei der Taufkirchener Kreuzung und führt dann entlang der Staatsstraße 2084 bei Ammersdorf vorbei in Richtung Walpertskirchen. Auf ihr sollen die Regionalzüge nicht nur in den südostbayerischen Raum rollen, sondern bis nach Salzburg.

Die Bahn plant den Einsatz von Expresszügen. Sieben Eisenbahn- und eine Straßenbrücke müssen neu gebaut werden. Bei Obergeislbach (Lengdorf) ist ein Überwerfungsbauwerk zur Einfädelung auf die bestehende Strecke geplant. Allein die Planungskosten sind mit 145 Millionen Euro veranschlagt. Eigentlich hätte das Planfeststellungsverfahren schon vor zwei Jahren beginnen sollen.

Um die Spange in Betrieb nehmen zu können, muss die Strecke München–Mühldorf zumindest teilweise ausgebaut und elektrifiziert sein.

Verkehrsministerin Kerstin Schreyer stimmt die Entwicklung optimistisch: „Ich freue mich sehr, dass nun auch für den letzten Abschnitt des Erdinger Ringschlusses das Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden konnte.“ Das sei „ein wichtiger Schritt zur Beteiligung der Öffentlichkeit im Rahmen der Planung“. Schreyer hofft, dass die Pläne rasch ausgelegt werden und das Verfahren erfolgreich absolviert werden könne. „Die Weichen für weitere Fortschritte im Gesamtprojekt sind gestellt.“

Und so sieht es in den anderen Abschnitten aus: Die Neufahrner Kurve im Westen des Flughafens ist bereits seit Ende 2018 in Betrieb und ermöglicht Direktverbindungen bis Landshut und Regensburg. Für das Teilstück zwischen Flughafen und Schwaigerloh wurde im Juli 2020 der Bau- und Finanzierungsvertrag mit der Deutschen Bahn unterzeichnet.

Für den Abschnitt von Schwaigerloh bis zur nördlichen Erdinger Stadtgrenze läuft das Genehmigungsverfahren. Die Unterlagen wurden im September 2020 in Erding, Oberding, Wartenberg sowie Kranzberg und Fahrenzhausen im Kreis Freising öffentlich ausgelegt. Nun werden die Einwendungen geprüft.

Der Abschnitt im Stadtbereich Erding ist seit Mitte 2020 im Genehmigungsverfahren. Kosten soll er rund 360 Millionen Euro. Bei Kehr verschwinden die Gleise im Untergrund und führen zu dem neuen Bahnhof im Fliegerhorst. Von dort geht es in einem Tunnel Richtung Altenerding. Die Stadt bezahlt eine längere Röhre, die erst im Stadtpark wieder auftaucht. Damit kann der Übergang Haager Straße aufgelöst werden. Das heutige Bahnhofsareal soll städtebaulich verwertet werden.

Hier ist ebenso mit Klagen gegen den Bescheid zu rechnen wie bei der Walpertskirchener Spange. Vor allem in Schwarzhölzl (Gemeinde Bockhorn) regt sich Widerstand. Die Bewohner des Weilers fühlen sich von den Gleisen regelrecht eingekesselt, führt dort doch auch die Bahnstrecke München–Mühldorf vorbei, in die die Spange münden soll.

Tunnel und Rampe am Flughafen sind im Zeit- und Kostenplan. Mitte dieses Jahres soll er fertig sein und der Bahn übergeben werden, die ihn dann für den Schienenverkehr ausrüstet. 115 Millionen Euro investiert der Flughafen München hier (Bericht folgt). An der Haltestelle und Wendeanlage Schwaigerloh nimmt die Bahn eine Planänderung vor. Sie will dort mehr Gleise errichten, um mehr Zugverkehr abwickeln zu können.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare