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Haben ihr Unternehmen auf Kurs gebracht (v. l.): Christopher Rehberg, Niklas Wolf und Johannes Geiger.

Internetplattform „Hire.social“

Jobbörse für Flüchtlinge

Den Grundgedanken, „so vielen Menschen wie möglich zu helfen“, haben drei Studenten aus Erding und München auf ihrer Internetplattform HIRE.social realisiert. Dort sollen Flüchtlinge und potenzielle Arbeitgeber zueinanderfinden. Dafür gab es bereits eine Auszeichnung.

Erding – Niklas Wolf aus Erding sowie die beiden Münchner Christopher Rehberg und Johannes Geiger strahlen übers ganze Gesicht. Das Projekt der drei Jungunternehmer wurde beim bundesweiten Wettbewerb „Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen“, unter dem Jahresmotto „Offen denken – Damit sich Neues entfalten kann“, ausgezeichnet. Auch Bayerns Staatsminister Marcel Huber gratulierte bei einer Feier in der Staatskanzlei den Machern der Plattform HIRE.social, zusammen mit 14 weiteren bayerischen Preisträgern.

Das Trio traf sich vor zwei Jahren zufällig bei einem sogenannten Hackathon, einer kollaborativen Software- und Hardwareentwicklungsveranstaltung, in München. „Ich war gerade dabei, meine Bachelorarbeit zu schreiben und hatte mir eigentlich fest vorgenommen, meine Zeit nicht auf Facebook zu verbringen, um mich voll auf meine Arbeit konzentrieren zu können“, erinnert sich Wolf. „Natürlich hatte ich dann einen schwachen Moment und entdeckte durch Zufall, dass am gleichen Tag ein Social Hackathon in München stattfinden sollte – genau das Gebiet, das mich besonders interessiert hat.“ Bei dieser Veranstaltung lernte der Erdinger dann Geiger und Rehberg, einen gebürtigen Berliner, kennen. Sie hatten die Idee für das Projekt HIRE.social und wollten sie an diesem Abend vorstellen. Dabei geht es darum, arbeitssuchende Flüchtlinge mit potenziellen Arbeitgebern zusammenzuführen. „Ich wollte mich schon seit Längerem sozial engagieren und war auf der Suche nach einem Projekt, dass ich unterstützen konnte“, erzählt der 24-jährige Wolf. „Das Projekt von Johannes und Christopher hat mich besonders beeindruckt, weil sie die gleiche Vorstellung haben, zu helfen, wie ich.“

Anfang 2016 trafen sich die drei Jungunternehmer dann regelmäßig, und das Konzept begann konkrete Formen anzunehmen. „Wir haben irgendwann dieses Vorhaben hauptberuflich verfolgt – studiert haben wir eher nur noch nebenbei“, sagt der Erdinger. Finanziert haben sie alles selbst. Auf die Frage, wie sie diese komplexe Plattform aufbauen konnten, hat Wolf eine einfache Antwort: „Johannes und Christopher sind gezielt in Flüchtlingsunterkünfte in München gegangen und haben gefragt, was man tun könne, um ihnen zu helfen. Herausgekommen ist, dass das erste Anliegen Geflüchteter die Sorge ist, einen festen Arbeitsplatz zu finden.“ Ein weiterer essenzieller Punkt sei die Zusammenarbeit mit den Helferkreisen der Gemeinden. Diese helfen den Flüchtlingen bei der Erstellung ihres Profils auf der Plattform sowie bei Übersetzungen. „Ohne die Unterstützung der Helferkreise würde es nicht funktionieren“, betont Wolf. Inzwischen sind auf HIRE.social rund 400 registrierte Nutzer angemeldet sowie 100 Unternehmen, die Stellenanzeigen aufgegeben haben und auf der Suche nach Arbeitnehmern sind.

Das Wort Flüchtlinge haben die drei intern zu „new comer“ geändert. „Wir haben uns bewusst für diesen Begriff entschieden, da Geflüchtete Neuanfänger sind. Neuanfänger in einem neuen Land, die das gleiche Recht haben, ein gutes Leben zu führen“, erklärt der 24-Jährige. „Leider assoziieren viele Menschen den Begriff Flüchtling oder Geflüchteter mit negativen Dingen. Deshalb wollten wir dem ganzen mehr Positivität verleihen.“

Wie es mit HIRE.social in Zukunft aussieht? Im Moment sind Geiger und Rehberg dabei, ihre Masterarbeit zu schreiben – auch Wolf tritt in den nächsten Wochen eine neue Arbeit an. „Wir werden leider nicht mehr so viel Zeit haben, uns aktiv darum zu kümmern. Deshalb haben wir uns entschieden, das Unternehmen an eine große Firma in Deutschland abzugeben, die bereits in dieser Branche arbeitet und sich auskennt“, berichtet Wolf. „Natürlich bleiben wir aber im Hintergrund und sind dabei, wenn es darum geht, wichtige Entscheidungen zu treffen.“ Sie hätten diese Wahl zum Wohl des Unternehmens getroffen und seien sehr selektiv bei der Auswahl gewesen. „Es ist schließlich unser Baby, und das gibt man ja auch nicht an irgendjemanden ab“, meint Wolf schmunzelnd.

Sofia Scarazzai

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