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Die neue Teamleiterin im Jobcenter Anja Liepelt (rechts) neben Aruso-Geschäftsführerin Monja Rohwer.

Jobcenter Aruso

Hoffnungsschimmer für Langzeitarbeitslose

Seit fünf Monaten arbeitet sie als Teamleiterin für Markt und Integration beim Jobcenter Aruso: Anja Liepelt (54) ist die Nachfolgerin von Herbert Reuther. Bei der Sitzung des örtlichen Aufsichtsrats stellte sie das neue Teilhabechancengesetz vor, das Langzeit-Arbeitslosen bessere Möglichkeiten bieten soll.

VON FRIEDBERT HOLZ

Erding – Seit fünf Monaten arbeitet sie als Teamleiterin für Markt und Integration beim Jobcenter Aruso: Anja Liepelt (54) ist die Nachfolgerin von Herbert Reuther. Bei der Sitzung des örtlichen Aufsichtsrats stellte sie das neue Teilhabechancengesetz vor, das Langzeit-Arbeitslosen bessere Möglichkeiten bieten soll.

Auch wenn Teilhabechancengesetz eher sperrig klingt, so kann der Paragraf 16i im Sozialgesetzbuch für einige Arbeitslose ein Hoffnungsschimmer sein, wie Anja Liepelt sagte. Denn für Menschen, die seit mindestens sechs Jahren arbeitslos sind, soll dieses neue Programm, das mit einem persönlichen Coaching verbunden ist, bessere Zukunftschancen eröffnen helfen. „Wir haben bereits erste positive Erfahrungen mit Personen, die in Alten- oder Pflegeheimen als Betreuungs-Assistent, Empfangs- oder Reinigungskraft arbeiten“, erklärte die Expertin. Aber auch als Fotograf oder Bürokraft gibt es schon Einsätze. Als Beispiel nannte Liepelt eine Familie, die „schon nahe an der Gefahr zur Verwahrlosung lebte und jetzt eine Veränderung durchmacht, weil ein Elternteil Arbeit gefunden hat. Da kommt plötzlich viel Kraft in eine Bedarfsgemeinschaft“.

Damit eine solche soziale Verbesserung greifen kann, bekommt der Arbeitgeber für maximal fünf Jahre einen Lohnkostenzuschuss: in den ersten beiden Jahren bis zu 100 Prozent, je nach Lage und Bedarf. Ganz nach der individuellen Begabung, Motivation und Bereitschaft des bisherigen Langzeit-Arbeitslosen kann er auch über die Zeit hinaus beim Arbeitgeber bleiben. Und: Coaching und Arbeit verlaufen im gesamten Prozess parallel.

Statistisch bleiben diese Personen aber weiterhin als arbeitssuchend gemeldet. „Wir haben bisher eine hohe Zufriedenheit bei den Arbeitgebern festgestellt, ihre neuen Arbeitnehmer sind offensichtlich hoch motiviert“, beschrieb Anja Liepelt erste Eindrücke. „Das heißt aber im Umkehrschluss, dass nicht jeder Arbeitslose für dieses Programm in Frage kommt: Motivation und Gesundheit spielen eine wichtige Rolle. Falls jemand das neue Programm vorzeitig abbricht, kann durchaus ein anderer Anwärter nachrücken“.

Aruso-Geschäftsführerin Monja Rohwer ergänzte: „Wenn der Bund feststellt, dass dieses neue Teilhabechancengesetz gut läuft, ist durchaus eine Erweiterung denkbar. Derzeit betreuen wir fünf Fälle im Landkreis, darunter auch Ausländer“. Rohwer konnte auch Zahlen zum allgemeinen Erdinger Arbeitsmarkt präsentieren. „Unsere Arbeitslosenquote ist die niedrigste seit 20 Jahren, der Landkreis liegt momentan bei hervorragenden 1,7 Prozent“. „Derzeit“, so Rohwer, „sind 1246 Bedarfsgemeinschaften als arbeitslos gemeldet, wir haben nur 18 Personen unter 25 Jahren ohne Beschäftigung bei 142 Langzeit-Arbeitslosen – eine sehr stabile Situation“.

Generell sei der Anteil an ausländischen Leistungsbeziehern rückläufig, hier stellen anerkannte Flüchtlinge aus Syrien den größten Anteil. Bisher seien im Landkreis rund 1,4 Millionen Euro an Arbeitslosengeld ausbezahlt worden.

Noch nicht ganz zufrieden ist Monja Rohwer mit der Prozessqualität ihrer Agentur. „Uns fehlt im Moment etwas Personal, außerdem sind durch Krankheit oder Schwangerschaft einige Mitarbeiter ausgefallen. Zudem haben wir leider eine hohe Fluktuation, denn auch innerhalb des Landratsamts, zu dem wir gehören, gibt es andere attraktive Arbeitsplätze“. Sie hatte aber noch eine positive Nachricht: Ab Juni können Jobcenter-Kunden Anträge auch online ausfüllen, auf einer datengeschützten Plattform.

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