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Experten in Sachen Bildung: Josef Erhard (l.) und Gastgeber Josef Sterr vom CSU-Arbeitskreis Schule. 

CSU-Arbeitskreis Schule, Bildung, Sport

Erhard: G 8 war Entscheidung in Panik

Josef Erhard hat die Einführung des G 8 im Jahre 2004 hautnah miterlebt – als Amtsleiter im Kultusministerium. Jetzt, wo das G 9 wieder zurückkehrt, hat der Erdinger einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht.

Erding „Als 1990 die neuen Bundesländer mit einem G 8-System zu uns kamen, einige andere Länder im Westen folgten und die Wirtschaft von den Kultusministern ein schnelleres Schulsystem verlangte, da hat die bayerische Regierung wohl auch die Panik gepackt“, berichtete Josef Erhard auf Einladung des CSU-Arbeitskreises Schule, Bildung, Sport und dessen Vorsitzenden Josef Sterr.

„Wir hatten im September 2003 gerade den neuen Lehrplan fürs G 9 fertig, als Edmund Stoiber zwei Monate später, nach gewonnener Landtagswahl, nun doch das G8  verkündete.“ Plötzlich sei das gesamte Bildungssystem hektisch geworden: „Gymnasien sollten nicht länger als elitär angesehen werden, Debatten über Bildungs-Standards folgten, im Landtag wurden Sätze laut wie ,Das G 9 raubt Jugendlichen Lebenszeit, sie müssen früher in Schule und Beruf‘.“

Ein gewaltiger Proteststurm von Lehrern, Eltern und Schülern folgte. „Damit hatte die Politik nicht gerechnet.“ Die Regierung habe registriert, den falschen Weg eingeschlagen zu haben. Nun habe sie reagiert, „wenn auch reichlich spät“, kritisierte Erhard. Die Rückkehr zum G 9 ist bekanntlich beschlossene Sache.

Zwischenzeitlich, so Erhard weiter, sei erkannt worden, dass das Abitur an einem Gymnasium nicht mehr der einzige Weg zur Hochschulreife sei. Vielmehr sei auch die Erkenntnis gewachsen, dass das gymnasiale System „seine Spezifika schärfen“ müsse – die Erweiterung von Allgemeinbildung, die Intensivierung von Persönlichkeitsstruktur und eine europaweite Orientierung.

Zudem sei es ein Fehler gewesen, frühkindliche Bildung statt im Kultus- beim Sozialministerium anzusiedeln. „Immerhin“, so Experte Erhard weiter, „sollen nun mit 100 Millionen Euro in Bayern rund 1000 neue Lehrerstellen in vielen Schularten geschaffen werden; rund eine halbe Milliarde Euro soll in den Bau von Schulen fließen“.

Neu im G 9 sei, dass Schüler in der elften Klasse auf Wunsch ein Jahr im Ausland verbringen können, oder aber diese Stufe ganz überspringen. „Besonders Talentierte haben künftig durch zusätzlichen Nachmittagsunterricht die Möglichkeit einer Begabten-Förderung“.

In der Diskussion schlug Andrea Hafner, Schulleiterin am Gymnasium Dorfen vor, bereits jetzt mehr Lehrer einzustellen und nicht erst in acht Jahren. Sie sprach sich zudem dafür aus, Lehrstunden der Referendare zu kürzen und naturwissenschaftliche Fächer mehr zu stärken.

Friedbert Holz

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