Gründer der Therme

Josef Wund stirbt bei Absturz - Ein Porträt über den Erdinger Bäderkönig

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Er realisierte die größte Therme der Welt - und das ohne einen Cent öffentliche Gelder. Ein Porträt über Josef Wund, der am Donnerstag bei einem Flugzeugabsturz gestorben ist.

Erding - Der Aufstieg von Josef Wund zum Thermalbad-König begann auf einem Acker im Süden von Erding. 1983 hatte der Petrolkonzern Texaco dort nach Öl gebohrt. Doch aus dem über 2000 Meter tiefen Bohrloch kam „nur“ heißes Wasser. Stadt und Landkreis witterten die Chance und stießen eines der ersten und größten Geothermie-Projekte in Deutschland an. 

Alle Informationen zu dem tragischen Flugzeugabsturz, bei dem Josef Wund ums Leben kam, lesen Sie hier.

Alois Gabauer, von Beginn an Geschäftsführer des Zweckverbandes Geowärme, erinnert sich: „Josef Wund kam Mitte der 90er Jahre ins Spiel. Er konnte sich vorstellen, hier eine Therme zu bauen und zu betreiben.“ Der Grundstein für die heute größte Thermalbadelandschaft der Welt mit Therme, Rutschenpark und Saunahallen wurde am 10. November 1998 gelegt. Eröffnet wurde die Therme am 3. Oktober 1999. Seither wurden gut 22 Millionen Besucher gezählt. Heuer werden es 1,8 Millionen Gäste sein, eine halbe Million mehr als auf Neuschwanstein. An Spitzentagen kommen bis zu 10.000 Erholungssuchende. Seit einigen Jahren ist die Therme auch an heißen Sommertagen ausgelastet. 

Wunds Vision: Die Therme Erding.

Josef Wund zeichnete sich durch seinen unstillbaren Drang aus, immer etwas Neues, etwas Größeres und technisch noch Raffinierteres bieten zu können. Seine 79 Jahre waren ihm geistig nicht anzusehen, er sprühte vor Ideen. An der Erdinger Therme ist das abzulesen. Acht Jahre nach der Eröffnung, im April 2007, kamen die große Saunahalle und mit dem Galaxy ein ganzer Rutschenpark unter einer eigenen Kuppel hinzu. Ende 2014 erfüllte er sich den jahrelang gehegten Wunsch eines Hotels. Das umschließt wie ein altes Erobererschiff das gleichzeitig realisierte Wellenbad. Für das dachte er sich einen völlig neuartigen Antrieb aus: Die Wogen erzeugt eine Wasserhydraulik. 

„Früher musste ich um Geld betteln“: Josef Wund (3.v.l.) mit seinem Sohn (2.v.l.).

Mittlerweile hat Wund eine ganze Thermen-Familie realisiert: Es folgten die Wellness-Landschaften in Bad Wörishofen, im Schwarzwald und in Euskirchen. Die Badwelt Sinsheim wird gerade erweitert, und soll dann Erding den Titel der weltweit größten Oase abluchsen. In Bad Vilbel bei Frankfurt plante er soeben Therme Nummer sechs. Um dieses Lebenswerk muss sich nun Josef Wunds Sohn Jörg kümmern, der seit vielen Jahren als Geschäftsführer im Unternehmen ist. Es bleibt viel zu tun: 2018 soll in Erding ein neuer Rutschenturm im Freien entstehen, in unmittelbarer Nachbarschaft ist ein ganzes Saunadorf geplant. Wund hat nie nach der öffentlichen Hand gegriffen. Allein in Erding hat er in den vergangenen 30 Jahren an die 150 Millionen Euro investiert. 

Er selbst berichtete einmal: „Als ich angefangen habe, musste ich bei den Banken um Kredite betteln. Heute klopfen die gleichen Banker bei mir an, ob sie mir nicht Geld leihen dürfen.“ Geothermie-Urgestein Gabauer erinnert sich: „Josef Wund hat alle Gewinne reinvestiert. Er hat von Null auf ein Bäder-Imperium aufgebaut – ganz ohne Zuschüsse und dennoch rentabel.“ Erdings Landrat Martin Bayerstorfer erklärt: „Wir verlieren mit Josef Wund einen großartigen Menschen mit Visionen und Weitblick. Als Unternehmer hat er mutige Entscheidungen getroffen und dadurch Meilensteine für die prosperierende Wirtschaft bei uns gesetzt.“ 

Erdings Oberbürgermeister Max Gotz erinnert sich an einen „stets nach neuen Ideen hungrigen Geschäftsmann, der Visionen hatte, die dann aber auch umgesetzt hat“. Wund habe viel für Erding getan, wegen seines Expansionswillens habe es aber auch Reibungspunkte gegeben.

Video: Glomex

Rubriklistenbild: © Moritz/dpa

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