Umlagert von ihren Fans gibt Luisse Kinseher in Erding Autogramme. 
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Umlagert von ihren Fans gibt Luisse Kinseher in Erding Autogramme. 

Kabarett: Mama Bavaria stellt ihr neues Programm vor

Luise Kinseher macht Schuhplattler-Qi-Gong

Volles Haus und ein begeistertes Publikum: Die bayerische Übermutter Luise Kinseher brachte mit ihrem Kabarettprogramm „Mamma Mia Bavaria“ den Saal der Stadthalle zum Toben.

VON GERDA UND PETER GEBEL

Erding– Den Politikern auf dem Nockherberg liest die Mama Bavaria nicht mehr die Leviten, denn „es hat ja nix genutzt“. Doch ein paar Seitenhiebe auf Hubsi Aiwanger („Der macht dem Söder doch alles kaputt mit seinem Dialekt.“), den „Alpe-Adria-Kasperl“ Edmund Stoiber und natürlich auf Markus Söder, der „als Kind Captain Kirk sein wollte und jetzt mit Bayern den Weltraum erobern will“, müssen schon sein.

In ihrer siebten Reinkarnation als Mama Bavaria hat die 50-Jährige alle ihre Kinder lieb. Die sind teils aus den umliegenden Landkreisen Freising, Landshut und Mühldorf angereist. Kinseher verteilt Nebenrollen in den ersten Reihen und bezieht den „Koch aus Berlin“ und den „Bürgermeister aus Teisnach“ ins Programm mit ein.

Schick gekleidet im schwarzen Trachtenkostüm mit Blumenhut macht sich die studierte Germanistin aus dem niederbayerischen Geiselhöring ihre Gedanken über das schöne Bayernland. Da hat das erste bayerische Gasthaus bewirkt, dass die Römer („die ersten Gastarbeiter beim Straßenbau“) zum Teil hier geblieben sind und die ersten bayerischen Sinnsprüche mitkreiert haben. Da wurde aus „Alea iacta sunt“ das bekannte „passt scho“ und das Statement „wer ko der ko“ basiert auf „veni, vidi, vici“. Die wichtige Rolle der bayerischen Wirtshäuser sei nicht zu unterschätzen, meint sie und lobt die wunderbare Symbiose von Kirche und Wirtshaus in Bayern, wo die Kirche meist neben einem Wirtshaus liegt, wohin dann auch der „Weg ins Paradies“ führt. Dass diese „Wiege der Toleranz“ ausstirbt, hat eine Ursache: „Die Einführung der Sperrstunde war der Anfang vom Ende-“

Doch auch die schöne bayerische Natur sei in Gefahr, warnt die Mama, denn es wurde ein neuer Schädling ausgemacht: Neben den Blattläusen und dem Borkenkäfer ist zunehmend auch der Flächenfraß unterwegs, eingeschleppt von den Banken, übertragen oft von Bauherren und Politikern.

Auch geliebte Traditionen wie der sonntägliche Schweinsbraten („neues Rezept mit Ingwer“) und die Semmelknödel („Teiglinge aus Polen“) werden aufgeweicht, beklagt die Kabarettistin und sieht nur einen Ausweg für Kontinuität: ein Besuch bei McDonald’s.

Das Publikum folgt atemlos dem Pointen-Feuerwerk auf der Bühne und stimmt freudig in das bayerisch-italienische Lied „Schau hi, da liegt a toter Fisch im Wasser“, basierend auf dem Volkslied „Funiculì, Funiculà“, ein. Hier zeigt sich Kinsehers Stimmgewalt mit stilechtem Jodler-Einsatz.

Während die Luise mit dem Dackel Gassi geht, übernimmt „Mary from Bavary“ im Bademantel das Mikrofon und philosophiert leicht alkoholisiert über den Heimatbegriff. „Heimat kann durchaus auch ein Hotel sein, denn für 600 Euro die Nacht ist die Welt überall bewohnbar“, erklärt der „reinkarnierte Masskrug“. Sie demonstriert zum Abschluss des Abends den Kulturaustausch zwischen Bayern und China mit einer Qi-Gong-Demonstration, die im Schuhplattler endet und begeistert mit bayerischen Liedern im chinesischen Stil. In diesem Sinne „ein plosit del Gemütlichkeit“.

Termin im Jakobmayer

Wer Luise Kinseher versäumt hat, kann dies am Freitag, 29. November, um 20 Uhr im Jakobmayer in Dorfen nachholen.

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