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Hatte viel zu sagen: Margot Käßmann. Sie sprach am Mittwochabend in Erding und ließ sich von BR-Moderator Thorsten Otto befragen.

Sparkassen-Gesprächsreihe „Von Mensch zu Mensch“ 

Käßmann macht Lust auf Glauben

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Erding - Ein leidenschaftliches Plädoyer auf christliche Werte hat Margot Käßmann in Erding gehalten. Auf Einladung der Sparkasse sprach die bekannte Theologin und Pfarrerin über das, was wirklich zählt im Leben. Damit begeisterte sie die 200 Zuhörer.

„Berühmteste Protestantin Deutschlands, erfolgreiche Buchautorin, bekannteste Deutsche“: Für Margot Käßmann gibt es viele Bezeichnungen. Vor allem ist sie ein gläubiger und politischer Mensch, der sich nicht vor klaren Aussagen scheut – und „der sich gerne Gehör verschafft“, wie Joachim Sommer, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Erding-Dorfen, sagte. Davon konnten sich am Mittwochabend 200 Bank-Kunden überzeugen, die zur Gesprächsreihe „Von Mensch zu Mensch“ in den Schrannensaal gekommen waren. Dort hatten schon Außenminister a.D. Hans-Dietrich Genscher, Heute-Journal-Moderator Claus Kleber, Bundespräsident a.D. Horst Köhler und Fußballtrainer Ottmar Hitzfeld aus ihrem Leben erzählt.

Käßmann war zum ersten Mal in Erding, wie sie OB Max Gotz beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt verriet. Sie war viel auf Reisen in diesem Luther-Jahr. Dafür hatte sie seit 2012 als Reformationsbotschafterin in ganz Deutschland, in Europa geworben. „Ich habe aber auch unsere Partnerkirchen in Afrika und Asien besucht“, sagte sie und erinnerte sich an eine Begegnung in Tansania. Dort erzählte Käßmann, dass in Luthers Geburtsstadt Eisleben nur sieben Prozent der Menschen Christen seien. Daraufhin sei sie erstaunt gefragt worden: ,Und was glauben die anderen 93 Prozent?‘ Schließlich sei es für Afrikaner unvorstellbar, „dass jemand an gar nichts glaubt“.

Auch wenn vor allem im Osten Deutschlands die Säkularisierung weit vorangeschritten sei, „suchen auch die Menschen bei uns durchaus nach Orientierung, bei aller Übersättigung und Reizüberflutung“. Es sei auch so, „dass jedes Wochenende fünf Millionen Menschen einen Gottesdienst besuchen. Nur 700 000 gehen ins Fußballstadion“. Allein die Berichterstattung sei disproportional, so Käßmann.

Ihre persönlichen Vorbilder sind ihre Großmutter und der amerikanische Bürgerrechtler und Baptistenpfarrer Martin Luther King. Sein gewaltloser Kampf für die Gleichberechtigung der Schwarzen beeindruckt sie, seit sie als 16-jährige Stipendiatin an einer Ostküsten-Uni studierte. „Da habe ich begriffen, dass fromm und politisch zusammengehören kann.“

Ihre Großmutter habe Flucht und Vertreibung erlebt und alles verloren, „aber das hat ihren Glauben nicht erschüttert“. Auch sie selbst wüsste nicht, „was kommen sollte, dass ich mein Gottvertrauen verlieren würde“. Vielmehr zieht sie aus ihrem Glauben Kraft und Zuversicht. Gerade in unsteten Zeiten seien die christlichen Wurzeln wichtig. Dazu gehören für Käßmann die Zehn Gebote und die drei V’s: Verlässlichkeit, Vertrauen und Verantwortung.

Sie forderte Respekt ein vor der Würde der Alten, vor dem Glauben überhaupt und dem der anderen. Sie plädierte für nachhaltiges Wirtschaften und betonte, dass die Wirtschaft eine dienende Funktion habe. Schließlich sei sie für die Menschen da, nicht für den Gewinn. „Gibt es nicht auch eine Ethik des Genug“, fragte Käßmann. Genauso treibt es sie um, „dass Kriege geführt werden und Deutschland beteiligt ist“. Was sie entsetzt, ist das Gerede um Fake News und die Normalisierung der Lüge. Dadurch entstehe ein Misstrauen, das kaum noch zu kitten sei.

Die Aufgabe der christlichen Kirchen sei es, Tradition und Kultur zu stärken. Denn „viele Menschen haben kein Gespür mehr für Werte und dafür, was sich gehört“. Käßmann nannte die Debatten um den verkaufsoffenen Heiligabend. „Früher haben die Geschäfte am Samstag um 13 Uhr geschlossen und erst am Montag wieder aufgemacht – und wir haben überlebt.“

Persönliche Einblicke gab Käßmann im Gespräch mit BR-Moderator Thorsten Otto. Für ihn ist die ehemalige Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende „eine der spannendsten Frauen, die ich jemals kennen gelernt habe“. Dass sie sogar für das Bundespräsidentenamt im Gespräch war, habe sie sehr geehrt, so Käßmann, „aber sie können gar nichts mehr ohne Personenschutz machen. Das würde mich zu sehr einengen“. Auf eine Zuhörer-Frage zur Ökumene antwortete sie: „Die Protestanten haben ein anderes Verständnis von Kirche. Aber die Verschiedenheiten sind in Ordnung. Ich wünsche mir aber, offiziell mit Katholiken Brot und Wein teilen zu können.“

Für ihren Ruhestand, der im Mai 2018 beginnt und den sie hauptsächlich in ihrem Haus auf Usedom verbringen will, wünscht sich die Mutter von vier erwachsenen Töchtern vor allem Zeit für ihre Enkel. „Ich möchte gerne die Grußmutterrolle spielen. Das ist mir wichtig.“ Vielleicht reist sie auch ohne feste Route durch Europa. „Ich bin gesund und fit und gedenke die Zeit zu genießen.“

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