Digitaler Unterricht hat an vielen Schulen Einzug gehalten. Das KAG in Erding ist schon länger dafür ausgerüstet und jetzt, wo es nötig ist, kommt man dort bestens voran.
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Digitaler Mathe-Unterricht in Corona-Zeiten: Lehrer Sebastian Pfanzelt kontrolliert mit seiner Klasse 5d gemeinsam die Hausaufgaben. Per Kamera wird alles auf die Bildschirme seiner Schüler übertragen.

Coronavirus verlagert die Schule ins Netz

Digital-Unterricht am KAG: Lernen per Video, Kamera und Mikrofon

Digitaler Unterricht hat an vielen Schulen Einzug gehalten. Das KAG in Erding ist schon länger dafür ausgerüstet und jetzt, wo es nötig ist, kommt man dort bestens voran.

Erding Das Korbinian-Aigner-Gymnasium (KAG) in Erding verwendet seit über zwei Jahren Cloud-gestützte Office-Programme, oder bietet in einzelnen Klassen Tablet-unterstützten Unterricht an. So sollen die Schüler früh mit der Digitalisierung vertraut gemacht werden. So war am KAG bereits in der Vergangenheit Fernunterricht für Langzeit-Erkrankte möglich. Gerade in der Corona-Krise ist der digitale Unterricht von Nutzen.

Als sich die Schulschließungen abzeichneten, habe das KAG binnen drei Wochen 30 Fortbildungen für alle Lehrer angeboten, erklärte Direktorin Andrea Hafner. Dadurch könne den Gymnasiaten jetzt trotz geschlossener Schulen ein qualitativ hochwertiger Unterricht geboten werden – online und per Videokonferenzen.

KAG gut aufgestellt für Online-Unterricht

Am Freitagvormittag stand für Lehrer und IT-Fachmann Sebastian Pfanzelt eine Mathematik-Stunde mit der Klasse 5d auf dem Programm. Ausgestattet mit Kamera und Mikrofon, ist er für seine Klasse gut sicht- und hörbar, während er ihr den neuen Unterrichtsstoff erklärt. Die Übungsaufgaben, die er an den Whiteboards im Klassenzimmer vorrechnet, können die Schüler via Bildschirmübertragung in Echtzeit zuhause auf ihren Geräten mitverfolgen und jederzeit Fragen stellen – auch sie sind für ihren Lehrer zu hören.

„Am Anfang ist es selbstverständlich etwas gewöhnungsbedürftig, das ist klar“, sagt Pfanzelt. „Aber die Offenheit kommt sehr schnell. Die Schüler entwickeln eine gewisse Sicherheit, und falls doch Probleme auftauchen sollten, stehen wir jederzeit zur Verfügung.“ Die Online-Programme, die für den Unterricht genutzt werden, sind auf allen Geräten verfügbar – ob Tablet-PC oder Laptop – ob Apple oder Android. Zur technischen Unterstützung sind auf der Internetseite des KAG Hilfsvideos verfügbar. Das Gymnasium stellt Schülern, die technisch nicht so gut ausgerüstet sind, auch die schuleigenen Tablet-PCs zur Verfügung.

Abiturienten sind voll bei der Sache

Der digitale Unterricht hat sich auch in der Oberstufe bewährt. Hier ist er besonders wichtig, denn das Abitur steht an. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Oberstufenkoordinatorin Barbara Huber gibt die Aufgaben vor, bezieht ihren Kurs aktiv mit ein, stellt und beantwortet Fragen. Die Abiturienten arbeiten konzentriert mit. Der einzige Unterschied: Sie sind zuhause und nicht wie gewohnt im Klassenzimmer.

19 der 20 Schüler haben sich für die Mathe-Stunde eingeloggt, einer hat keinen Internetzugriff. Doch auch für ihn gibt es eine Lösung: Ein Mitschüler schreibt fleißig mit, druckt das Arbeitsmaterial aus und wirft es ihm in den Briefkasten.

Schüler merken: „Ich gehe eigentlich gerne in die Schule!“

„Es ist vor allem auch eine interessante menschliche Erfahrung, und es herrscht eine erstaunlich hohe Motivation. Die Schüler sind gerne ein Teil hiervon. Sie merken: Ich gehe eigentlich gerne in die Schule! Ich mag es, meine Freunde und auch Lehrer zu sehen“, stellt Huber fest.

Thomas Schwiewager, Lehrer für Biologie und Chemie am KAG, ergänzt: „Wir bieten ihnen viele Möglichkeiten, vor allem auch eine gewisse Struktur in einer doch etwas komplizierten Zeit.“ Der direkte und vor allem persönliche Kontakt mit den Schülern sei und bleibe jedoch unersetzbar. „Dafür sind wir Lehrer geworden. Aber wir lassen kein Kind im Stich“, sagt Schwiewager.

Angebot ist rein freiwillig

Der direkte Austausch ist ihm gerade in der Corona-Krise wichtig. Deshalb stellt Schwiewager neben Anleitungen zu einfachen Versuchen mit Haushaltschemikalien und Quiz-Aufgaben, die ein Feedback über die Lernerfolge geben sollen, auch einen „Wie geht es dir?“-Fragebogen zur Verfügung. „Nicht nur der Unterrichtsfortschritt ist entscheidend, die pädagogische Seite unserer Arbeit darf nicht zu kurz kommen.“ Schwiewager freut sich über schnelle und auch ehrliche Rückmeldungen seiner Schützlinge. Die drei KAG-Lehrkräfte sind sich einig: Die soziale Interaktion mit ihren Schülern kann man nicht ersetzen.

Direktorin Hafner betont: „Es handelt sich hierbei nicht um Pflichtunterricht, sondern um ein rein freiwilliges Angebot. Dieses wird von unseren Schülern sehr gerne und in großer Zahl genutzt, auch Eltern geben viele positive Rückmeldungen, und das ist für uns das beste Feedback.“ Es sei so wichtig, nicht nur das Negative, nämlich die Unterrichtsausfälle an sich, zu sehen, „sondern auch das Positive, das wir hier gemeinsam schaffen“.

Kathi Kronseder

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