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Ob festlich im Anzug, mit Orden und Narrenkappe oder in seiner Rolle als Müllmann am Samstagabend bei der Reiherorden-Sitzung der Narhalla Erding: Karl Schmid, besser bekannt als Gschmei, ist seit Jahrzehnten mit dem Faschingsvirus infiziert und ein Garant für Stimmung. Heuer ist die Erdinger Frohnatur beim Rosenmontagszug in Köln dabei - nicht als Zuschauer am Straßenrand, sondern als Mitwirkender auf dem Persiflage-Wagen der Roten Funken. Diesen Traum hatten ihm seine Freunde zum 50. Geburtstag erfüllt.

Karl Schmid beim Rosenmontagszug in Köln 

Wenn der Gschmei Kamelle wirft

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Welch eine seltene Ehre: Der Erdinger Karl Schmid, besser bekannt als Gschmei, wird beim Rosenmontagszug in Köln auf einem Persiflagewagen mitfahren und kräftig Kamelle werfen.

Erding/Köln – Er war Can-Can-Tänzer im Männerballet der Lieselotten, Südsee-Schönheit im Bast-Röckchen, glitzernde Disco-Kugel. Heuer gibt er im Narrhalla-Sketch die Glocke, und am Samstag hatte er bei der Reiherorden-Sitzung einen umjubelten Auftritt als schimpfender Müllmann: Karl Gschmei Schmid. Er ist ein Narr im besten Sinne des Wortes. Heuer ist ein ganz besonderer Fasching für den 50-Jährigen, denn er darf beim Rosenmontagszug in Köln auf einem Persiflage-Wagen mitfahren. Diesen Traum haben ihm seine Freunde zum runden Geburtstag erfüllt.

„Mit dem hab’ ich nie gerechnet“, erzählt Schmid und erinnert sich an die große Überraschung, die ihm seine Freunde im vergangenen Herbst bereitet hatten. Seither fiebert er dem Rosenmontag entgegen. Und nicht nur diesen Tag wird Schmid bei den Jecken am Rhein verleben. Schon morgen fliegt er nach Köln. Abends steht bereits eine Kostüm-Sitzung der Roten Funken an. Es ist die letzte klassische Sitzung, bevor der Straßenkarneval am Donnerstag mit dem Weiberfasching beginnt. Dann herrscht in Köln Ausnahmezustand.

Mit dem ältesten Traditionscorps Kölns, den Funken rut-wieß von 1823, verbindet die Narrhalla Erding eine jahrelange Freundschaft. Regelmäßig besucht man sich gegenseitig. Auch Schmid war schon öfter beim Karneval in Köln. Aber die Ehre, als eine von nur acht Personen auf dem Persiflage-Wagen der Roten Funken mitzufahren, wenn insgesamt 11 000 Teilnehmer in 68 Gruppen, 18 Kapellen und auf mehr als 300 Pferden durch die Kölner Innenstadt ziehen, wurde ihm noch nie zuteil. Es ist auch eine Seltenheit für Auswärtige – und eine durchaus kostspielige Angelegenheit.

Aber Schmid ist gut vorbereitet. Er wird leihweise eine Rote-Funken-Uniform tragen – und kräftig Kamelle werfen. „300 Tonnen Süßigkeiten werden unters Volk gebracht“, erzählt er. Dazu gehören 700 000 Tafeln Schokolade und 220 000 Schachteln Pralinen, aber auch 300 000 kleine Blumensträuße, die so genannten Strüssje. „Es gibt eine Einweisung, wie man sich beim Zug zu verhalten hat und wie man werfen soll“, sagt Schmid. Dass die Kamelle nicht ausgehen, dafür sorgen so genannte Zuträger, die die Taschen austauschen und nachfüllen.

„Ich lasse alles auf mich zukommen“, sagt der Erdinger. Eines aber weiß er: „Man braucht Durchhaltevermögen.“ Das dürfte Schmid haben, denn das närrische Gen liegt ihm im Blut. Schon sein Vater Karl war Narrhalla-Prinz (1953 mit Erna Löffler) und auch Präsident der Faschingsgesellschaft (1954 bis 1964). Er selbst trat 1997 als Narrhalla-Prinz in des Vaters Fußstapfen. Damals an seiner Seite: Stefanie Kampa.

Das WDR-Fernsehen überträgt am Rosenmontag live von 9 bis 15.15 Uhr. Für Schmid und die Roten Funken beginnt der Tag bereits im Morgengrauen mit einem Treffen beim Präsidenten. Nach dem gemeinsamen Frühstück mit mehr als 300 uniformierten Roten Funken steht ein Besuch von Oberbürgermeisterin Henriette Reker an, dann wird Aufstellung genommen.

Ab 10 Uhr schlängelt sich der gut sieben Kilometer lange Rosenmontagszug vom Chlodwigplatz aus vorbei an den WDR-Kameras am Severinskirchplatz über den Rudolfplatz, die Ringe und am Dom entlang. Der Persiflage-Wagen mit Schmid hat die Zugnummer 7 und ist ziemlich am Anfang zu sehen. Die ARD zeigt Highlights von 15.30 bis 17 Uhr.

von Gabi Zierz

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