Sie soll gestürzt werden: Christa Manschek, Vorsitzende des Tierschutzvereins. Foto: Archivmel

Katzenjammer bei den Tierschützern

Erding - Palastrevolution im Tierschutzverein Erding: Mit einem Misstrauensantrag soll die Vorsitzende Christa Manschek gestürzt werden. Ihr werden grobe Pflichtverletzung und Unfähigkeit bei der Geschäftsführung vorgeworfen.

Der Antrag, den Schatzmeisterin Hannelore Schulz verfasst und an alle Mitglieder verschickt hat, birgt viel Sprengstoff. Von Unterschlagung von Vereinsgeldern ist darin die Rede, von verschwundenen und vernichteten Buchungsunterlagen und von Inkompetenz, die für den Verein erhebliche finanzielle Verluste bedeuten würden. Wenn Manschek Vorsitzende bleibe, warnt Schulz, müsse der Tierschutzverein mit der Aberkennung der Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt rechnen.

Bei den 630 Mitgliedern dürfte der Misstrauensantrag blankes Entsetzen hervorrufen. Noch im Juni vergangenen Jahres herrschte Harmonie pur, und die seit 17 Jahren dem Verein vorstehende Christa Manschek wurde in der Jahreshauptversammlung für weitere drei Jahre im Amt bestätigt. „Ich werde alles tun, damit das Tierheim Realität wird und unser langgehegter Traum in Erfüllung geht“, sagte sie damals.

Doch der Traum wird im Verein jetzt von einem Albtraum überlagert. Schatzmeisterin Schulz, seit etwas mehr als einem Jahr im Verein, erhebt gegen die Vorsitzende derart schwere Vorwürfe, dass der Tierschutzverein in den Grundfesten erschüttert wird. So wusste die Vorsitzende laut Schulz davon, dass eine von einem Mitglied unterhaltene Pflegestation Teile der Einnahmen aus Tiervermittlungen unterschlagen hat. Doch Manschek habe die Frau trotz fehlender Gelder von über 3500 Euro gewähren lassen, weil sie „für den Verein so wichtig sei“.

Der Vereinsvorsitzenden wird auch der Vorwurf gemacht, bei der Buchhaltung die nötige Sorgfaltspflicht zu vernachlässigen. So seien unter anderem wichtige Unterlagen aus den Jahren 2004 bis 2008 verschwunden beziehungsweise vernichtet worden. Die Vorsitzende hat sich laut Schatzmeisterin zudem über Jahre hinweg geweigert, gegenüber dem Finanzamt Umsatzsteuererklärungen abzugeben. Jetzt habe sich herausgestellt, so Schulz, dass der Tierschutzverein dadurch vermutlich Rückerstattungen bis zu 50 000 Euro verloren hat.

Weiterhin seien bei einer nicht offiziellen Pflegestelle, die für den Verein Katzen vermittelte, die Einnahmen mit Billigung der Vorsitzenden nicht über die Buchhaltung des Vereins gelaufen.

Die Schatzmeisterin hält es wegen des anstehenden Tierheimbaus für unerlässlich, dass der Verein von „einer kompetenten Person“ geführt werde. Allerdings attestiert Schulz der Vorsitzenden, dass ihre jahrelange aktive Tierarbeit „großen Respekt und Anerkennung verdient.“

Christa Manschek reagiert auf die Vorwürfe schockiert, aber nicht überrascht. 18 Jahre lang habe der Verein eine „extrem stabile Zeit“ gehabt. Erst seit Schatzmeisterin Schulz im Verein sei, gebe es immer wieder Probleme. Die Vorwürfe von Frau Schulz seien „völlig unhaltbar". Es seien weder Buchungsunterlagen vernichtet worden, noch fehlten welche. Dem Tierschutzverein sei auch kein finanzieller Schaden wegen der Nichtabgabe von Umsatzsteuererklärungen entstanden. Das Finanzamt halte solche Steuererklärungen erst seit kurzem für notwendig, und dem werde daher auch erst jetzt durch den Steuerberater des Vereins nachgekommen. Sie habe auch keine Unterschlagung von Geldern gebilligt. Als sie von Unregelmäßigkeiten bei der Pflegestelle erfahren habe, sei die Zusammenarbeit sofort beendet worden. Dem Verein sei hier kein finanzieller Schaden entstanden.

Gegen Schulz werde auch ein Vereinsausschlussverfahren eingeleitet. „Die Frau weiß gar nicht, was sie alles anrichtet“, zeigt sich die Tierschützer-Chefin erschüttert. Gerade jetzt, wo der Bau des Tierheimes anstehe, sei eine Vertrauensbasis zu Kommunen und Bevölkerung wichtig.

Knapp 300 000 Euro hat der Verein für den Bau des Tierheimes auf der hohen Kante – vorwiegend Spendengelder. In „allernächster Zeit“ will Manschek eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Dort will sie mit Fakten belegen, dass die Vorwürfe der Schatzmeisterin jeder Grundlage entbehren. (ar)

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