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Besuch auf der Baustelle (v. l.): die Grünen Helga Stieglmeier, MdL Christine Kamm und MdB Beate Walter-Rosenheimer mit Warteraum-Chef Volker Grönhagen. Im Hintergrund ein Shelter, rechts eine der neuen schneesicheren Hallen. 

Kaum noch Flüchtlinge im Fliegerhorst

Warteraum Asyl im Umbruch

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Erding - Seit Tagen kommen keine oder nur sehr wenige Flüchtlinge im Warteraum Asyl an. Dennoch herrscht in Camp Shelterschleife weiter rege Betriebsamkeit. Die Einrichtung des Bundes wird umgebaut. Die Registrierung wird optimiert. Alles spricht für einen langfristigen Betrieb.

Volker Grönhagen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) konnte der Grünen-Delegation mit Helga Stieglmeier, der Bundestagsabgeordneten Beate Walter-Rosenheimer und der Landtagsabgeordneten Christine Kamm viel zeigen. Nur eines nicht: Flüchtlinge. Seit die Balkanroute abgeschottet ist und sich die Menschen zu Tausenden in Griechenland stauen, fahren kaum noch Busse den Fliegerhorst Erding an. „Es gibt Tage, da kommt niemand. An einem Tag sind es 50, am anderen 100“, berichtete der Chef der Shelterschleife. Seit Inbetriebnahme im Oktober sind über 100 000 Flüchtlinge ein- und wieder ausgeschleust worden, wie es offiziell heißt.

Grönhagen konnte nahezu alle Fragen beantworten. Nur eine nicht: Wird aus dem Warteraum ein Ankunftszentrum, in dem Asylverfahren beschleunigt und Unberechtigte rasch wieder außer Landes gebracht werden sollen. Die Antwort des Bundes-Angestellten: „Das müssen Sie Ihre Regierung fragen.“

Grönhagen gibt zu, dass durch den vor zwei Wochen abrupt abgerissenen Flüchtlingsstrom eine gewisse Entspannung eingetreten sei. „Nachts fahren wir auf das notwendige Maß herunter.“ Tagsüber gibt es aber weiterhin viel zu tun. Der Warteraum gleicht wieder einmal einer Baustelle – wie zur Zeit des Aufbaus im September und Oktober. Überall fahren Bagger und Lader herum, Lastwagen rumpeln über den aufgelassenen Flugplatz, Betonmischer ergießen ihre graue Masse in Fundamente.

Alle Maßnahmen dienen einem Ziel: „Wir sind laufend dabei, das Lager und die Abläufe zu optimieren“, sagt Grönhagen. „Wir hatten Wetter- aber kein Windglück.“ Der Schnee sei zwar ausgeblieben, dennoch habe man dreimal eines der großen Zelte wegen starken Windes evakuieren müssen.

Bald werden die fliegenden Bauten wieder auf Volksfesten gebraucht. In Camp Shelterschleife werden sie sukzessive durch Hallen mit festen Wänden und Dächern ersetzt, die wind-, wetter- und schneefest sind. Nach ihrer Verwendung können sie unkompliziert wieder abgebaut werden. „Für diese Lösungen von längerer Dauer haben wir jetzt Zeit“, so Grönhagen.

300 bis 500 Kräfte sind nach wie vor täglich im Camp, darunter 170 ans Bamf abgeordnete Soldaten. Hinzu kommen aktuell etwa 30 von einst 90 Gebirgsjägern zur Unterstützung des Roten Kreuzes. „Sie werden heuer abgezogen. Ersetzen wollen wir sie durch Kräfte, die nun angeworben werden.“

Optimiert werde auch die sanitätsdienstliche Betreuung. Der gesamte DRK-Bereich wird zusammengezogen. Im Ankunftsbereich steht mittlerweile eine Halle für die medizinische Sichtung. Dahinter sind Quarantäne-Container angegliedert.

Stark verbessert wurde auch die Erfassung der Flüchtlinge. Grönhagen berichtet, dass eine 100-prozentige Registrierung gewährleistet sei. Jeder Ankommende wird biometrisch fotografiert. Er muss seine Daten angeben und sich Fingerabdrücke nehmen lassen. „Alle Daten werden sofort unter anderem mit denen des Bundeskriminalamts abgeglichen.“ Es habe schon Fahndungstreffer gegeben, so der Bamf-Leiter. „Dann rückt die Polizei an und nimmt den Gesuchten mit.“ Mitunter seien Namensverwechslungen die Ursache gewesen. Die neue Erfassung verhindere zudem Mehrfach-Asylanträge.

Auch der Verein Flüchtlingshilfe orientiert sich neu. Sabrina Tarantik berichtete, dass man mit der Kleiderkammer am Samstag in eine neue Halle gezogen sei. „Den Leerlauf nutzen wir, um unsere Lager aufzufüllen.“

Walter-Rosenheimer und Kamm zeigten sich beeindruckt: „Toll, wie gut das hier organisiert ist.“

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