Hochbetrieb herrschte 2019 auf Sinnflut. Heuer wird es anders sein. Die Organisatoren planen einen Biergartenbereich mit Bühne und einen separaten Marktbereich auf dem Volksfestplatz. Den Ein- und Auslass regelt ein Ampelsystem.
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Hochbetrieb herrschte 2019 auf Sinnflut. Heuer wird es anders sein. Die Organisatoren planen einen Biergartenbereich mit Bühne und einen separaten Marktbereich auf dem Volksfestplatz. Den Ein- und Auslass regelt ein Ampelsystem.

Biergartenbetrieb mit Bühne auf Volksfestplatz

Wegen Corona: Stadt Erding sagt Traditionsveranstaltungen ab - doch es gibt einen Lichtblick

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Wenig zu feiern haben die Erdinger im Sommer. Altstadtfest und Herbstfest sind abgesagt. Einziger Lichtblick im Juli: Sinnflut findet statt - allerdings ganz anders als gewohnt.

Erding - Es war zu erwarten, die Entscheidung wird viele aber doch enttäuschen: Das Altstadtfest und das Herbstfest in Erding finden auch heuer nicht statt. Das entschied der Volksfestausschuss des Stadtrates am Dienstagnachmittag in nicht-öffentlicher Sitzung. Wenigstens ist für das Sinnflut der Biergartenbetrieb mit Bühne in trockenen Tüchern. Hier suchen die Betreiber bereits Personal.

Wegen Corona: Altstadtfest und Herbstfest in Erding abgesagt - Sinnflut findet statt

Während das Altstadtfest aus rechtlichen Gründen nicht stattfinden darf, entschied der Volksfestausschuss, auch das Herbstfest abzusagen. Das teilte Stadtsprecher Christian Wanninger am Mittwoch mit. Oberbürgermeister Max Gotz verwies beim Altstadtfest auf die bis 4. Juli geltende 13. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Sie untersage landesweit „Versammlungen, öffentliche Festivitäten, Messen und vergleichbare Veranstaltungen“. Darunter fällt – ganz knapp – auch das Altstadtfest, das am 2. und 3. Juli hätte stattfinden sollen.

Auch beim Herbstfest, das traditionell Ende August beginnt und zehn Tage dauert, habe der Ausschuss im Grunde nur über einen geringen Entscheidungsspielraum verfügt, erklärte der OB. Nachdem bereits das Oktoberfest in München, das Gäubodenfest in Straubing und das Rosenheimer Volksfest abgesagt worden sind, „bleibt uns da auch nichts anderes übrig, wenn wir nicht von Besuchermassen überrannt werden wollen“. Kleinere Ersatzveranstaltungen, wie sie etwa in München oder Dachau angedacht sind, bezeichnete Gotz als „juristisch heikles Terrain“, weil die Vergabekriterien an Schausteller kaum zu konkretisieren seien.

Keine vollen Bierzelte - wie hier 2019 - wird es heuer in Erding geben. Zum zweiten Mal in Folge fällt das Herbstfest coronabedingt aus.

Gerade die Schausteller haben unter der Pandemie zu leiden. Sie befinden sich seit über einem Jahr „im erzwungenen Dornröschenschlaf“, wie es Gabi Rilke, Schausteller-Sprecherin auf dem Herbstfest, formuliert. Die Wartenbergerin sagt: „Corona hat unser ganzes Leben durcheinander geworfen.“ Statt 13 Volksfesten, auf denen die Familie Jahr für Jahr vertreten ist, betreibt sie jetzt einen Stand mit Süßwaren, Mandeln und Crepe auf dem Wartenberger Marktplatz, „damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt“. „Leben kann man davon nicht“, sagt Rilke. Aber sie freut sich über die Stammkunden, die gerne vorbeikommen.

Traditionsveranstaltung in Erding wegen Corona abgesagt: „Jetzt hoffen alle auf die Weihnachtsmärkte“

Schon früh habe es Veranstaltungsabsagen bis Ende August gehagelt. Dass das Herbstfest nun zum zweiten Mal in Folge nicht stattfinden wird, überrascht sie daher nicht. „Jetzt hoffen alle auf die Weihnachtsmärkte“, weiß sie von Kollegen. Viele von ihnen hätten sich mittlerweile andere Jobs gesucht, um ihre Familien durchzubringen. Sie arbeiten als Lkw-Fahrer oder auf dem Bau. Und viele müssen ihre Altersrücklagen angreifen. Die Versicherungen für die Fahrgeschäfte und Buden seien stillgelegt, um Kosten einzusparen, so Rilke.

Auch Weißbräu-Festwirt Mario Pianka hat damit gerechnet, „dass wir heuer nicht in Planung zu gehen brauchen“. Insofern habe er wegen des Herbstfestes auch keine Kosten und keinen Aufwand gehabt. Die Absage sei natürlich schade, aber absehbar gewesen, „weil das Herbstfest doch eine gewisse Größe und Dimension hat. Es ist ja kein Burschenfest“.

Pianka konzentriert sich derweil auf die Eröffnung des Gasthauses Zur Post in der Altstadt, das er bereits im vergangenen August als Pächter übernommen hatte und eigentlich im Oktober öffnen wollte. Nach umfangreichen Umbauten und der Corona-Zwangspause soll es jetzt am 19. Juni losgehen – drinnen und im Biergarten. Und im Biergarten des Erdinger Weißbräu an der Langen Zeile will er EM-Fußballspiele übertragen. „Es ist schön, dass wir wieder jeden Tag offen haben. Es ist ein Schritt in die Normalität“, freut sich Pianka.

Corona-Sommer in Erding: Sinnflut-Biergarten mit 1600 Sitzplätzen geplant - inklusive Ampelsystem

Im Sommer können sich die Erdinger zumindest auf einen großen Sinnflut-Biergarten mit Bühne freuen. 1600 Sitzplätze wollen Peter Feller und Börnie Sparakowski vom 16. Juli bis 1. August – also eine Woche länger als üblich – auf dem Volksfestplatz anbieten – mit viel Abstand zwischen den Tischen. Ein Ampel-System wird die Besucher beim Rein- und Rausgehen zählen. Der Bereich ist eingezäunt.

Separat werde es einen Marktbereich mit Ständen geben, kündigt Feller an, der in engem Kontakt mit dem Gesundheitsamt seit Wochen am Konzept tüftelt, um alle Vorgaben einzuhalten. An Essensständen in beiden Bereichen können sich die Besucher kulinarisch versorgen. Anders als in früheren Jahren werden keine Cocktails und nichts Hochprozentiges ausgeschenkt. Allerdings gibt es im Biergarten auch Wein, Sprizz, alkoholfreie Getränke und Kaffee.

„Die Leute wollen raus“, sagt Feller: „Wir geben uns Mühe, weil wird glauben, dass die Leute es auch brauchen.“

Lärmmindernder Dünnschichtbelag, also Flüsterasphalt, wird auf der Autobahn A 94 zwischen den Anschlussstellen Forstinning und Hohenlinden aufgebracht. Dafür kommt es an zwei Wochenenden im Juni zu Sperrungen. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Erding-Newsletter.

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