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Glückwunsch zum Kulturpreis: Hans Egger (l.) gratulierte dem Stadtratskollegen Harry Seeholzer. 

Wählergruppe Erding jetzt 

„Keine Logistik, sondern Wohnraum“

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Erding - Erding Jetzt bleibt bei der geplanten Logistikhalle im Westen der Stadt hart. Die unabhängige Wählergruppe hält nichts von dieser Riesenhalle. Sie setzt dort vielmehr auf Wohnen und Gewerbe gleichermaßen.

Die unabhängige Wählergruppe Erding Jetzt will sich mit der 80 000 Quadratmeter großen Logistikhalle an der Dachauer Straße nicht anfreunden. Bei einem öffentlichen Mitgliedertreffen am Montagabend sagte Vorsitzende Heike Langwieser: „Wir sind der Meinung, dass wir keine Logistik, sondern Wohnraum brauchen.“ Der sei jetzt schon knapp und kaum mehr bezahlbar.

Aus dem Stadtrat berichtete Hans Egger. Er ist neben Hugo Gruber, Harry Seeholzer und Hans Balbach einer der vier Erding-Jetzt-Stadträte im 40-köpfigen Gremium und deren Fraktionssprecher. Egger betonte, die Stadt wolle das Gewerbe-Areal, das die VIB Vermögen AG als Investor entwickelt, mit einem Handwerkerhof und einem neuen Recyclinghof verknüpfen. Im Gegenzug müsste man die Kröte in Form der Halle schlucken. Die Flächen für die Handwerker würde der Investor zum Einstandspreis für gut 300 Euro pro Quadratmeter abtreten. „Das ist das Zuckerl“, so Egger.

Da will Erding Jetzt nicht mitmachen. Zum Argument, es würden Arbeitsplätze geschaffen, auch für Menschen mit geringeren Qualifikationen, sagte Egger: „Die Menschen brauchen dann auch Wohnungen, und die gibt’s nicht in Erding.“ Auch hohe Gewerbesteuer-Einnahmen sieht Egger nicht: „Man kann nicht davon ausgehen, dass dort groß was passiert, zumindest nicht im Vergleich zur Größe der Fläche.“

Als drittes Argument gegen eine Logistikhalle, die zwangläufig Lastwagen mit sich bringe, nannte Egger den Verkehr. Der sei „jetzt schon eine absolute Katastrophe“, und werde laut Gutachten auch deutlich steigen.

Apropos Gutachten: Egger kritisierte, dass die Stadträte das erste Gutachten von Professor Kurzak gar nicht zu Gesicht bekommen hätten. Es sei angeblich fehlerhaft gewesen. „Nun gibt es ein neues Gutachten. Darauf warten wir jetzt.“ Sein Verdacht: „Wenn ein Gutachten nicht passt, wird’s in den Mülleimer getreten.“ Hugo Gruber erinnerte an den Gewerbe-Zukunftsplan, den die Firma CIMA für Erding erstellt habe. Diese Experten für Stadtentwicklung hätten „die Logistik an diesem Standort als Todsünde“ gesehen. Deren Meinung zähle hier gar nicht.

Zur Verdeutlichung der Dimensionen der bis zu 20 Meter hohen XXL-Halle zeigte Erding Jetzt den animierten Film, den die Gruppierung im Frühjahr dazu gedreht und via Facebook ins Netz gestellt hatte. Er wurde tausendfach geklickt. Darin wird alternativ zur Logistikhalle ein Campus mit Wohnen und Arbeiten vorgeschlagen.

Thomas Schmidbauer, Mitglied des Erding-Jetzt-Vorstandes, schlug vor, den Film als Antrag in den Stadtrat einzubringen. Er war empört: „Wir kriegen einen Medizin-Campus und eine Verbraucherschutzbehörde mit vielen Mitarbeitern, die aber keine Wohnungen haben. Und dann kommt eine Logistikhalle mit minderwertigen Arbeitsplätzen. Die Menschen finden doch überhaupt keine Wohnungen mehr.“

Schmidbauer regte auch an, über eine Aufteilung der Grundstücksflächen nachzudenken: „Die Stadt könnte doch eine Teilfläche kaufen.“ Schließlich könne sich die Stadt die Planungshoheit nicht aus der Hand nehmen lassen. „Mir ist das zu wenig Gestaltungswille.“

Egger geht davon aus, dass die Debatte sich noch einige Zeit hinziehen wird. „Bis alles baureif ist, vergehen sicher noch ein bis zwei Jahre.“

Ein klassischer Handwerkerhof lässt sich seiner Ansicht nach nicht realisieren. Den Unternehmern seien die Grundstückspreise zu hoch. „Sie zahlen in Berglern, Tittenkofen oder Eitting deutlich weniger“, sagte Egger. „Es wird eher ein Autohäuserhof“, vermutet er. Einige aus Erding und Umgebung, darunter Ford Ewald, hätten bereits Interesse bekundet.

„So, wie es jetzt geplant ist, mit diesen Höhen und dieser Nutzung, ist es für uns kein vernünftiges Thema“, fasste Egger zusammen. Seiner Ansicht nach gebe es „vieles, was dringender wäre. Etwa der Hochwasserschutz für Gewässer dritter Ordnung. Das läuft seit vier Jahren. Es hätte viel schneller gehen müssen.“

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