Der leere Weekend-Club in Erding.
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Alles leer: Der Weekend-Club hat seit Monaten geschlossen.

Bars und Discos weiterhin geschlossen: Die ersten Betreiber werfen das Handtuch

Keine Perspektive fürs Nachtleben

  • vonMayls Majurani
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In der Gastronomie werden die Probleme immer größer.

Erding – An anderen Orten auf der Welt, etwa in Israel oder Neuseeland, können die Menschen wieder mit viel Alkohol und ohne Abstand feiern. In Deutschland dagegen sind Discos seit über 13 Monaten geschlossen – Bars seit November. Ein Ende des Lockdowns ist nicht in Sicht. Die Betreiber müssen sich noch gedulden. Doch die ersten werfen nun das Handtuch.

Maria Groß betreibt seit zwei Jahren das Almstüberl an der Langen Zeile. Fast ein Jahr davon blieb es coronabedingt geschlossen und steht nun vor dem endgültigen Aus. „Ich sehe keine Perspektive. Ich habe keinen Außenbereich, und der Laden ist so klein, dass drinnen keine Abstände möglich sind“, sagt sie. In den kommenden Tagen wird sie die Schlüssel dem Verpächter zurückgeben. Ganz raus aus der Gastronomie sei sie damit aber nicht. Falls der Christkindlmarkt heuer stattfindet, will sie dort sein und sich auch in Zukunft auf derartige Veranstaltungen konzentrieren. Die Gutscheine, die ihre Gäste während des Lockdowns gekauft haben, werde sie dort annehmen, verspricht sie. Seit Beginn des zweiten Lockdowns hat die 28-Jährige eine Vollzeitstelle im Gesundheitsamt – eine seelische Erleichterung: „Da bin ich erst mal gut aufgehoben. Mal schauen, was die Zukunft bringt.“

„Noch reicht das Geld, aber nicht mehr lange“, sagt Chris Heigl, dem die gleichnamige Bar an der Maurermeistergasse gehört. Durch die Überbrückungshilfen seien die Fixkosten der Bar gedeckt. Heigls Problem: „Die Sanitäranlagen müssen erneuert werden. Nach so langem Stillstand sind die Rohre komplett verkalkt.“ Und dafür gebe es kein Geld vom Staat. Ebenso wenig für ihn selbst. Auch deshalb veranstaltet er die Drive-in-Feste auf dem Volksfestplatz. Wie berichtet, findet noch bis Sonntag das Drive-in-Frühlingsfest statt. „In erster Linie decke ich dadurch die Fixkosten meiner Drehbar-Firma. Aber klar, da bleibt auch was für mich selbst übrig.“

Deutlich länger als die Bars hat die Diskothek Weekend am Festplatz schon geschlossen. „Am 7. März im letzten Jahr hatten wir noch geöffnet, am 14. dann nicht mehr“, erzählt Weekend-Betreiber David Ritter. Zwar wurden Nachtclubs erst ab dem 17. März geschlossen, der 35-Jährige wartete aber nicht auf die Verordnungen: „Liebe Gäste, leider muss ich euch mitteilen, dass der Weekend-Club die nächsten Wochen geschlossen bleibt“, sagt er in einem Video vom vergangenen Jahr auf Facebook – eine Woche vor dem Disco-Lockdown. Aus den Wochen wurden dann für Nachtclubs bekanntermaßen mehr als 13 Monate, Tendenz steigend. Dass die Pandemie den Alltag so lange beherrschen würde, konnte damals noch niemand ahnen. Heute ist die Sache klar: Am Ende der Pandemie sind wir noch nicht angekommen.

Der Abschied naht: Maria Groß wird ihr „Almstüberl“ schließen.

„Das ist ja das Schlimme, diese Perspektivlosigkeit“, sagt auch Mesut Karadeniz, Inhaber der Mamas-Bar in der Langen Zeile. Für ihn selbst ist die Situation noch nicht so bedrohlich. Zwar würden die staatlichen Hilfsgelder nicht reichen, und er müsse die Fixkosten seiner Bar teils aus der eigenen Tasche zahlen, allerdings ist er sich sicher: „Das Mamas wird auch diese Krise überstehen.“

Diese Krise nicht überstanden hat dagegen ein anderer Schuppen in Erding: Vollis Shisha-Bar in Aufhausen musste aufgrund der Corona-Pandemie schließen. Inhaber Volkan Kuroglu war nicht mehr in der Lage, die Miete zu bezahlen. „Es gab zwar immer wieder was vom Staat, aber nie so hoch wie versprochen“, sagt er. „Einmal gab es die Soforthilfe, die wirklich geholfen hat. Aber dann hat nichts mehr gereicht. Statt den versprochenen 75 Prozent habe ich vielleicht 50 oder 60 Prozent des Vorjahresumsatzes im November und Dezember bekommen.“ Auf die Hilfe für den Januar warte er noch immer, seine Shisha-Bar gibt es inzwischen nicht mehr. Sein auslaufender Vertrag wurde aufgrund der Zahlungsrückstände nicht verlängert. „Ich habe in einem Jahr alles verloren, was ich in sechs Jahren aufgebaut hatte“, sagt er. Aktuell lebt der 33-Jährige von seinen Ersparnissen.

„Das, was uns motiviert, sind die vielen positiven Botschaften unserer Stammgäste“, sagt Mamas-Wirt Karadeniz. Von der Politik wünscht er sich mehr Mut: „Wir haben Testmöglichkeiten in der Stadt. Mit dem Impfen kommen wir auch weiter. Da muss es doch möglich sein, die Bars und Discos mit Test- oder Impfpflicht zu öffnen“, fordert er. Auch er bezeugt: „Ich bekomme Soforthilfen, die decken rund 60 Prozent meiner Fixkosten. Alles andere muss ich aus eigener Tasche zahlen.“

Allzu viel meckern will der 46-Jährige dann aber auch nicht. Als frisch gebackener Papa (wir berichteten) habe er jetzt durch den Lockdown viel mehr Zeit für die Familie. „Sonst arbeite ich ja 13, 14, 15 Stunden, sechs Mal die Woche.“ Deshalb sei er im Moment wohl der glücklichste Barbesitzer Deutschlands, auch wenn es finanziell besser ausschauen könnte.

Weekend-Betreiber Ritter kann über die staatlichen Hilfen nicht klagen: „Unsere Fixkosten sind mit der sogenannten Überbrückungshilfe 3 komplett gedeckt. Der Staat zahlt unsere Miete, unsere Versicherungen und so weiter.“ Ohne diese Hilfen sei ein Erhalt einer über ein Jahr leer stehenden Disco auch gar nicht möglich. „Nur mein Gehalt zahlen sie nicht“, fügt er dann noch schmunzelnd an. Doch mit dem Abholgeschäft in seiner Kennedy-Bar am Schönen Turm kommt er über die Runden. Von seinem Optimismus hat er derweil nichts verloren: „Wir werden diese Krise gemeinsam überstehen – je vernünftiger wir uns als Gesellschaft verhalten desto schneller.“ So denkt auch Karadeniz und verspricht: „Es wird schon bald wieder legendäre Mamas-Partys und berauschende Fußballabende geben.“

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