Gähnende Leere herrscht aktuell in den Kinos, wie hier im Cineplex in Erding.
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Gähnende Leere herrscht aktuell in den Kinos, wie hier im Cineplex in Erding.

Cineplex-Chefin findet fehlende Hilfen der Regierung „ätzend“ – Prognose trotzdem positiv

Kino in Erding: Situation „emotional sehr anstrengend“

  • vonAlexandra Anderka
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Cineplex-Chefin Vroni Fläxl äußert sich zur aktuellen Situation bei den Kinos. Sie findet die fehlenden Hilfen der Regierung „ätzend“. Dennoch gibt sie für die Cineplex-Kinos ein zuversichtliche Prognose.

Landkreis –„Unsere Kinos stehen das durch“, gibt sich Vroni Fläxl zuversichtlich. Sie leitet zusammen mit ihren beiden Geschwistern und Eltern die Cineplex-Kinos in Erding, Freising und Vilsbiburg. „Wir sind so aufgestellt, dass wir mit der Schließung zurechtkommen.“ Dennoch sieht es auch bei den Fläxl-Kinos nicht gerade rosig aus. „Wir arbeiten den ganzen Tag, ohne etwas dabei zu verdienen.

“ Während sie mit dem verordneten Lockdown nicht hadert – „der war alternativlos“ – findet die 40-Jährige die nicht eingehaltenen Versprechen der Regierung „ätzend“. Diese Situation sei emotional sehr anstrengend. „Ende Oktober sind uns 75 Prozent des November-Umsatzes vom Vorjahr bewilligt worden. Das hat uns aber überhaupt nichts genutzt, da die Portale, wo man die Hilfen hätte beantragen können, noch gar nicht programmiert waren.“

Dafür habe Fläxl sogar Verständnis. „Das geht ja alles nicht von heute auf morgen.“ Aber man könne das dann auch nicht in Aussicht stellen. Bis heute sei kein Geld auf dem Firmenkonto eingegangen. „Das sind Hilfsgelder, die von Steuern finanziert werden und geschenkt sind. Es ist also richtig, dass mit Mikroskop und Pinzette geprüft werden muss, ob die einem zustehen. Aber hätte man das nicht auch im Nachhinein erledigen können, wenn die Pandemie vorüber ist?“

Aufgrund der finanziellen Lücken, die unweigerlich bei vielen Selbstständigen entstünden, werde es viele Insolvenzen geben. „Und die kosten den Staat in Form von Arbeitslosengeld ja auch eine immense Summe.“ Klar seien Hilfen wie das Kurzarbeitergeld für die Mitarbeiter eine große Unterstützung, aber es werden ja nur 60 bis 80 Prozent abgedeckt: „Die restlichen 20 Prozent müssen wir aus eigenen Mitteln stemmen, ohne Einnahmen.“

Auch Andreas vom Hofe, Inhaber des Kinocafés in Taufkirchen, hat noch kein Geld auf dem Konto, doch es sei ihm zugesichert worden, dass die Hilfe in Kürze überwiesen werde. Mit der angekündigten Summe könne er vorerst wieder eröffnen. Vom Hofe hat nur zwei Teilzeitkräfte, deshalb seien die Verpflichtungen bei ihm überschaubar. Bei den Cineplex-Kinos sieht das ein wenig anders aus: Von den einst 200 Mitarbeiten sind 115 verblieben. Bei manchen wurden die Verträge nicht verlängert, manchen musste gekündigt werden, wieder andere seien von sich aus gegangen, um in einer anderen Branche Geld zu verdienen.

Fläxl rechnet frühestens um Ostern rum mit einer Öffnung. Vom Hofe ist da noch ein wenig pessimistischer: „Wir werden die letzten sein, die öffnen.“ Auch Georg Schmederer, Beirat für Kino der Freunde des Jakobmayer e.V., ist in seinen Prognosen eher zurückhaltend: „Je nachdem, wie es sich mit der Mutante entwickelt, könnte es auch Mai werden.“ Schmederer hat allerdings keine finanziellen Sorgen, denn s’Kino im Jakobmayer wird von der Stadt betrieben, und Bürgermeister Josef Grundner habe ihm „ganz klar“ versichert: „Das stehen wir durch.“

Kinobetreiber, Verbände und Verleiher hätten sich zusammengetan und einen Antrag der Ministerpräsidentenkonferenz vorgelegt, in dem sie einen gemeinsamen bundesweiten Start der Kinos fordern. „Bei der Wiedereröffnung im Sommer gab es einen Unterschied von sieben Wochen, da ist kein einziger Startfilm auf die Leinwand gekommen“, moniert Fläxl. Die Filme würden schließlich für ganz Deutschland beziehungsweise Europa oder weltweit herausgebracht. Fläxl gibt zu, dass das Vorhaben schwierig werden könnte, wenn die Inzidenzahlen zwischen den einzelnen Bundesländern weit auseinanderklafften, doch lieber öffne man später und bleibe dann offen. Das Schlimmste wäre ein Auf und Ab oder gar ein dritter Lockdown.

Hatte Fläxl im Sommer noch Angst, die Phase der Wiedereröffnung könnte wegen der hohen Kosten gefährlicher sein als die der Schließung, sieht sie einem Neustart nun optimistisch entgegen. „Wir haben ja schon die Erfahrung gemacht, dass es klappt“. Die Unternehmerin hat auch keine Angst, dass das Kinoerlebnis durch Streaming-Angebote abgelöst werden könnte. „Erstens sind die Verleiher daran gar nicht interessiert, weil damit nichts verdient ist. Der Film muss vorher im Kino gelaufen sein.“ Das beste Beispiel sei im vergangenen Jahr der Film „Mulan“ gewesen. Ursprünglich für das Kino produziert, habe man im September beschlossen, den Film über Premium-Streaming anzubieten. 30 Millionen Euro seien eingenommen worden, gekostet habe er 300 Millionen. Diese über das Kino einzuspielen wäre laut Fläxl kein Problem gewesen.

Zweitens habe sich schon bei der Wiedereröffnung vergangenes Jahr gezeigt, dass die Leute was unternehmen wollen, und da gehöre Kino dazu. Im September und Oktober hätten sie jedes Wochenende Leute wegschicken müssen, weil sie wegen der begrenzten Sitzplätze meist ausverkauft waren.

Andere Erfahrungen machten da vom Hofe und Schmederer. Beide sind sich einig, dass die Kinogänger nach dem ersten Lockdown verhalten reagiert hätten. „Obwohl wir eine ganz moderne Lüftung haben“, sagt Schmederer. Seine Hoffnungen ruhen auf dem neuen Eberhofer-Film. „Der ist für August geplant, da werden die Leute wiederkommen.“

Das ganze Jahr wird laut Kino-Expertin Fläxl noch mühsam werden. „Mit vielen Auflagen. Das hier ist schließlich eine Pandemie und kein Schluckauf.“ Und keiner habe die Kristallkugel, die etwas über die Mutationen verraten könnte. Doch dann gibt sie sich pragmatisch: „Was soll’s. Es hilft ja nichts. Die Allermeisten werden sich nach der Krise hoffentlich irgendwie wieder aufrappeln und in erster Linie Geld verloren haben.“ Dennoch würde sie sich von der Regierung mehr Hilfe statt Versprechen wünschen.

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