Hat gegen die Stiefmutter und ihre Brut zu kämpfen: Annegret Czapek (2. v. r.) aus Walpertskirchen, die als Oschnputtl eine tolle Leistung auf der Bühne der Stadthalle zeigte. Foto: Bauersachs

Erbsenmusical in der Stadthalle

Klamauk um „Oschnputtl“

Erding – Eine Parodie auf das Märchen „Aschenputtel“ war mit dem Erbsenmusical am Sonntagabend in der Erdinger Stadthalle zu sehen. Die Hauptrolle spielte Annegret Czapek aus Walpertskirchen.

Eine etwas andere Version des Grimmschen Märchens „Aschenputtel“ brachte Regisseur und Autor Tom Bauer am Sonntagabend mit seinem Erbsenmusical „Oschnputtl“ auf die Bühne der vollen Stadthalle. Während Bühnenbild und Kostüme von der Entstehungszeit der originalen Geschichte zeugen, wurden die Dialoge in die Gegenwart transferiert. Die Schauspieler und Erzähler Tom Bauer sprachen und sangen in bairischer Mundart, komplett in Reimform.

Dabei jagte ein Kalauer den nächsten. Da wollte ein etwas linkischer Prinz mit dem Oschnputtl Nordic Walking gehen, der Oschnputtl-Vater wählte seine neue Frau wegen ihres Doppel-D-Busens aus, und statt eines Galadinners gab’s beim Prinzenball ein Leberkäs-Buffet, bei dem das Bier aus einem Automaten floss. Teilweise skurrile Situation spielten sich auf der Bühne ab. Doch dem Publikum gefiel’s. Besonders die „Täubchen & Täubchen Co. KG“ mit ihren „handwerklichen Dienstleistungen aller Art“ hatte es den Zuschauern angetan. Dabei handelte es sich um nachlässige Handwerker, die nur Brotzeit und Schwarzgeld im Sinn hatten.

Trotzdem war der Inhalt dem des Originals recht ähnlich. Die musikalische Begleitung übernahm eine fünfköpfige Live-Band, die neben der Bühne auf einem kleinen Podest musizierte.

Herausragend war Hauptdarstellerin Annegret Czapek als Oschnputtl. Sie genoss Heimvorteil in Erding, denn die Hobby-Schauspielerin lebt in Walpertskirchen. Mit voller Stimme sang sie ihre Partien, selbstbewusst und präsent gab sie ihre Rolle.

In ulkigen Situationen setzte sie gekonnt Mimik ein. Auch ihre Stiefschwester Elvira brillierte als hochnäsige Möchtegern-Prinzessin.

Dass nach fast 50 Aufführungen in vier Jahren vor 35 000 Zuschauern alle Mimen Professionalität an den Tag legen können, zeigte sich, als das Mikro des Prinzen ausfiel. Während ein Techniker auf die Bühne schlich, stellte sich die Stiefmutter mit ihrem breiten Gewand vor die beiden und forderte Täubchen auf, doch einfach Leberkäs im Publikum zu verteilen. Fluchs sprang auch die Band mit einer jazzigen Improvisation ein, um die Situation zu überbrücken.

Als zum Schluss Oschnputtl auf den Heiratsantrag des Prinzen „Nein“ sagte, lachten die Zuhörer lauthals. Doch sie beruhigte den verdutzten Prinzen: „War doch nur Spaß.“ Ja, an diesem Abend waren knapp drei Stunden Spaß angesagt, der jedoch an einigen Stellen hätte gestrafft werden können.

Da im eigentlichen Stück kein Platz für eine Botschaft blieb, verpackte Bauer diese im „Grande Finale“. Singend forderten die Schauspieler die Zuschauer auf: „Auch du kannst Teil von einem Märchen sein, du musst dich nur trauen.“ Das klang märchenhaft schön.

Alexandra Anderka

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