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Klarer Sieg, auch ohne Frauenquote

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Von: Michaele Heske

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Auf Platz eins beim St.-Prosper-Kabarett-Preis im Sportbach Schollbach: Christl Sittenauer (M.) mit Musiker Lukas Maier (2. v. l.). Auf den weiteren Plätzen: Manuel Berrer und Jakob Friedrich (v. l.). Es gratulierte Börnie Sparakowski (l.). mhe Auf der Suche nach dem Männertag Von Hunde-Yoga bis Katzen-Mord
Auf Platz eins beim St.-Prosper-Kabarett-Preis im Sportbach Schollbach: Christl Sittenauer (M.) mit Musiker Lukas Maier (2. v. l.). Auf den weiteren Plätzen: Manuel Berrer und Jakob Friedrich (v. l.). Es gratulierte Börnie Sparakowski (l.). © Michaele Heske

Erding - Christl Sittenauer aus Freising ergendert sich den diesjährigen St.-Prosper-Kabarettpreis im Sportpark Schollbach in Erding.

Männer wissen es ja ohnehin schon lange: „Bekommt eine Frau statt eines Mitbewerbers den Job, dann kann es nur an der Frauenquote liegen.“ Christl Sittenauer ergenderte sich am Samstag mit großer Frauenpower den St.-Prosper-Kabarettpreis und setzte sich im Sportpark Schollbach klar gegen die männlichen Comedians durch.

Auf der Suche nach dem Männertag

Bewie Bauer moderierte den Contest. Freilich gab der Comedian noch eine gekonnte Lauterbach-Imitation zum Besten. Bekanntlich ist der Gesundheitsminister vergebens auf der Suche nach einer neuen Partnerin. Wen wundert’s, schließlich schrecken Inzidenz und Abstandsregeln im Bett die holde Weiblichkeit ab.

Die Gleichberechtigung bewegt nicht nur Frauen. „Was wurde am Weltfrauentag am meisten gegoogelt? Wann ist Weltmännertag“, schwadronierte sich Sittenauer, eine gebürtige Freisingerin, durch 20 Minuten Spielzeit. Schwerlich vorstellbar, dass an diesem Tag die Männer auf der Straße mit Plakaten stehen: „Ich möchte genauso wenig verdienen wie eine Frau.“

Die Kabarettistin und Impro-Theater-Spielerin Sittenauer ist seit zwei Jahren Ensemblemitglied der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Und sie weiß: Es geht nicht „um die dritte Toilette“ beim Thema Diversität.

Die 40-jährige Künstlerin hat nämlich noch einen „gscheidn Beruf“: Sie hat erst Architektur an der TU München, danach Mathematik, Kunst und Pädagogik an der LMU studiert. Als Dozentin für Bauphysik an der Uni habe sie sich viel mit Statistik beschäftigt. Etwa, dass Normpersonen bei Studien stets über 1,80 Meter messen sowie zwischen 25 und 30 Jahre alt, normalgewichtig und von weißer Hautfarbe seien. „Ein Testosteron-gesteuerter bajuwarischer Bursche soll also repräsentativ für die gesamte Bevölkerung sein.“

Dass Gendern erst gelernt werden muss, merke man schon an kleinen Mädchen. Im lautstark vorgetragenen Disput mit der fiktiven Tochter einer Freundin. So musste Sittenauer erfahren, dass es das Wort „Vorschülerin“ eigentlich gar nicht gebe. So wenig Verständnis für eine gendergerechte Sprache liege nicht nur am Nachwuchs, sondern vor allem an den Müttern, die ihre „Machos und Wirtshaus-Helden“ nach wir vor glorifizieren.

Von Hunde-Yoga bis Katzen-Mord

Mit temperamentvoller Gesangseinlage beendete sie den Auftritt mit einem „schwulen, rothaarigen Musiker“, das Gegenteil des „Quotenmanns“. Lukas Maier, auch aus dem Landkreis Freising, beherrschte nicht nur das Häkeln perfekt, sondern auch das Klavier. Verdientermaßen Platz eins für die starke Sittenauer, da waren sich die gut 160 Zuschauer mit der Jury einig.

Traditionell bestimmen das Publikum und vier Preisrichter die Sieger, die mit einem Tragerl St. Prosper und Geldpreisen, gesponsert von der Stiftungsbrauerei, nach Hause gehen. Die Jury bestand aus Börnie Sparakowski (Sinnflut GmbH), Michaele Heske (Erdinger Anzeiger), Musiker Limo Lechner sowie Erdings Boogie-Woogie-König Peter Heger.

Platz zwei beim St.-Prosper-Wettkampf belegte der Österreicher „Da Berrer“. Er begeisterte sein Publikum mit umgedichteten Austropop-Songs und durch schwarzen, höchst österreichischen Humor. Vom Hunde-Yoga bis zum Katzen-Mord – ein Lacher folgte dem nächsten.

Jakob Friedrich kam im Blaumann daher, lieferte eine intellektuelle Handwerker-Comedy. Als Mechatroniker machte er sich seine Gedanken über die Arbeitsabläufe in seiner Firma. „I schaff mehr wie du“, so das Motto des Stuttgarters. Statt auf Grundeinkommen setze der Schwabe lieber auf Unkraut pflanzen. Denn alles müsse man sich im Schwobaländle verdienen, führte er den viel gelobten Fleiß der Schwaben ad absurdum. Er ergatterte sich mit dieser Persiflage den dritten Platz.

Auf Platz vier kam Julian Beysel aus Wolfratshausen. Die Entscheidung war äußerst knapp. Seine Geschichten aus dem Leben eines jungen Vaters und frisch vermählten Gatten waren pointiert und durchaus witzig.

Das Schlusslicht bildete Egon Martin aus Isen, der spontan eingesprungen war. Mit Schulgeschichten aus Dorfen unterhielt er das Publikum.

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