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Die Unglücksstelle in der Erdinger Parksiedlung. Auf dem Grünstreifen erfasste diese 8,5 Tonnen schwere Walze am 6. Mai 2017 den 78-Jährigen. Er hatte keine Chance.

Unfall auf einem Geh- und Radweg

Von Straßenwalze überrollt: Kleiner Fehler endet in einer Tragödie für drei Familien

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Es war ein Moment der Unaufmerksamkeit, der für drei Familien in einer Tragödie enden sollte: Vor einem Jahr ist ein 78-jähriger Fuhrunternehmer von einer Walze überrollt worden. 

Erding - Es war ein sonniger, warmer Samstag, als zwei heute 33 und 57 Jahre alte Männer aus dem östlichen Landkreis mit dem damals 78 Jahre alten Erdinger am 6. Mai 2017 einen gekiesten Geh- und Radweg entlang des Itzlinger Grabens in der Parksiedlung herrichten wollten. Mittels einer 8,5 Tonnen schweren Straßenwalze wurde Sand aufgebracht und dann verteilt.

Der 33-Jährige hatte seinen ersten Tag als Nebenberufler bei der Ismaninger Baufirma. Vermittelt hatte ihm den Job sein Schwiegervater, besagter 57-Jähriger. Der ließ ihn auch in die Walze. Der Erdinger lieferte das Streugut mit seinem Lkw an.

Gegen 14.45 Uhr hatten die Drei ihre Mittagspause beendet. Der Jüngere steuerte die Walze rückwärts. Dabei übersah er den Fuhrunternehmer bei einem unvermittelten Schwenk und überrollte ihn. Dessen minderjähriger Enkel musste die Tragödie mit ansehen. Sein Opa starb noch an der Unfallstelle.

Die Angeklagten leiden unter den Unfall

Am Dienstag mussten sich die beiden Arbeiter vor Richter Andreas Wassermann verantworten. Den Angeklagten war anzusehen, wie sehr sie unter dem Unfall mit seinen schrecklichen Ausmaßen leiden. Beide hatten zudem nach dem Unfall Suizidabsichten geäußert.

Ein Sohn des Getöteten trat mit Anwältin Lena Hingerl als Nebenkläger auf. Er berichtete, dass es seiner Familie sehr schlecht gehe. Die Gattin des Opfers „ist mehr in der Klinik als zu Hause“. Hingerl erklärte, es werde nichts mehr, wie es war. Zur Trauer komme die Anstrengung, den kleinen Betrieb zu erhalten.

Beide Angeklagten sahen sich außerstande, selbst auszusagen. Ihre Anwälte Martin Paringer und Bernd Grimm erklärten, dass ihre Mandanten geständig seien, ihr Fehlverhalten einsähen und ebenfalls stark litten. Auch sie befänden sich nach wie vor in ärztlicher Behandlung.

Am Unglückstag zum ersten Mal die Walze gefahren

In der Beweisaufnahme stellte sich heraus, dass der Jüngere noch nie eine solche Walze gefahren hatte. Allerdings war er am Unglückstag von seinem Schwiegervater eingewiesen worden – auf zwei Maschinen.

Als Gutachter hatte Sebastian Nafe ermittelt, dass der 33-Jährige rückwärts gefahren sei, ohne den Sitz umzustellen. Deswegen habe er ein eingeschränktes Sichtfeld gehabt. Die Walze sei mit etwa acht Kilometern pro Stunde recht schnell unterwegs gewesen. Der Sachverständige kam auch zu dem Schluss, dass der Fahrer zu spät und nicht effektiv genug gebremst hatte – möglicherweise aufgrund mangelnder Erfahrung und nicht hinreichender Einweisung. Einen Führerschein braucht man für eine solche Walze nicht.

Das Opfer, das auf einem Grünstreifen neben einem Gartenzaun lief, hatte keine Chance mehr, dem tonnenschweren Gefährt auszuweichen. Unklar ist, ob der 78-Jährige das Unheil hat kommen sehen. Der Enkel hatte ihm wohl noch zugerufen.

Nachdem beide Angeklagten vollauf geständig waren, kam es zu einem Rechtsgespräch. In dessen Folge konnten alle Zeugen entlassen werden. So wurde auch dem Enkel die Aussage erspart. Man einigte sich auf Geldstrafen. Eine fahrlässige Tötung kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

In seinem Plädoyer forderte Staatsanwalt Thomas Bauer eine Geldstrafe von knapp über 8000 Euro und sechs Monate Führerscheinentzug für den Fahrer und 5500 Euro für den Kompagnon. Die Verteidiger hielten 5400 Euro beziehungsweise 60 Tagessätze in nicht bezifferte Höhe für ausreichend.

Richter Wassermann verurteilte den 33-Jährigen zu 7140 Euro Geldstrafe und zwei Monaten Fahrverbot. Der 57-Jährige muss 4500 Euro Strafe zahlen. Das Gericht würdigte, dass sich beide bislang nichts zu schulden hatten kommen lassen und sich geständig sowie einsichtig gezeigt hätten. Es sei ein kleiner Fehler mit dramatischen Konsequenzen gewesen – für alle Beteiligten.

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