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Einen ganzen Stadtteil unter ihre Fittiche nehmen die Quartiersmanagerinnen Stefanie Auer von Planwerk (l.) und Selda Kirci, die praktischerweise in Klettham aufgewachsen ist.

Förderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“: Managerinnen nehmen ihre Arbeit auf

Klettham Nord wird wieder lebenswerter

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Mehr Aufenthaltsqualität, mehr Miteinander, mehr Solidarität. Im bislang sozial benachteiligten Stadtteil Klettham-Nord gerät einiges in Bewegung.

Klettham – An der Friedrichstraße, in der Nähe der evangelischen Erlöserkirche, wird demnächst ein Container aufgestellt. Er dient, wie so oft, einer Baustelle. Doch in diesem Fall geht es nicht um Spaten, Beton und Schalwände. Vielmehr bildet der Container eine soziale Baustelle ab. Deswegen ist es auch ein Bürocontainer. Die Stadt Erding hat sich auf den Weg gemacht, dem bis dato sozial benachteiligten Stadtteil Klettham-Nord neues Leben einzuhauchen, die Menschen zueinander bringen und den Zusammenhalt zu fördern.

Die Siedlung ist nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, um binnen kurzer Zeit tausende Flüchtlinge und Heimatvertriebene unterzubringen. Später wohnten hier viele Fliegerhorst-Angestellte. Der Migrationsanteil ist hoch, das Viertel besteht vor allem aus gesichtslosem Geschosswohnungsbau. Einen Ortskern gibt es mit Ausnahme der Kirche an der Friedrichstraße nicht.

Doch all das soll nun passé sein. Das Städtebauförderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“, das von Bund und Land bezuschusst wird, ist einen Schritt weiter. Im Stadtrat stellten sich die künftigen Quartiersmanagerinnen vor: Stefanie Auer vom Nürnberger Büro Planwerk und Selda Kirci. Gerade Letztere weiß, was in Klettham-Nord zu tun ist: Die 26-jährige Architekturstudentin ist in Klettham aufgewachsen. Beide werden tageweise in dem Container Anlaufstelle für die Bürger sein und von hier aus ihre Aktivitäten steuern.

Auer stellte im Stadtrat erste Ideen vor. Dazu gehört der Wunsch nach einem Wochenmarkt, um Klettham-Nord zu beleben. Hinzu kommt: Einen Nahversorger gibt es nicht mehr, nur einen Kiosk schräg gegenüber der Kirche. „Das könnte ein guter Treffpunkt werden“, meinte die Diplom-Geografin und Sozialberaterin.

Etablieren möchte sie auch ein gemeinsames kostenloses Mittagessen, beispielsweise in den Räumen des früheren Gaststätte St. Prosper neben der Kirche. Hier residierte bis zu ihrem Umzug in die Alte Post am Bahnhof die Tafel der Nachbarschaftshilfe. Auer berichtete, dass der Bedarf nach günstigen oder kostenlosen Lebensmitteln in Klettham-Nord nach wie vor vorhanden sei. Initiiere man einen gemeinsamen Mittagstisch von und mit den Bewohnern, fände zugleich ein Austausch statt. Gelinge es, eine internationale Küche zu etablieren, wäre das ein Weg, die Kulturen zusammen zu bringen.

Als weitere Aufgabe nannte Auer die Verbesserung der Grünflächengestaltung, um den Bewohnern ansprechende Begegnungsmöglichkeiten im Freien zu bieten. Auch die Ordnung des ruhenden und fließenden Verkehrs sprach sie an. Bekanntlich erwägt die Stadt den Umbau der Friedrichstraße zu einem verkehrsberuhigten Bereich mit hoher Aufenthaltsqualität und Stadtbusanbindung. Westlich der Siglfinger Straße kann sich der Stadtrat neben dem Spielplatz eine kleine Parkanlage vorstellen.

Das Container-Büro wird laut Auer an zwei Tagen in der Woche besetzt sein. Hier sei man ansprechbar, von hier aus würden die jährlichen Aktivitäten geplant. „Wir freuen uns, dass es im November endlich losgeht“, betonte Auer. „Gerade in Pandemiezeiten ist es wichtig, das soziale Miteinander zu stärken.“

OB Max Gotz (CSU) stieß ins gleiche Horn. „Schön, dass das Projekt anläuft. Der Bürostandort ist zentral und deswegen ideal gelegen.“

ham

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