Kinderabteilungen schließen - die Chance fürs Klinikum Erding

Kommentar: So krank ist unser System

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Immer mehr kinderklinische Abteilungen in Krankenhäusern werden geschlossen - zu viel Defizit. Und genau deswegen sollte das Klinikum Erding seine Pläne weiterverfolgen, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende.

Die klinische Versorgung von Kindern wird immer schlechter. Am Klinikum rechts der Isar in München wird die Kinder- und Jugendpsychomatik geschlossen, das Haunersche Kinderspital in München muss kleine Patienten abweisen. Die Berliner Charité hat einen Aufnahmestopp verhängt. Einer der Hauptgründe ist neben fehlenden Fachkräften die mangelnde Rentabilität der stationären Kinderheilkunde – ein gesundheitspolitischer Skandal.

Nun stellt sich die Frage: Soll der Landkreis wirklich die Mühen auf sich nehmen und eine Kinderabteilung aufzubauen versuchen? Ist das Defizit des kommunalen Krankenhauses nicht schon heute zu hoch?

Die Antwort ist einfach: Jetzt erst recht! Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch: Das wird den – Erdinger – Steuerzahler einiges kosten.

Auch wenn es sich bei den obigen Beispielen um Spezialhäuser handelt, ist ein Trend klar erkennbar: Das Angebot für kranke und verletzte Kinder wird kleiner. Das heißt: Die Wege für Familien werden länger – und das oft in emotional stark belastenden Momenten.

Hier könnte das Erdinger Klinikum eine wichtige Lücke schließen – mit einer pädiatrischen Grundversorgung. Das wäre nicht nur ein Angebot für die Region, sondern würde auch die großen Kinderkliniken entlasten.

Die Beispiele München und Berlin zeigen: Kinderheilkunde ist ein Draufzahlgeschäft. Private Häuser rechnen spitz. Das muss freilich auch der Landkreis. Doch ihm kommt die politische Komponente entgegen. Wenn es im Kreistag eine Mehrheit gibt, die erklärt: „Das ist es uns wert“, kann das Defizit über Steuergelder ausgeglichen werden.

Ja, das wird über die Kreisumlage die Gemeinden (noch stärker) belasten. Aber kann man öffentliche Gelder besser anlegen als in einer wohnortnahen Versorgung auch der jüngsten Bürger?

Dem Klinikum droht weiteres Ungemach, das nicht weniger skandalös ist. Gesundheitsminister Jens Spahn will Notfallzentren einrichten und im Gegenzug den Ambulanzen in der Fläche den Geldhahn (noch stärker) zudrehen. Die Hälfte der Vergütungen durch die Kassen sollen gestrichen werden. Wie krank ist ein Gesundheitssystem, das Notfällen weite Wege zumutet? An wen soll sich ein akut Kranker mitten in der Nacht oder am Feiertag wenden? Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

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