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Eva Haubenthaler (63) hat viele kirchlicheStationen erlebt.

Nach fast 19 Jahren in Erding geht Klinikseelsorgerin Eva Haubenthaler in den Ruhestand

„Wir vergessen oft die Seele“

Fast zwei Jahrzehnte lang war Eva Haubenthaler Seelsorgerin am Klinikum Erding. Jetzt tritt sie kürzer und hat viel zu erzählen. Ein Portrait.

Erding Schon als Kind musste sie, bedingt durch ein körperliches Gebrechen, Bekanntschaft mit Krankenhäusern machen. Doch auch in ihrem späteren Berufsleben bestimmten diese Orte ihr maßgebliches Wirken: Eva Haubenthaler war lange Zeit katholische Seelsorgerin im Klinikum Erding. „Im September wären es genau 19 Jahre gewesen“, erzählt sie. Nun ist die 63-Jährige schon etwas früher in die verdiente Rente gegangen – auch ihrer angeschlagenen Gesundheit zuliebe.

„Ich habe meine Arbeit hier immer sehr geliebt. Denn ich konnte, wozu das medizinische Personal leider kaum mehr Zeit findet, über viele Jahre mit Kranken reden und dabei wirkliche Seelsorge betreiben. Schon Jesus Christus hat gesagt, dass wir zu den Menschen sprechen sollen.“ Tatsächlich lasse sich durch Reden und Zuhören zwar niemand heilen. „Aber wer Menschen Vertrauen entgegenbringt und es nicht verspielt, wer aufmerksam zuhört, kann etwas zur Linderung von Krankheiten mit beitragen“, ist Haubenthaler überzeugt.

Sie habe in viele Biografien blicken können, habe dabei entdeckt, „dass oft Probleme in Familien dominieren, die letztlich die Menschen stark belasten“. Leider, so zeige ihr die Erfahrung über viele Jahre, „vergessen wir oft die Seele. Dabei lässt sich dort viel entdecken“.

In Altfraunhofen, einem kleinen Dorf bei Landshut, wurde sie geboren, ging in der Kreisstadt zur Schule. Nach dem Abitur studierte sie Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit in München, ihre Fakultät war damals eine Außenstelle der Universität Eichstätt.

Nach vier Jahren kam sie als Gemeindeassistentin nach Lenggries, hielt dort ihre ersten Wortgottesdienste, arbeitete mit der Jugend, gab Religionsunterricht. 1985 führte sie ihr Berufsweg dann nach Obermenzing bei München, wo sie als Gemeindereferentin auch regelmäßig predigte.

Hier entdeckte sie erstmals ihre Liebe zur Krankenhaus-Seelsorge, besuchte Patienten in Pasing und Nymphenburg. Schließlich zog es die engagierte Katholikin nach Petersberg bei Dachau. Dort, in der bekannten Landvolkshochschule für Frauen, wirkte sie von 1989 an als Bildungsreferentin. „Ich kümmerte mich vorwiegend um junge Landfrauen, die Interesse an Persönlichkeitsbildung hatten, die ihre ganz eigenen Ressourcen und Talente entdecken und fördern wollten. Es war eine spannende Zeit“, blickt Haubenthaler heute auf die Erfahrungen von dort zurück.

1990 heiratete sie ihren Mann Reinhard, der schon lange am Münchner Krankenhaus rechts der Isar als Pastoralreferent arbeitete. Er schuf über Monika Schwarzenböck aus Erding, die er von früher kannte, auch den Kontakt zum Erdinger Krankenhaus. „Sie hat irgendwann gefragt, ob ich Interesse daran hätte, meine Stelle an einer Förderschule aufzugeben und meine Krankenbetreuung an der Klinik Neuperlach als dortige Seelsorgerin gegen die gleiche Arbeit in der Herzogstadt zu tauschen. Ich sagte zu, von da an war, obwohl ich privat in Markt Schwaben zuhause bin, Erding meine zweite Heimat.“

Ihre besondere Zuwendung galt in dieser Zeit auch stets den so genannten Sternenkindern. Für die Schicksale dieser kleinen Geschöpfe, die vor oder während der Geburt sterben, fand Seelsorgerin Haubenthaler immer eine besondere Empathie. Sie organisierte berührende Trauerfeiern, kümmerte sich liebevoll um verzweifelte Eltern, besorgte auch Kindergräber auf dem Itzlinger Friedhof.

Nun aber, nach einem erfüllten, überaus sozialen Berufsleben will sie sich mehr um ihre eigene Familie kümmern, um ihren Mann, um die Kinder Franziska und Benedikt. Und um ihre Gesundheit, denn sie ist zu 70 Prozent schwer behindert, leidet an Skoliose, einer Verkrümmung der Wirbelsäule.

Aber so ganz kann und will sie es wohl dennoch nicht lassen. „Zwar habe ich am Klinikum jetzt aufgehört. Doch in der Klinik Wartenberg will ich noch einen Tag pro Woche arbeiten, bis dort ein neuer Seelsorger gefunden ist“ – eine bewundernswerte Leistung eines besonderen Menschen.

Friedbert Holz

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