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Von Triage bisher verschont

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Von: Hans Moritz

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Von Erding nach Bozen musste ein Covid-Patient mit dem Rettungshubschrauber verlegt werden. © Hans Moritz

Die Zahl der Corona-Patienten steigt weiter stark an. Allein am Dienstag kamen sieben weitere hinzu, 28 sind es auf der Isolierstation, sieben auf der Intensivstation.

Erding - Der Jüngste dort ist gerade einmal 25 Jahre alt. Alle waren zumindest nicht vollständig geimpft. Das berichtete Krankenhausdirektor Dr. Dirk Last in einer Pressekonferenz. Alle zehn regulären Intensivbetten seien belegt, auch die beiden neu geschaffenen. Last erklärte aber auch: „Wir bereiten uns auf den Worst Case vor und verlegen Equipment, vor allem Beatmungsgeräte, um mögliche weitere Intensivpatienten versorgen zu können.“ Denn Verlegungen seien kaum möglich. Einmalig sei der Fall eines Covid-Patienten gewesen, der per Hubschrauber von Erding nach Bozen in Südtirol geflogen werden musste.

Landrat Martin Bayerstorfer teilte in diesem Zusammenhang mit, dass der Wiederaufbau des Hilfskrankenhauses im Fliegerhorst „von der Regierung von Oberbayern derzeit nicht geplant ist“.

Den OP-Betrieb hat das Klinikum nach Angaben Lasts auf das notwendige Minimum heruntergefahren. Das Personal von dort werde auf der Intensivstation benötigt.

„Die Auslastung sei von 80/90 Prozent vor wenigen Wochen auf nur noch 64 Prozent gesunken“, so Last. Derzeit seien es 212 Patienten, 180 hätten nichts mit Corona zu tun. „Wir haben einen Patienten, der in jeder Welle eine OP gehabt hätte und vier Mal leider wieder heimgeschickt werden musste.“ Der neue Gastroenterologie-Chefarzt Dr. Gernot Berthold (siehe Artikel unten) appellierte an die Menschen, in einer Notlage dennoch in jedem Fall schnell den Notruf zu wählen.

Last versicherte, dass in den vergangenen Jahren keine Intensivbetten abgebaut worden seien. Zum Glück habe Corona-spezifisch auch keiner gekündigt.

Sehr erleichtert sind Last und Berthold, „dass wir seit Pandemiebeginn noch kein einziges Mal die Triage anwenden mussten, also entscheiden mussten, wen wir behandeln und wen nicht“. Allerdings habe man die interne Ethikkommission – 2020 eine der ersten an einer bayerischen Klinik – wieder aufgestellt. „Im Moment können wir noch jeden behandeln“, versicherte Berthold.

Zu einer möglichen Impfpflicht äußerten sich beide vorsichtig. Last sagte: „Ich würde sie mir für das Krankenhauspersonal wünschen.“ In seinem Haus seien 90 Prozent geimpft. Das heiße aber auch, dass von 1300 Beschäftigten 109 über keine Immunisierung verfügen. „Bei Neueinstellungen verlangen wir allerdings eine Impfung innerhalb der Probezeit“, so der Direktor. Berthold kann sich eine allgemeine Impfpflicht angesichts der dramatischen Lage zwar vorstellen, fragt sich aber, „wie das umgesetzt werden soll“.

Und wie sieht es mit Geimpften auf der Intensivstation aus? Last berichtet von drei Fällen, darunter nur ein klassischer Impfdurchbruch. In einem weiteren Fall sei die Impfung schon zu lange zurückgelegen. Ein Patient sei immununterdrückt gewesen.

Am Dienstag wurden dem Gesundheitsamt nur 35 neue SarsCov-Infektionen mitgeteilt, der niedrigste Wert seit Wochen. Es gibt aber auch weitere Todesfälle. Damit steigt die Zahl der Pandemietoten auf 133. Die Inzidenz von 578,9 (Montag: 748,8) kann nur auf einer neuerlichen Meldeverzögerung beruhen.

Derzeit sind den Behörden 1536 Infizierte bekannt, 2016 Bürger sind in Quarantäne. Neu hinzu kommen 48 Mädchen und Buben aus dem AWO-Kindergarten Pastetten, 34 aus dem Kinderland Neufinsing und fünf Schüler der Grund- und Mittelschule Isen. Am Montag wurden 634 Impfungen verabreicht, knapp 8000 Bürger sind schon dreimal geimpft.

Ab dem heutigen Mittwoch gelten strengere Regeln, darunter 2Gplus unter anderem in Freizeit- und Kultureinrichtungen.

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