Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Industriegebiet Erding West

Kommentar: Auf einmal eine völlig neue Lage

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Nach den jetzt bekannten Informationen muss man das geplante Industriegebiet in Erding West neu denken. Um BMW wird man schwerlich herumkommen, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar.

Drei Buchstaben sind es, die einen fundamentalen Wandel in die Debatte um das umstrittene Industriegebiet in Erding-West bringen könnten: BMW. Fast die Hälfte der 80 000 Quadratmeter in dem Hallenkomplex würde der bayerische Autobauer für sich beanspruchen. Auch der zweite Name ist ein großer: Ikea. Die Schweden planen hier zwar kein Möbelhaus, aber eine wichtige Basis für ihren Online-Handel. Der Logistiker Rhenus liefert vor allem Ikea-Küchen und baut sie beim Kunden auf. Er wird auf deutlich weniger als 40 000 Quadratmeter kommen, denn es gibt noch weitere Interessenten für kleinere Flächen.

Die bisherige Ablehnung auf breiter Front in der Bevölkerung war vor allem in der schieren Größe der Halle sowie in der Sorge begründet, in Erding würde sich auf 80 000 Quadratmetern Packerl-Expresse breit machen. Das wollte und will zu Recht niemand.

Seit Montag ist die Lage eine völlig andere. Die Stadträte werden nicht ernstlich die Ansiedlung einer Premium-Automarke verhindern wollen, die den Ruf des Wirtschaftsstandortes mehren könnte wie Amadeus.

Noch entscheidender ist aber: Der Mittelstand aus Erding und der näheren Umgebung benötigt dringend Flächen. Das Ausmaß ist jetzt bekannt. Im Moment ist es so, dass immer mehr Betriebe die enge Stadt in Richtung Umland verlassen. Das sollte man verhindern. Und: Es gibt Betriebe aus der Region, die es in die Stadt zieht. Es bleibt aber dabei: Die Flächen für den Mittelstand gibt es nur im Paket mit dem Hallenkomplex.

Es ist auch nicht so, dass hier inflationär Jobs geschaffen werden sollen. Zur Erinnerung: Mit dem Abzug der Bundeswehr wird Erding bis 2021 hunderte Arbeitsplätze verlieren. Die bisherigen Interessenten stehen nicht dafür, vor allem ungelernte Billigkräfte mit geringen Einkommen anzuheuern, vor allem BMW.

Keine Frage, in Erding wie im Großraum München herrscht Wohnungsnot. Aber eine Stadt, die keine Wirtschafts- und Ansiedlungspolitik mehr betreibt, beginnt sich abzuwirtschaften.

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