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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Zwei Projekte nicht gegeneinander ausspielen

Kommentar: Spagat mit Fußballschuh & Feuerwehrstiefel

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OB Max Gotz und dem Stadtrat droht der nächste Ärger: Der mögliche Abriss des TSV-Stadions im Zuge des Baus neuer Feuerwehrhäuser. Beide Projekte darf man nicht gegeneinander ausspielen, kommentiert Redaktionsleiter Hans Moritz.

Feuerwehr ist wichtiger als Fußball. In einem Fall geht es um das Retten von Menschenleben und Gefahrenabwehr, im anderen um Bewegung und Unterhaltung. Folglich ist die Entscheidung der Stadt richtig, für die Feuerwehren Erding und Altenerding dort neue Gerätehäuser zu bauen, wo sie strategisch ideal liegen – auch vor dem Hintergrund der Fliegerhorst-Konversion. Deshalb ist es vertretbar, dass andere Infrastrukturen nachrangig berücksichtigt werden. Das heißt im konkreten Fall aber nicht, dass der Sport daraus Nachteile erleiden sollte.

Der Aufschrei der Vereine ob der Möglichkeit, das TSV-Stadion zugunsten der Erdinger Wache und einer Vergrößerung des Volksfestplatzes abzureißen, ist verständlich und war zu erwarten. Dabei ist es im Moment noch zu früh, schon Abgesänge auf die Arena anzustimmen. Noch ist es nur eine Überlegung. Die Planungen für beide Gerätehäuser sind gerade erst angelaufen und noch unkonkret. Ob dieser Platzbedarf überhaupt erforderlich ist, weiß derzeit niemand.

Die Stadt darf es sich aber nicht zu einfach machen und die Vereine einfach auf den benachbarten Gerd-Vogt-Sportpark verweisen. Denn es gibt auch in Erding Events, die Hunderte Zuschauer anlocken. Ein Spielfeld ohne Tribüne in Erding, das sich gerne als Sportstadt geriert, wäre ein Abstieg – und seiner unwürdig. Ebenso verdient der Hinweis der Vereine Würdigung, nicht mit dem Leiterwagerl Wurstsemmeln und Limo verkaufen zu wollen. Der Kioskbetrieb ist eine wichtige Einnahmequelle.

Der Stadtrat hat die Millionenausgaben für den Sportpark auch damit begründet, dass es zusätzlicher Sportflächen bedarf. Wenn nun andernorts Flächen eingespart werden – die des Stadions, der als Impfzentrum genutzten Halle am Lodererplatz sowie der auf absehbare Zeit sanierungsbedürftigen Schulturnhalle in Langengeisling – wird das zusätzliche Angebot gleich wieder getilgt. Als Ersatzsportstätte ist der Sportpark freilich nie eingestuft worden.

Es wäre auch fatal, die Feuerwehr als Begründung für das Aus des Stadions heranzuziehen. Denn der enorme Sanierungsbedarf an der Anton-Bruckner-Straße besteht schon seit langem – auf Rasen und Tartanbahn.

Die Baumaßnahme Feuerwehren wird einen städtebaulichen Dominoeffekt in Gang setzen. Rathaus und Stadtrat sind gut beraten, von Anfang an einen weiteren Mitspieler aufs Feld zu lassen – die Zukunft des Stadions.

In der CSU wird Janine Krzizok für höhere (gar höchste?) Aufgaben gehandelt, daher auch der stellvertretende Fraktionsvorsitz. Sie ist in der zweiten Amtsperiode Sportreferentin des Stadtrats. Will sie sich bewähren und tatsächlich für höhere Weihen empfehlen, muss sie in den Planungen und Verhandlungen eine Schlüsselrolle einnehmen. Die Herausforderung ist immens: Feuerwehren und Vereine sind mächtige Institutionen mit enormem Wählerpotenzial. Sie gegeneinander auszuspielen, wäre politisches Harakiri.

ham

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