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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Neue Ideen für die Altstadt

Kommentar: Das Fenster für Veränderungen steht nicht lange offen

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Auch wenn die Vorschläge nicht neu sind - jetzt ist der Zeitpunkt günstig, eine Fußgängerzone in der Erdinger Altstadt zumindest einmal auszuprobieren. Langfristig wird das aber nicht ausreichen, kommentiert Redaktionsleiter Hans Moritz.

An Versuchen, die Erdinger Altstadt umzugestalten, den Verkehr zu verbannen und mehr Leben hereinzuholen, mangelt es nicht. Das Thema kocht in jährlicher Regelmäßigkeit hoch, um schnell wieder – unerledigt – abzukühlen. Der jüngste Vorstoß von Erding Jetzt ist dennoch keiner wie all die anderen.

Denn er nutzt ein politisches Fenster, das es so noch nie gegeben hat, und das sich auch so schnell nicht wieder öffnet. Deswegen ist jetzt der ideale Zeitpunkt, sich konkret über eine neue Altstadt Gedanken zu machen.

EDJ-Fraktionssprecher Hans Egger beantragt die probeweise Einführung einer Fußgängerzone an den Wochenenden. Vor allem die Geschäftswelt in der Innenstadt hatte unter den Lockdowns und den Zwangsschließungen sowie der Dauerbaustelle besonders hart (und lange) zu leiden. Die ersten Tage der Wiederöffnung zeigen: Die Erdinger sind heiß auf ihre Stadt, Cafés und Biergärten sind voll. Sie genießen das Treiben. Diese Phase ist ideal, weitere Schritte auszuprobieren – zu einer Zeit, in der dem Handel nicht allzu viele Kunden durch eine autofreie Innenstadt verloren gehen. Und: Auch die Gegner brauchen den Probebetrieb, um nachzuweisen, dass es eben doch nicht geht.

Unabhängig von der Pandemie muss sich die Stadtpolitik mit der Frage beschäftigen, den Klimakiller Individualverkehr stärker in den Griff zu bekommen als mit dem Feigenblatt Tempo 20.

Vorsichtig sein sollte man hingegen mit einer Altstadt als Bühne. Nichts gegen (schöne) Straßenmusik, aber Konzerte jedes Wochenende muss man den Anwohnern nicht zumuten. Das gilt auch für eine im Sommer verkürzte Sperrstunde. Mit Verlaub, 23 Uhr ist genug.

Auch müssen die Anlieger die Garantie haben, ihre Häuser zu erreichen. Die Erdinger Altstadt hat nun einmal das strukturelle Manko, nicht von Ringstraßen doppelt erschlossen zu sein wie etwa Bad Tölz oder Murnau.

Wenn man sich auch ein paar Spielgeräte zutraut und der Gastronomie dauerhaft größere Freischankflächen zugesteht, würde der Erdinger Stadtkern noch lebenswerter – was den Verlust der Autos vermutlich überkompensieren wird.

ham

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