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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar zu den gefälschten Reportagen im Spiegel und die Konsequenzen für eine Lokalzeitung

Nähe ist Sicherheit und Erfolg

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Die Fälschungen des Spiegel-Reporters Claas Relotius reichen bis in die Lokalzeitungen. Was das bedeutet, analysiert Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar.

Mit einem Medienskandal ist 2018 zu Ende gegangen. In meisterlicher Manier hat Spiegel-Reporter Claas Relotius Geschichten schlichtweg erfunden – eine journalistische Todsünde, die gerade in Zeiten schriller Vorwürfe von „Fake News“ und „Lügenpresse“ einen tiefschwarzen Schatten auf die gesamte Branche wirft. Auch auf die Lokalzeitungen.

Die kleinen Blätter werden im großen Medienwald ja gerne belächelt – runde Geburtstage, Vereinsversammlungen, geklaute Fahrräder. Nein, wir berichten (in der Regel) nicht über die großen Ereignisse der Weltgeschichte. Unser Erfolg ist Nähe.

Deswegen sind die Lokalzeitungen wohl die Medien, die (auch diese) Krise am wenigsten trifft. Denn Nähe ist unsere Sicherheit. Der Spiegel-Fälscher hat sich eine Reportage aus einer amerikanischen Kleinstadt komplett aus den Fingern gesogen. Wenn wir aus Eitting oder Eibach, aus Taufkirchen oder Tittenkofen berichten, dann würde uns ein solches Lügengebilde wie aus Fergus Falls vermutlich schon vor der Veröffentlichung auf die Füße fallen. Der Schwindel würde umgehend enttarnt.

Wir berichten von dort, wo unsere Leser daheim sind. Der Erdinger/Dorfener Anzeiger erhebt den Anspruch, in allen 26 Städten, Märkten und Gemeinden vertreten zu sein. Das ist mitunter eine Herausforderung, aber nur so sind wir nahe bei den Lesern – und damit bei denen, die uns letztlich kontrollieren.

Das heißt natürlich nicht, dass wir fehlerfrei sind. Falsch geschriebene Namen oder Rechtschreibfehler finden Sie auch bei uns – leider trotz allen Bemühens viel zu häufig. Aber bewusste Manipulationen? Das nicht.

Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir nicht bei allen Ereignissen selbst dabei sind, über die wir berichten. Ohne Mitteilungen von Vereinen, Verbänden und öffentlichen Stellen kommen wir nicht aus, schon gar nicht, wenn man flächendeckend informieren möchte. Uns ist bewusst, dass diese Berichte gefiltert sind. Uns ist auch klar, dass uns Gesprächspartner nicht immer alles verraten, dass sie nur das preisgeben, was sie über sich in der Zeitung lesen wollen. Deswegen sind wir bei solchen Einsendungen vorsichtig und weisen unsere Leser explizit auf die externe Quelle hin.

Die Journaille in Deutschland grübelt nun, was sie aus dem Fall Relotius lernen kann und muss. In der Hochzeit der Flüchtlingskrise vor drei Jahren haben viele Blätter – auch wir – den Fehler gemacht, zu spät erkannt zu haben, wann die Willkommenskultur bei immer mehr Menschen in Angst umgeschlagen ist, dass wir es im Merkelschen Sinne vielleicht doch nicht schaffen. Aber auch in dieser Zeit haben wir – allen Vorwürfen zum Trotz – Nachrichten nie bewusst unterdrückt.

Es folgte die Zeit, in der wir Journalisten wieder Boden machen wollten, indem wir verstärkt über die Schattenseiten der Migration berichtet haben.

Den Fälschungen im Spiegel kann man zumindest etwas Reinigendes abgewinnen: Wir müssen noch intensiver verinnerlichen, nur das zu schreiben, was ist. Nicht das, was andere lesen wollen – oder eben nicht. Die Wirklichkeit ist spannend und vielfältig genug.

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