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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Corona: Trotz Erfolgen jetzt vorsichtig bleiben

Kommentar: Die letzte Runde in der Geisterbahn?

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In der Corona-Pandemie ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Erste Lockerungen sind da, weitere werden rasch folgen. Nun liegt es an uns, erste Erfolge nicht zu gefährden, kommentiert Redaktionsleiter Hans Moritz.

Man merkt, dass die Erdinger zuletzt kein Herbstfest feiern durften. Den Menschen hier scheint das Auf und Ab in Kettenflieger, Riesenrad und Achterbahn im Blut zu liegen. Im Frühherbst 2020 war die Corona-Lage hierzulande lange ruhig, während in anderen Regionen die Inzidenzen schon nach oben schossen. Dann zog Erding mit atemberaubender Geschwindigkeit nach. Ausgerechnet vor Weihnachten war Erding oberbayerischer Pandemie-Hotspot mit einer Inzidenz von weit über 300. Unvergessen bleiben die 214 Neuinfektionen binnen eines Wochenendes zwei Wochen vor Heiligabend. Doch wie bei der Berg- und Talbahn ging es ab Ende Januar wieder steil bergab. Im Moment steht der Landkreis mit einer Inzidenz von stabil unter 35 – am Freitag lag sie bei 25,3 – sogar bayernweit mit an der Spitze.

Das Auf und Ab ist nicht auf eine bestimmte Jahreszeit zurückzuführen und beweist: Das Virus ist nach wie vor nicht zu unterschätzen, seine sich ausbreitenden Mutationen erst recht nicht. Die Infektionszahlen können jederzeit wieder – sprunghaft – steigen.

Es geht nicht darum, Panik zu schüren. Es ist richtig, dass wir nun unsere Freiheiten Schritt um Schritt zurückbekommen. Am Montag öffnen die Schulen wieder, eine Woche später die Friseure. Geht es so weiter, werden nächste Lockerungen rasch folgen.

Doch dieser Weg darf uns nicht nachlässig werden lassen. Die AHAL-Regeln – Abstand halten, Hygiene, Alltagsmasken und Lüften – sind unverändert der Wegweiser zurück zur Normalität. Dem Virus ist unser Verhalten egal, uns sollte es nicht egal sein.

Die Vorzeichen einer langfristigen Stabilisierung sind so gut wie nie seit dem ersten positiven Fall am 4. März 2020. Immer mehr Menschen sind geimpft. Ab kommender Woche werden 50 Prozent mehr Vakzine geliefert als in den vergangenen Tagen. Wenn die Hausärzte Bestandteil der Impfstrategie sind, wird der Fortschritt ebenso exponentiell wachsen wie die Pandemie um den Jahreswechsel. Vor allem die besonders vulnerablen Heimbewohner sind in absehbarer Zeit geschützt.

Die Schnelltest-Kapazitäten werden ausgebaut, ein Signal an Lehrer, Erzieher und Familien. Ab 1. März werden Tests für alle kostenlos sein. Sie sind mit den Impfungen der Schlüssel zur Rückkehr in unserer Vor-Corona-Leben.

In wenigen Wochen werden Hunderte Klassen mit Raumluftfiltern ausgestattet sein, der Türöffner für vollen Präsenzunterricht.

Nicht zuletzt spielt uns die Witterung in die Hände. Es wird wieder wärmer, die Menschen sind öfter draußen. Das hat schon vor einem Jahr für eine beträchtliche Beruhigung der Lage gesorgt.

Alles in allem sind das ermutigende Zeichen. Wer in der Geisterbahn sitzt, freut sich auf die Extrarunde. Bei Corona sind wir froh, wenn es die letzte war. Ob sie es wirklich ist, liegt an uns.

ham

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