Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar zum Moosinninger Sex-Prozess

An die Opfer denkt niemand

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Wegen sexueller Nötigung ist der frühere Moosinninger Vize-Bürgermeister Manfred Renner zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Fall hat aber noch eine andere Dimension - eine politische in Bezug auf die Opfer. Dazu ein Kommentar von Redaktionsleiter Hans Moritz

Manfred Renner, früherer Zweiter Bürgermeister von Moosinning, hat seine Strafe erhalten. Nicht nur die von Richter Björn Schindler verhängte Haft von einem Jahr und acht Monaten zur Bewährung wegen sexueller Nötigung mit Gewalt. Renner hat auch politisch und privat einen hohen Preis bezahlt – er ist erledigt. Mitleid muss man nicht haben. Sexualstraftaten werden zurecht geächtet.

Doch die Übergriffe gegen Untergebene sind nur die eine Seite des Skandals. Die andere: der politische Umgang damit. Als unsere Zeitung die Vorwürfe im November öffentlich gemacht hatte, kam aus der Moosinninger Politik nur eine einzige Reaktion: Böse Presse, armer Herr Renner! Renners Bürgerblock und Teile der CSU überboten sich geradezu in ihrer Medienschelte. Da wurde sogar der lächerliche Vergleich mit dem zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff bemüht.

Nur Josef Romir (SPD) verlangte Aufklärung und fragte Bürgermeisterin Pamela Kruppa (CSU), was sie getan habe, um das buchstäbliche Treiben zu verhindern und ihre Mitarbeiter zu schützen.

Seit gestern ist klar: Kruppa hat sich schön rausgehalten und versucht, sich hinter Paragrafen und Redeverboten im schwebenden Verfahren zu verstecken. Die Bürgermeisterin ist für ihren Laden verantwortlich. Dazu gehört auch, Mitarbeiter zu schützen und sich bei Angriffen vor sie zu stellen.

Bemerkenswert auch die Einlassung des früheren Vize-Bürgermeisters Reinhard Kubo: Er sorgte sich nur um den von den Medien „vorgeführten“ Manfred Renner. Er hätte es in zweifacher Hinsicht besser wissen müssen: Als erfahrener Politiker war ihm bewusst, dass ein Bürgermeister im Amt eine öffentliche Person ist, deren Namen Medien selbst beim Vorwurf schwerer Straftaten nennen dürfen. Schlimmer: Als Arzt hätte man von ihm mehr Einfühlungsvermögen für die Opfer erwartet.

Von denen hat in der Politik niemand gesprochen. Deren Leid hat keinen interessiert. Wundert man sich, dass viele Opfer sexueller Gewalt Angst haben, bei der Aufarbeitung dieser Verbrechen erneut erniedrigt und gedemütigt zu werden?

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