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Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger

Neues  Klima im Erdinger Stadtrat

Kommentar: Für Fraktionsgeplänkel steht zu viel auf dem Spiel

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Der neue Stadtrat von Erding hat seine Arbeit aufgenommen. Und jeder spürt: Es hat sich etwas verändert, die Stimmung im 40-köpfigen Gremium ist anders. Der Sacharbeit ist das nicht unbedingt zuträglich, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende. 

Auf der einen Seite ist die CSU. Sie stellt die größte Fraktion, besitzt aber keine eigene Mehrheit. Über die verfügen die anderen Gruppierungen, vor allem Grüne, Freie Wähler, Erding Jetzt und SPD. Und die lassen immer wieder die Muskeln spielen. Wie stark sie sind, haben sie in der konstituierenden Sitzung gezeigt, als sie reihenweise CSU-Bewerber bei der Postenvergabe durchfallen ließen.

Ein Muskelzucken war im Planungs- und Bauausschuss zu spüren, als die Fraktionschefs Hans Fehlberger (FW) und Hans Egger (Erding Jetzt) beantragten, den wichtigen Punkt Gewerbegebiet Erding West von der Tagesordnung zu nehmen. Angeblich seien die Unterlagen zu spät eingegangen.

Der Vollständigkeit halber sei bemerkt, dass etliche Poststempel eine andere Sprache sprechen. Vor ein paar Wochen noch hätte OB Max Gotz (CSU) die Behandlung durchgezogen – und dafür eine Mehrheit gefunden. Diesmal ließ er sich gar nicht erst auf eine Auseinandersetzung ein. Nun wird erst am 7. Juli diskutiert und beschlossen.

Diesen Verzug hätte man sich sparen können. Er ist auch schädlich. Denn trotz Corona-Krise gibt es nicht wenige Betriebe, die rund um München auf Flächensuche sind. So droht Erding die Top-Bewerber zu verlieren – etwa an den populären Gewerbepark in Parsdorf.

Es bleibt dabei: Für ein weiteres Gewerbegebiet gibt es gute Gründe: neue Arbeitsplätze, Gewerbesteuereinnahmen, wohnortnahe Alternativen für Pendler. Für parteitaktische Spielchen eignet sich dieses Thema nicht.

Wie wird es weitergehen in diesem Stadtrat? Es zeichnet sich ab, dass das Gremium künftig länger diskutieren und weniger Projekte auf den Weg bringen wird. Die Leistungsbilanz bis 2026 dürfte blasser ausfallen. Einigkeit im Stadtrat war bisher ein Teil des Erdinger Erfolgs.

2024 wird der Fliegerhorst frei sein. Danach geht es darum, das 365-Hektar-Areal in einen neuen Stadtteil zu verwandeln. Eine Politik, die sich im Fraktionsgeplänkel verliert, wird nicht allzu viel reißen. Gotz hat in einem Meisterstück den längeren S-Bahn-Tunnel durchgesetzt, hat Erding zum Oberzentrum gemacht. Er beherrscht die große Klaviatur. Auf diesen Zug sollte der Stadtrat (wieder) aufspringen.

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