Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Bürgermeister, Landräte und Stadträte glänzen mit Abwesenheit

Kommentar: Politik auf Tauchstation

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Bei wichtigen Veranstaltungen ließen sich Bürgermeister, Landräte und Stadträte entweder gar nicht oder nur spärlich blicken. Das ist eine beschämende Ignoranz gegenüber den Bürgern, kommentiert Redaktionsleiter Hans Moritz.

In Erding wird nach Ringschluss und Entmilitarisierung des Fliegerhorsts ein weiteres Generationenprojekt eingefädelt: der Hochwasserschutz. In der ersten wichtigen Phase lässt die Politik den Bürger alleine – eine Peinlichkeit sondergleichen.

Das Wasserwirtschaftsamt München hat den Start der neuen Planung mit Deichen und Mauern durch die Stadt statt Hochwasserbecken bei Niederwörth kurz vor der Kommunalwahl mitten im Corona-Lockdown gründlich verstolpert. Umso löblicher ist seine jetzige Tournee zu den Bürgern und den Brennpunkten mit fünf gut vorbereiteten Begehungen.

Und wo sind die Damen und Herren Stadträte? Bislang ließ sich bei jedem der Termine gerade einmal ein Vertreter blicken. Wenn das so weiter geht, müssten noch 38 Vor-Ort-Gespräche stattfinden, damit jeder Volksvertreter sich einmal mit den Bürgern ein Bild gemacht hat. Es ist beschämend, welches Desinteresse der Stadtrat an den Tag legt. Der Hochwasserreferent – den Namen hat der Autor vergessen – sollte immer dabei sein.

Vielleicht lebt es sich in der Filterblase einfach angenehmer. Im Stadtrat dürfen nur Räte und Experten reden. Der Bürger ist geduldet, muss aber schweigen.

Ein klägliches Bild gab die politische Spitze auch am Freitag bei der Verabschiedung von Helma Wenzl, zwölf Jahre lang Leiterin des Anne-Frank-Gymnasiums, ab. Weder einer der drei Bürgermeister noch einer der drei Landräte hatte Zeit. Von OB Max Gotz gab es immerhin eine Videobotschaft. Für den Landkreis hielt als einfaches Kreistagsmitglied Ludwig Kirmair ein (sehr gutes) Grußwort. Ein Armutszeugnis.

Es ist erst ein paar Wochen her, das folgten einem die Wahlkämpfer bis an die Haustür. Jetzt hat man es sich offensichtlich bequem eingerichtet – und möchte bitte in Ruhe gelassen werden. ham

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