Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar von Redaktionsleiter Hans Moritz

Erding im Jahre 2016: Erfreulich unaufgeregt

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Erding – Ein weltpolitisch aufregendes Jahr geht zu Ende. Wir Deutschen sind so verunsichert wie seit Jahren nicht. Und dennoch ist im Kreis Erding die Lage ruhig geblieben. Das liegt auch an einer souveränen Bürgerschaft, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Jahreswechsel.

Es gehört zum guten Ton in diesen Tagen, das alte Jahr zum Teufel zu wünschen – unzählige Stars, die gestorben sind, ein tief verunsichertes Deutschland, Terroranschläge in Europa und der erbarmungslose Krieg in Syrien. Stimmt schon, 2016 hat es uns nicht gerade leicht gemacht. 

Gilt das auch für den Landkreis Erding? Schlechte Nachrichten gab es auch hier, etwa dass sich die Zahl der Verkehrstoten im Vergleich zu 2015 mehr als verdoppelt hat. Auch bei uns sorgt die Zuwanderung durch Flüchtlinge für Ängste und zunehmende Ablehnung. Die Stimmung ist nicht gekippt, aber sie hat sich verändert. 

Tatsächlich ist die Zahl der Asylsuchenden 2016 bei uns stark gesunken, die Schlangen vor dem Fachbereich Asyl des Landratsamts in der Erdinger Innenstadt sind kleiner geworden. Größer geworden ist hingegen die Herausforderung, anerkannte Flüchtlinge dauerhaft zu integrieren. Machen wir uns nichts vor: Hier stehen wir noch ganz am Anfang. 

Für viel Ärger hat der Kommunalpass gesorgt, das Erdinger System, das Flüchtlingen den Zugang zu Bargeld so schwer wie möglich macht. Darüber kann man trefflich streiten. Bedauerlich ist, welch großen Keil ein kleines Plastikkärtchen zwischen Politik und ehrenamtliche Helfer getrieben hat. 

Flüchtlinge gehören zum alltäglichen Bild in unserem Landkreis. Vieles deutet auf ein Neben- vielleicht sogar ein Miteinander an, wenig auf ein Gegeneinander. Weder die Straftaten von Flüchtlingen, noch die gegen diese Menschen und deren Unterkünfte haben sich signifikant entwickelt. 

Die Erdinger sind bei aller globalen Hysterie unaufgeregt und sachlich, vor allem aber menschlich geblieben. Das ist ebenso erfreulich wie die Tatsache, dass rechte Parteien, allen voran die AfD, hier bislang nicht nennenswert Fuß fassen konnten. Deswegen war 2016 ein gutes Jahr. 

2017 stehen Bundestagswahlen an.07 Die Parteienlandschaft erweckt derzeit nicht den Eindruck, dass ein schriller, aggressiver Wahlkampf bevorsteht. Gut so, denn es gibt genug Sachthemen, die eine engagierte Diskussion der Kandidaten wie der Bürger verdienen – zum Wohl der Heimat: Wie verkraften wir das Wachstum? Wie können wir Straße und Schiene ausbauen? Welche Antworten haben wir auf Lehrlings- und Fachkräftemangel? Und vor allem: Wie bleibt Erding ein Hort der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Stabilität?

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