Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Warteraum Asyl - unser Kommentar

Erding, ein Symbol für fatale Fehler in der Flüchtlingspolitik

  • schließen

Beim Warteraum Asyl sendet der Bund erstmals Anzeichen über die Schließung von Camp Shelterschleife aus. Das Problem waren tausende Flüchtlinge, die unregistriert von Erding aus untertauchten. Ein Fehler mit Folgen, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar.

Die Auflösung des Warteraums Asyl taucht erstmals am politischen Horizont auf. Wenn die letzten 20 000 von 27 000 Flüchtlingen aus Italien und Griechenland übernommen und auf Deutschland verteilt sind, werden Bundesinnenministerium und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Camp Shelterschleife aufgeben. Wann das genau passieren wird, weiß noch niemand.

Die Europäische Kommission pocht auf Januar 2018. Realistischer, weil realitätsnäher ist der Sommer 2019. In Erding muss man diesem Datum mitnichten entgegenfiebern. Denn der Warteraum hat Stadt, Land und Menschen weitaus weniger beschäftigt, als noch vor zwei Jahren befürchtet. Das Kommen und Gehen haben die Erdinger mit der für sie ebenso typischen wie sympathischen Gelassenheit an sich vorbeiziehen lassen. Wenn es zu Kontakten kam, waren es Ehrenamtliche, die sich um die Neuankömmlinge kümmerten.

Dennoch wird Erding ein Symbol für fatale Fehler in der Flüchtlingspolitik bleiben. Denn der Bund hat monatelang tatenlos zugesehen, wie Tausende von Flüchtlingen das Camp eigenmächtig verließen und sich auf eigene Faust in Richtung S-Bahnhof Erding aufmachten – größtenteils unregistriert auf einem Weg, den man eilfertig durch die Wiesen gelegt, ausgeleuchtet und auch noch mehrsprachig ausgeschildert hat.

Erding war Ausgangspunkt für Menschen, von denen die Behörden teilweise bis heute nicht wissen, wer und wo sich im Land aufhält. Vor allem Landrat Martin Bayerstorfer ist für seine ausdauernde Kritik an diesem Punkt des Verwaltungsversagens angegriffen worden. Das war in einer Zeit, in der man mit jedem kritischen Wort über das Flüchtlingsproblem in die rechte Ecke gestellt wurde. Immerhin: Damit schaffte es der ehrgeizige CSU-Politiker bis in Berliner Talkshows.

Wie haben sich die Zeiten geändert. Bei ihrem Auftritt in Erding diese Woche hat keine Geringere als Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde, kritisiert, dass Deutschland zeitweise die Kontrolle darüber verloren hat, wer ins Land kommt. Politiker aller Couleur versichern, Zustände wie 2015 dürften sich nicht wiederholen.

Doch ob die Ströme etwa übers Mittelmeer und aus Italien nicht plötzlich doch wieder anschwellen, weiß niemand. Was sich in der Tat nicht wiederholen darf, ist der staatliche Kontrollverlust. Diese Verpflichtung ist fortan auch mit dem Namen Erding verbunden.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auf St. Wolfgang kommen Millionen-Ausgaben zu
Die Gemeinde St. Wolfgang muss kräftig in ihre Feuerwehren investieren
Auf St. Wolfgang kommen Millionen-Ausgaben zu
Jan Harms und Theresa Killi treffen am besten
Premiere bei Falke Moosinning: Die neuen Schützenkönige wurden erstmals auf der umgebauten Anlage mit den elektronischen Ständen ausgeschossen – bei den Schützen und …
Jan Harms und Theresa Killi treffen am besten
„Ihr macht tolle Arbeit“
Das kann sich sehen lassen: Der Erlös von „Ottenhofen feiert Advent“ geht an die örtliche Nachbarschaftshilfe. „Ihr macht eine tolle Arbeit“, sagte Bürgermeisterin …
„Ihr macht tolle Arbeit“
Hightech im Kuhstall
Melkroboter ziehen in immer mehr Milchviehbetriebe ein. Auch die Nußrainers in Katterloh setzen auf Hightech in ihrem Kuhstall. Für das Stallgespräch des Bayerischen …
Hightech im Kuhstall

Kommentare