Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar zum Frauenhaus

Machtmensch Bayerstorfer hat sich völlig vergaloppiert

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Der Streit ums Frauenhaus eskaliert: Jetzt wehrt sich sogar die Kirche gegen die harten Vorwürfe des Erdinger Landrats. Der ist übers Ziel hinausgeschossen, meint Redaktionsleiter Hans Moritz.

Erding - Jeden halbwegs kommunalpolitisch interessierten Bürger beschäftigen in diesen Tagen zwei Fragen: Was treibt den Landrat um? Was ist in Martin Bayerstorfer gefahren, einen anerkannten Sozialverband derart aggressiv und unversöhnlich zu attackieren? Der Streit ums Frauenhaus und den Sozialdienst katholischer Frauen ist mit der Kreistagssitzung am Montag eskaliert.

Der CSU-Politiker wirft dem SkF vor, intransparent mit Spendengeldern umzugehen. Den Ehrenamtlichen spricht er das Motiv ab, sich in erster Linie um Gewaltopfer kümmern zu wollen. Stattdessen hingen sie am Träger. Was für ein Unsinn.

Bayerstorfer hat sich verrannt. Der SkF hat es gewagt, ihm offen zu widersprechen, ihm nicht willfährig zu folgen. Das verträgt ein Machtmensch wie Bayerstorfer nicht.

Das Schlimme ist, dass er damit eine Einrichtung in Misskredit bringt, die unverzichtbare Arbeit leistet – nämlich Frauen und Kinder in Not zu schützen. Ging es anfangs noch „nur“ um einen Fehlbetrag, schießt er jetzt wie besessen gegen den Träger und die Diözese. Ein CSU-Politiker, der die Kirche frontal angreift – das gibt’s selten.

Das Fatale ist, Bayerstorfer fügt dem Ehrenamt insgesamt schweren Schaden zu. Wenn sich Menschen rechtfertigen müssen, dass sie ihre Zeit für andere aufwenden, wenn sie Spenden an den Landkreis abführen sollen, dann ist es weit gekommen. Bisher hat der Landrat nur den Flüchtlingshelfern nicht gerade großen Respekt entgegengebracht, nun sind es kirchliche Ehrenamtliche. Was kommt als Nächstes? Feuerwehren? Katastrophenschützer? Die sind auch teuer, rücken aber längst nicht jeden Tag aus.

Bayerstorfer wird allmählich für seine Partei zum Risiko. Viele wenden sich ab, mucken aber nicht auf – noch nicht. Die CSU muss froh sein, dass die nächste Kommunalwahl erst 2020 stattfindet.

Andreas Lenz kann sich bedanken. Seinen Bundestagswahlkampf gefährdet der Kreischef außer Rand und Band beträchtlich. Wenn Bayerstorfers Attacke ohne Möglichkeit der Widerrede im Kreistag Taktik gewesen sein soll, ist der Schuss nach hinten losgegangen.

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