Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar zum Wochenende

Jugendzeltplatz taugt nicht als Umweltskandal

  • schließen

Vom nächsten Sommer sind wir weit entfernt. Um den geplanten Jugendzeltplatz am Notzinger Weiher wird heiß gerungen. Gebt den jungen Leuten ihren Platz, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Wochenkommentar.

Wie aus einer guten Idee ein Politikum werden kann, zeigt das Beispiel des geplanten Jugendzeltplatzes am Notzinger Weiher. Kaum war das Projekt in der Öffentlichkeit, setzte die Kritik ein. Der Landkreis plane eine Remmidemmi-Stätte mitten im Landschaftsschutzgebiet. Mit der Kettensäge seien Fakten geschaffen worden.

Es empfiehlt sich, inne zu halten und tief die kalte Winterluft einzuatmen. Denn das Projekt taugt definitiv nicht als Umweltskandal.

Ja, hier liegt ein klassischer Zielkonflikt vor: Auf der einen Seite ein schönes Fleckerl Landschaft, auf der anderen Seite das Bestreben, jungen Leuten einen Aufenthaltsort im Freien zu bieten.

Das sind die Fakten: Der Notzinger Weiher ist kein unberührtes Stück Natur, sondern seit Jahrzehnten Naherholungsgebiet. Bei einem Jugendzeltplatz handelt es sich mitnichten um ein Gelände, auf dem sich Jugendliche unkontrolliert austoben, Alkoholexzesse feiern, ums Lagerfeuer tanzen und einen Höllenlärm veranstalten können. Hierher kommen Gruppen aus Schulen, Kirchen oder vom Kreisjugendring, die unter pädagogischer Aufsicht Natur und Gemeinschaft erleben sollen. Gibt’s was Schöneres?

Auch unser Landkreis wird immer städtischer. Viele Kinder wachsen ohne Garten auf. Auf einem Jugendzeltplatz wird Natur erfahrbar. Daran sollten vor allem die denken, die in Notzing einen Umweltfrevel wittern.

Die Maßnahme ist bei Anton Euringer von der Unteren Naturschutzbehörde in den besten Händen. Bereits bei der Umgestaltung des Erdinger Stadtparks hat er bewiesen, dass man durchaus konsequent in ein Ökosystem eingreifen kann, ohne es zu zerstören. Im Gegenteil: Der Park hat auch ökologisch gewonnen. Längst nicht alles, was bei uns in die Höhe sprießt, sind heimische Gewächse. Am Notzinger Weiher ist das nicht anders.

Apropos Kettensäge. Der Landkreis will entlang der Kreisstraßen Bäume fällen, die krank sind oder an Unfallschwerpunkten stehen. Landrat Martin Bayerstorfer sagt zu Recht: Menschenschutz vor Baumschutz. An einem schweren Unfall ist nie der Baum schuld, sondern stets der Fahrer. Aber wo sich das Risiko an neuralgischen Punkten verkleinern lässt, sollte man das auch tun. Alles andere – verantwortungslos.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bauleitplanung kontra Hochwasserschutz
Die Gemeinde Forstern ist dem Hochwasserschutz einen großen Schritt näher gekommen. Der Gemeinderat hat beschlossen, sämtliche Maßnahmen zur wasserrechtlichen …
Bauleitplanung kontra Hochwasserschutz
Bauverzögerung wegen Statiker-Streit
Erding - Seit Wochen tut sich kaum etwas an der Fehlbachbrücke. Es gibt Ärger bei der Tragwerksplanung. Die Experten sind sich uneins.
Bauverzögerung wegen Statiker-Streit
Gaudi mit ernstem Hintergrund
Eine Spende von 500 Euro und eine Menge Spaß sind die Bilanz einer Benefizveranstaltung. Humorist Peter Böhme hatte sie für den Erhalt des Kreißsaals im Klinikum Erding …
Gaudi mit ernstem Hintergrund
Nach dem Sturm kommt der Borkenkäfer
Der Sturm hat Freitagnacht in den Wäldern nur geringe Schäden angerichtet. Forstexperten blicken aber mit Sorge auf die kommenden heißen Tage.
Nach dem Sturm kommt der Borkenkäfer

Kommentare