Hans Moritz, Redaktionsleiter des Erdinger/Dorfener Anzeiger.

Kommentar zum Wochenende

Kreißsaal öffnet wieder: Eine tolle Mannschaftsleistung

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Dass der Erdinger Kreißsaal wieder öffnet, ist eine starke Leistung. Doch wenn die Politik nicht bald aktiv wird, um den Hebammen das Leben zu erleichtern, drohen neue Notstände. Das ist unverantwortlich, meint Redaktionsleiter Hans Moritz in seinem Kommentar zum Wochenende.

Erding - Chapeau! Was viele zwar gehofft, aber dennoch angezweifelt haben, wird Wirklichkeit: Der Kreißsaal am Klinikum geht wieder in Betrieb. 59 Geburtshilfen in Deutschland mussten heuer aufgeben oder sind gefährdet, darunter auch Krankenhäuser im Großraum München. Erding wird eine der wenigen Adressen sein, an der der Neustart glückt.

Dieser Erfolg hat viele Väter beziehungsweise Mütter. Da ist zum einen die Klinik selbst – mit ihrer unermüdlichen Gynäkologie-Chefärztin Dr. Brigitte Niemeyer. An ihrer Seite: Hebamme Annemarie Wolf. Beide kämpften wie die Löwen, dass in Erding wieder Kinder auf natürlichem Weg zur Welt kommen. Ihre eigentlichen Aufgaben dürften sie seit Juli fast ein bisschen vernachlässigt haben.

In unzähligen Gesprächen konnten sie nicht nur einen Stamm aus neun Beleg-Hebammen rekrutieren. Sie haben auch die Erneuerung der Kreißsäle erreicht.

Lob verdient hier auch die Politik. Kurz vor der Schließung hatte Landrat Martin Bayerstorfer noch das Millionen-Defizit des Klinikums im Vorjahr kritisiert und sich damit in der breiten Öffentlichkeit nicht gerade beliebt gemacht. Doch dann erkannte er, dass bei der Geburtshilfe Geld keine Rolle spielen darf. Richtigerweise forderte er das Krankenhaus auf, „alles zu tun, um den Kreißsaal wieder zu eröffnen – koste es, was es wolle“. Die Task Force hatte freie Hand. Ohne sie wäre die Rettung vermutlich gescheitert.

Aber auch die Bevölkerung hat ihren Anteil. Als die zeitweise Schließung des Kreißsaals verkündet wurde, gab es einen Aufschrei der Bürger, wie man ihn in Stadt und Land lange nicht gehört hat. Das war fürs Klinikum ein weiterer Beweis, dass es sich zu kämpfen lohnt. Das große Interesse werdender Eltern ist der Lohn dafür.

Umso schlimmer ist, wie den Hebammen insgesamt das Leben schwer gemacht wird – sei es mit beinahe sittenwidrig hohen Haftpflicht-Prämien, sei es mit der jüngst durchgesetzten Beschränkung auf zwei gleichzeitige Geburten pro Hebamme. Das Gegenteil ist richtig: Der Beruf der Geburtshelferinnen muss viel attraktiver gemacht werden.

Es ist offensichtlich, dass politische Lösungen gefragt sind. Unser Staat braucht Kinder. Wer Familien dabei unnötige bürokratische Hürden in den Weg legt, versündigt sich an der Zukunft unseres Landes.

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